„Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ins Gespräch gebracht und ist damit in der Union auf sehr viel Zustimmung gestoßen. Junge Menschen sollen demnach im Anschluss an die Schule ihre Arbeitskraft ein Jahr der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Damit ist keine Wiedereinführung der ausgesetzten Wehrpflicht gemeint, obgleich das Militär ein Ort ist, an dem die jungen Leute den Dienst ableisten können.
Aber der Idee nach wäre es genauso möglich, sich in sozialen, ökologischen oder kulturellen Einrichtungen zu engagieren. Befürworter glauben, dass ein solches verpflichtendes Gesellschaftsjahr den Bürgern eines wohlhabenden Landes durchaus abverlangt werden könne. Soziale Träger, die unter dem Wegfall des Zivildienstes litten, könnten die Kräfte gut brauchen. Zudem würde die Gesellschaft enger zusammenrücken, denken die Verfechter der Idee. Und obendrein sei es auch eine Chance für die jungen Leute, sich beruflich zu orientieren und Tätigkeitsfelder kennenzulernen, auf die sie sonst vielleicht nicht stoßen würden.
Allerdings geht das bisher auch schon, wenngleich auf freiwilliger Basis – man kann ein soziales Jahr einlegen oder sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren (Foto: dpa). Vertreter von SPD, Grünen, Linken und FDP haben sich denn auch skeptisch gezeigt, ob eine allgemeine Dienstpflicht wirklich sinnvoll ist. Hans-Peter Bartels (SPD) zum Beispiel äußerte verfassungsrechtliche Bedenken, Zwangsarbeit sei schließlich verboten. Die Linkspartei befürchtet, dass junge Leute über ein solches System instrumentalisiert werden könnten, um Notstände in der Pflege zu verringern. FDP und Grüne sehen durch ein Pflichtjahr einen massiven Eingriff in die individuellen Rechte der jungen Leute und lehnen es daher ab.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.

Marco Puschner

"Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?"

Wertet die neue Bestuhlung den Hauptmarkt auf?

Seit Mitte dieser Woche gibt es auf dem Hauptmarkt Bestuhlung. 16 Stühle, acht Bänke und vier Tische hat das Marktamt dort aufgestellt. Damit wollen die Stadt Nürnberg und die Markthändler den Platz für Bürger attraktiver machen.
Tatsächlich könnten die neu geschaffenen Sitzgelegenheiten für eine längere und angenehmere Verweildauer auf dem Marktplatz sorgen (Foto: Roland Fengler). Hier können die Menschen sich ausruhen, etwas essen, miteinander ins Gesrpäch kommen. Sie haben auch die Möglichkeit, die Möbel zu verschieben und eigenen Bedürfnissen anzupassen. Jeder kann selbst entscheiden, ob er neben einem Unbekannten auf einer Bank Platz nehmen mag oder den Stuhl etwas weiter weg schiebt, um dort seine Ruhe zu haben.
Bei der Wahl der Möbel hat sich das Marktamt für eine pragmatische Variante entschieden. Die Möbel sind pflegeleicht, robust und stapelbar. Sie wurden auch günstig angeschafft, weil es sich bei der Initiative um einen Test handelt. Die Stadt Nürnberg will beobachten, wie die neuen Sitzgelegenheiten bei den Menschen ankommen. Die Stühle, aber vor allem Tische und Bänke sehen daher entsprechend einfach aus und bringen die Biergartenatmosphäre zwischen dem Schönen Brunnen und der Frauenkirche. außerdem besteht die Gefahr, dass die einzelnen Möbel so auf dem Platz verteilt werden, dass der Ort chaotisch wirken könnte.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Wertet die neue Bestuhlung den Hauptmarkt auf?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.

Ella Schindler

"Wertet die neue Bestuhlung den Hauptmarkt auf?"

 

Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Wenn der olympische Gedanke noch nicht tot ist, so kränkelt er zumindest chronisch. Nicht erst jetzt, wenige Tage vor Beginn der Winterspiele in Südkorea, mehren sich wieder die ablehnenden Stimmen. Olympia – ist das eigentlich etwas anderes als eine Dauerwerbesendung und ein Konjunkturprogramm für die Baubranche? Und sollte das Publikum nicht besser ins örtliche Stadttheater gehen, wenn es eine Tragikomödie über Betrug und Bestechlichkeit des Menschen sehen will?

Nach den dopingverseuchten Radrennen und der ins Zwielicht geratenen Fifa hat mittlerweile auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Ansehen schwer gelitten. Es bekommt die Doping-Probleme nicht in den Griff, im Gegenteil. Der Umgang mit betroffenen Teilnehmern aus Russland war halbherzig, jetzt hebeln auch noch Sportrichter verhängte Sperren wieder aus. Skirennfahrer Felix Neureuther tat am Wochenende in einem Interview nicht als Erster sein Unbehagen kund. Der Glanz der Medaillen verblasse, kritisiert er, weil das Programm aufgebläht und kommerziell sei. Die Athleten selbst müssten endlich protestieren.

