Braucht Nürnberg mehr Graffiti-Kunst?

Graffiti: für die einen sind sie ein Augenschmaus, für die anderen dafür ein Graus. Die Stadt Nürnberg jedenfalls hat schon Anfang vergangenen Jahres beschlossen, die umstrittene Kunstform fördern zu wollen. Dabei will sie freilich auf künstlerisch wertvolle Graffiti setzen, nicht auf illegale Schmierereien. Ideen, wie man die Kunstform im Stadtbild besser etablieren könnte, gibt es viele. Zum Beispiel fordern hiesige Künstler Freiflächen, die für jedermann zur Verfügung stehen und die nach Lust und Laune mit der Sprühdose bearbeitet werden sollen. Derartiges gibt es in Nürnberg noch nicht.
An der Umsetzung der vielen Ideen jedoch hapert es noch. So wurde zwar mittlerweile ein „Runder Tisch Street Art“ ins Leben gerufen, an dem sich nicht nur die Akteure der Szene sondern auch die beteiligten Ämter zusammensetzen. Viele Ergebnisse gibt es aber noch nicht zu sehen. Demnächst soll ein weiteres Treffen stattfinden – in der Hoffnung, dass es dann konkreter zur Sache gehen wird.
Was Graffiti alles kann, zeigt sich gerade an der Theodor-Heuss-Brücke im Pegnitztal West. Dort ist Mitte August das bisher größte Kunstwerk Nürnbergs entstanden. Bunt statt Beton. 35 Künstler haben sich an der Aktion beteiligt, die von einer Initiative organisiert wurde, die sich für Street Art einsetzt, also die Kunst im öffentlichen Raum. Das Werk soll nun zumindest schon mal für die nächsten drei Jahre erhalten bleiben. Das reicht Graffiti-Fans aber noch nicht: Sie wollen die Theodor-Heuss-Brücke dauerhaft zu ihrer Leinwand umfunktionieren.

Meike Kreil

Braucht Nürnberg mehr Graffiti-Kunst?

Soll die Blaue Nacht ausgeweitet werden?

Mehr als 300 Programmpunkte in über 80 Institutionen, Plätzen und Höfen – das Angebot bei der Blauen Nacht ist so groß, dass man nicht einmal dann alles sehen könnte, wenn man in Lichtgeschwindigkeit durch die Stadt rennt.

Monatelang bereiten sich Künstler auf diesen einen Abend vor, überlegen sich Aktionen, arbeiten an der Umsetzung. Etliche Lampen und Laternen werden präpariert, damit alles stimmig wirkt und sich die Besucher einen Abend lang an dem besonderen Flair erfreuen können. Viele von ihnen würden sich gern mehr ansehen, schaffen es aber mangels Zeit überhaupt nicht, alle für sie interessanten Stationen abzuklappern. Es soll schon vorgekommen sein, dass sich Besucher bei Verzögerungen ärgerten, weil ihr ganzer Zeitplan nicht mehr funktionierte. Die Lösung des Problems wäre einfach: Die Blaue Nachtwird abgeschafft. Stattdessen gibt es künftig ein Blaues Wochenende – und somit mehr Zeit, die Veranstaltung genießen zu können.

Eine Verlängerung könnte möglicherweise den Anwohnern nicht ganz so gut gefallen. Schließlich wäre die Stadt dann nicht nur am Samstagabend, sondern auch am Freitag oder Sonntag voll.

Julia Vogl

Soll die Blaue Nacht ausgeweitet werden?

Mehr Freiraum für die Lorenzkirche?

„Die Reformation hat ausgeräumt“ – dieser Leitgedanke bestimmte auch die Aktionen beim „Spielraum Reformation“ in der Lorenzkirche: So wie Martin Luther und seine Mit-Reformatoren an vielen Dingen rüttelten, die scheinbar untrennbar mit der Kirche verbunden waren und doch nur den Blick auf das Wesentliche verstellten, so sollten sich zur Lutherdekade auch in St. Lorenz ganz neue Perspektiven eröffnen. Kunstinstallationen und -aktionen wie die Jukebox zur Blauen Nacht füllten den Kirchenraum, dafür verschwanden die so vertrauten Kirchenbänke und wanderten teilweise als bunt bemalte „Hingucker“ in den öffentlichen Raum rund um das Gotteshaus. Vor allem diese Neumöblierung rief auch etliche Kritiker auf den Plan: Sie könnten ihre vertraute Kirche nicht wiedererkennen, bemängelten sie, andere sahen den „Mut zur Leere“ gar als ausgewachsenen Skandal an.
Im Laufe des Aktionszeitraums von April bis Ende Juni zeigte sich aber, dass die meisten Nürnbergerinnen und Nürnberger die Chance gerne wahrnahmen, eine ihrer Hauptkirchen aus einer ganz neuen und vielleicht sogar authentischen Perspektive zu erfahren. Aus diesem Grund will die Kirchengemeinde jetzt auch nicht so einfach nach Ende des Aktionszeitraums zum Bisherigen zurückkehren und einen Teil dieses Wagnisses in die Zukunft mitnehmen.

Clemens Helldörfer

Mehr Freiraum für die Lorenzkirche?

Soll die Dürer-Kopie zurück in den Rathaussaal?

Der Film, der am vergangenen Wochenende zum ersten Mal einem großen Publikum gezeigt wurde, machte deutlich: Albrecht Dürer und eines seiner weitgehend unbekannten Meisterwerke beschäftigt die Menschen.

Besuchermassen wollten sich ein Bild davon machen, wie die Nordwand des Historischen Rathaussaales aussah, bevor die Ausmalungen Dürers im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Das Malergenie hatte einst von der Stadt Nürnberg den Auftrag erhalten, das Rathaus und vor allem den Rathaussaal zu bemalen.

Der Film präsentierte mehr als 500 Jahre alte Entwurfszeichnungen von Dürer, Freskenfragmente aus dem 17. Jahrhundert, historische Kopien von 1904 und Fotografien von 1943/1945. Im Mittelpunkt der multimedialen Zeitreise standen der kaiserliche Triumphzug, den er entworfen hatte, sowie die Zeichnung „Verleumdung des Appelles“ – ein Richter mit Eselsohren. Zu bewundern waren vor allem die Schönheit des Werkes und das außerordentliche künstlerische Niveau Albrecht Dürers.

((ContentAd))Eine vollständige Rekonstruktion ist leider nicht möglich, da keine kompletten Ansichten der Ausmalungen existieren. Deshalb betont Kulturreferentin Julia Lehner: „Wer eine Rekonstruktion fordert, muss erst einmal klären, was rekonstruiert werden soll.“

Doch eine komplette Ausmalung ist nicht nötig – stattdessen könnte ein kleiner, gut dokumentierter Teil realisiert werden. Der „Triumphzug“ und „Die Verleumdung des Appelles“ sind belegt. Sie würden Bürgern und Touristen zeigen, dass die Geschichte des Rathaussaales unvergessen ist. Gegner einer Ausmalung nach historischen Vorgaben sprechen jedoch von einer unnötigen „Geschichtsklitterung“.

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Dürer-Kopie zurück in den Rathaussaal?“

Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Brauchen wir ein Mehrheitswahlrecht?“ Mit Ja antworteten 60 Prozent, mit Nein 40 Prozent.