Was gibt es überhaupt noch Gutes über Olympia zu sagen, von der Traditionswahrung abgesehen? Vielleicht dass der Sport in einer mehr denn je zerstrittenen Welt eines der letzten Instrumente für Völkerverständigung darstellen kann – gerade im Fall der beiden Koreas? Oder der Bildungsaspekt. Als Zuschauer kann man abwegige Sportarten entdecken, atemberaubende Spitzenleistungen sauberer Athleten bewundern, von denen sich zu Hause auf dem Sofa nur träumen lässt. Olympia war immer auch Unterhaltung und Emotion. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Isabel Lauer

Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Kaufen Sie jetzt mehr Eier aus der Region?

Die Lebensmittelbranche hat einen neuen Skandal: Nach Pferdefleisch-Lasagne und Listerien in der Wurst ist nun das Insektengift Fipronil in Eiern entdeckt worden. Das Mittel wurde offenbar in Belgien verbotenerweise einem Desinfektionsmittel für die Nutztierhaltung beigemischt – und kam auch in Ställen in den Niederlanden und in Deutschland zum Einsatz.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium schätzt, dass mehr als zehn Millionen aus den Niederlanden stammende belastete Eier in Deutschland verkauft worden seien. Hinzu kommen womöglich noch mehrere Zehntausende Eier aus Niedersachsen – dort war in vier Legehennenbetrieben Fipronil nachgewiesen worden. Auch Länder wie die Schweiz, Schweden und Großbritannien sind betroffen.

Für den Verbraucher besteht laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) durch den Verzehr von Eiern „keine konkrete“ Gesundheitsgefährdung. Bei Kindern sieht es anders aus: Beim Verzehr von zwei belasteten Eiern bestehe die Möglichkeit „einer gesundheitlichen Gefährdung“, heißt es. Inzwischen gab es auch die ersten Rückrufaktionen von Produkten mit verarbeiteten Eiern – betroffen waren Salate einer Firma aus Lübeck. Experten zufolge dürften auch in Mayonnaise und Eierlikör Fipronil-Rückstände zu finden sein.

Egal, welche Wendungen der aktuelle Eier-Skandal noch nimmt: Das Vertrauen in den globalisierten Lebensmittelmarkt ist wieder einmal erschüttert worden. Während mancher Verbraucher inzwischen resigniert hat, sind andere verängstigt und überdenken ihr Konsum- und Kaufverhalten. Bio-Betriebe in der Region melden bereits eine Nachfrage nach Eiern, die sie kaum noch bewältigen können. Der Betreiber eines Öko-Geflügelhofs im Nürnberger Land schätzt, dass in sechs bis acht Wochen alles wieder wie vorher ist – es bis dahin aber eine richtige Eierknappheit geben wird. Judith Horn; Foto: Udo Schuster

Kaufen Sie jetzt mehr Eier aus der Region?

Klassik-Open-Air: Passt das Konzept für den Verkehr?

Die Polizei hat dieses Jahr zusammen mit der Stadt Nürnberg ein neues Verkehrskonzept für das Klassik-Open-Air erarbeitet. So wurden einige Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und der Verkehr umgeleitet (Foto: Michael Matejka). Die Polizei und die Stadt Nürnberg sahen im neuen Verkehrskonzept wichtige Verbesserungen: Die Maßnahme sollte die Sicherheit der Veranstaltung erhöhen.

Außerdem versprachen sich die Verantwortlichen mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger, die aufgrund der Zufahrtssperren die Straße einfach überqueren konnten. Andererseits erforderte die Umsetzung einen höheren Aufwand für die Polizei und einiges an Umstellungen für die Autofahrer, die nicht zum Klassik-Open-Air wollten. Ella Schindler

Klassik-Open-Air: Passt das Konzept für den Verkehr?

Sonderrechte für E-Autos im Verkehr?

Bericht zu Elektromobilität überreichtNur 49 Autos, die rein mit Strombetrieb fahren, waren im vergangenen Jahr in Nürnberg registriert. Viele Hundert mehr sollen es werden, und zwar schnell, das sieht die Bundesregierung mit ihrer Kampagne für die Elektromobilität vor.

Doch der Bürger entscheidet sich heute nur im Ausnahmefall für ein E-Auto: Zu kompliziert erscheinen noch das Aufladen und die begrenzte Fahrdauer, erst recht angesichts hoher Kaufpreise. Als E-Fahrer macht man sich ganz bewusst zum Exoten.

Was die Beliebtheit der E-Autos steigern könnte, darüber gibt es geteilte Meinungen. Der Bund hat jüngst ein Gesetz geschaffen, das Elektroautofahrern Vorrechte im Stadtverkehr einräumen will: Sie dürften auf Busspuren als erste über die Ampel, bekämen Sondernummernschilder und Gratisparkplätze als Dank dafür, dass sie leise und abgasfrei fahren. Bis zum Jahr 2020, so erhofft ess sich die Bundesregierung, ist dann eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Nachhilfe am anderen Ende nötig

Der Nürnberger Verkehrsplanungschef aber hält davon gar nichts, wie die allermeisten Rathäuser im Land. Ob in Berlin, München, Stuttgart oder Hamburg: Nirgendwo herrscht Begeisterung über die Entscheidung der Großen Koalition, den E-Mobilen Vorfahrt zu gewähren. Die Städte meinen: Es bräuchte die Nachhilfe genau am anderen Ende, nämlich bei der Entwicklung attraktiverer, leistungsfähiger, steuerbegünstigter E-Autos. Wer die leisen Flitzer stattdessen nur auf der Straße bevorzuge, hole sich neben großem behördlichen Aufwand höchstens noch mehr Autos in die vollen Städte. Denn die Modelle eignen sich derzeit nicht als echter Ersatz für den Benziner oder Diesel. Die autoverliebte Nation kauft sich ein umständliches E-Auto, wenn überhaupt, nur als Zusatz-Mobil.

Wir wollen von Ihnen also diesmal wissen: „Sonderrechte für E-Autos im Verkehr?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Volksfest: Schützenswertes Gut?“ Teilgenommen haben 373 Leser. Mit Ja antworteten 49,3 Prozent, mit Nein 50,7 Prozent.

Wurde der olympische Gedanke in Sotschi verraten?

Die meisten sportlichen Großereignisse, so scheint es, machen in erster Linie nicht wegen der dort gezeigten athletischen Leistungen Furore, sondern sorgen bereits im Vorfeld für Anlass zu Kritik und heftigen Diskussionen. Das gilt für die erst in acht Jahren stattfindende Fußball-WM in Dubai genauso wie die seit Donnerstag laufenden Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Der Umstand, dass hier mit gigantomanischen Aufwand (knapp 40 Milliarden Euro) eine Retorten-Infrastruktur in die teilweise noch unberührte Natur gestampft wurde, lässt jeden Gedanken an ökonomisch bzw. ökologisch sinnvolle Spiele verblassen. Dazu passt noch das Detail, dass etwa die Skisprungschanzen so ungünstig an abrutschenden Hängen platziert wurden, dass sie vermutlich nicht allzu lange überdauern werden.

Noch schwerer als solche Bausünden wiegen Berichte über anhaltende Menschenrechtsverletzungen in Russland und über die in den vergangenen Jahren offen zur Schau gestellten Homophobie, die sich auch in Gesetzen niederschlägt. Solche Aspekte waren es wohl auch, die Bundespräsident Joachim Gauck dazu bewegten, den Winterspielen in Russland die kalte Schulter zu zeigen. Ins Bild von einem ziemlich rücksichtslos agierenden Staatsapparat passen auch die Berichte von Massentötungen an Straßenhunden, damit diese nicht das perfekt organisierte Veranstaltungsbild stören.

Den Kritikpunkten kann man sicherlich entgegenhalten, dass die reine Idee von Spielen im olympischen Geist schon längst der Vergangenheit angehört. Wer erinnert sich schon noch an die Zeiten, als nur Amateursportler antreten durften und auch das IOC gilt nicht gerade als Muster an ideeller Bescheidenheit.

Ärgerlich ist eine wie auch immer geartete Olympia-Ablehnung natürlich auch für die Sportler, die nicht dafür jahrelang auf höchsten Niveau trainiert haben, um anschließend als willige Aushängeschilder für die große Wladimir-Putin-Show hingestellt zu werden. Deshalb gibt es genügend Stimmen, die fordern, man solle doch bitte das Sportliche und das Politische auseinanderhalten. Inwieweit dies in der heutigen Zeit noch möglich ist, ist eine ganz andere Frage.

Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage daher diesmal wissen: „Wurde der olympische Gedanke in Sotschi verraten?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf  NZ.de auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Bus- und Bahnfahren für einen Euro am Tag?“ Teilgenommen haben 680 Leser. Mit Ja antworteten 86,9 Prozent, mit Nein 13,1 Prozent.

Sinnvoll oder nicht – soll Sör aufgelöst werden?

Zum 1. Januar 2009 ging der städtische Eigenbetrieb Service öffentlicher Raum (Sör) an den Start – durch Zusammenlegung von Tiefbauamt, Gartenbauamt und der Straßenreinigung sollten Unterhalt und Pflege von Straßen, Wegen, Grünanlagen und Plätzen aus einer Hand erfolgen. Fünf Jahre später stellt sich die Frage: Ist dieses Projekt gescheitert?

Auch wirtschaftlich erhoffte sich die Stadtverwaltung von der neuen Konstruktion Vorteile, weil Sör durch die Ausgliederung als Eigenbetrieb unabhängiger agieren kann und weniger von der Zuweisung aus kommunalen Kassen abhängt, wenn es zum Beispiel darum geht, neue Autos und Werkzeuge zu beschaffen.

Doch Schneechaos und Schlaglöcher auf den Straßen machten den neuen Eigenbetrieb in den vergangenen Jahren oft zur Zielscheibe der öffentlichen Kritik. Bürgermeister Horst Förther, zugleich erster Werkleiter von Sör, und seine Mitarbeiter konnten meist gute Gründe dafür anführen, warum zum Beispiel so mancher Wintertag Sör vor Probleme stellte – dennoch könnte die Struktur des Eigenbetriebs im Wahlkampf nun ein Thema werden.

Die Piraten etwa fordern die Abschaffung von Sör, und auch der OB-Kandidat der CSU, Sebastian Brehm, hat im NZ-Gespräch deutlich gemacht, dass er die Behörde für zu groß und ineffizient hält. Die mit der Gründung von Sör verbundenen Hoffnungen hätten sich nicht erfüllt, auch die Mitarbeiter seien unzufrieden, argumentiert Brehm.

Auf der anderen Seite gerät oft in Vergessenheit, dass auch die Sör-Vorgängerorganisationen es den Bürgern meist nicht recht machen konnten, was die Pflege der Plätze und der Straßen anbelangt. Vielleicht liegen die Schwierigkeiten, die Sör hat, weniger in der eigenen Struktur als in der überzogenen Anspruchshaltung der Nürnberger? Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage daher diesmal wissen: „Soll Sör aufgelöst werden?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Mehr Einfluss für die Opposition?“ Mit Ja antworteten 34,4 Prozent, mit Nein 65,6 Prozent.

Soll die Quelle abgerissen werden?

In der vergangenen Woche tobte eine verbale Schlacht um das ehemalige Quelle-Versandzentrum mit seiner Nutzfläche von 256.000 Quadratmetern. Während Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly den unter Denkmalschutz stehenden Bau mit einer universitären Nutzung wiederbeleben möchte, setzt Finanzminister Markus Söder auf Abriss und Neubau. Statt der Umnutzung des ehemaligen Versandzentrums möchte Söder einen kleinen, neuen Wissenschaftscampus auf dem Quelle-Gelände errichten. Die Architektur soll modern und zukunftszugewandt sein. Die markante Quelle-Fassade möchte der Finanzminister im Grunde nur noch als ein Zitat stehenlassen.

Söder befürchtet, dass die Sanierung des Quelle-Altbaus für eine universitäre Nutzung zu teuer kommt und der Freistaat ein hohes Risiko eingehen würde, wenn er die 70.000 Quadratmeter Nutzfläche für einen Euro erwirbt. Dieses Angebot hat der portugiesische Immobilienentwickler Sonae Sierra der Staatsregierung gemacht.

Doch so einfach ist das alles nicht, denn der Denkmalschutz, unter dem die Quelle-Immobilie steht, kann nicht so einfach aufgehoben werden, wie immer behauptet wird. Es müsste in jedem Fall nachgewiesen werden, dass die Immobilie nicht mehr weiter sinnvoll genutzt werden kann. Dieser Nachweis ist wohl nicht zu erbringen.

Bislang ist nicht bekannt, wie die Argumentation verlaufen könnte, um einen Abriss zu ermöglichen. Der Freistaat müsste beim Denkmalschutz ohnehin eigentlich vorbildlich agieren, sonst besteht die Gefahr, dass der Schutz von Denkmälern bei privaten Bauherren noch schwieriger als bisher zu vermitteln ist.

Der Milchhof ist ein schlechtes Beispiel

Es hat in Nürnberg schon einmal einen ähnlichen Fall wie den der Quelle gegeben, der sich nur von der Größe her erheblich unterscheidet: Die ehemalige Produktionshalle auf dem Milchhofgelände. Die spezielle Form der Shed-Dach-Konstruktion war einzigartig in Bayern. Nachdem sich alle Musical-Pläne zerschlagen hatten, wurde die Halle systematisch kaputt gemacht. Das Dach wurde aufgesägt, um etwas auszubauen und am Ende gab es gar eine Katastrophenübung in der Halle: Dabei wurde die Halle endgültig kaputt gemacht. Die Vorschläge, das Milchhof-Gelände inklusive Halle für die Erweiterungsbauten der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm zu sichern, wurden vom Freistaat als angeblich zu teuer zurückgewiesen: Die neuen Gebäude der Ohm Hochschule verteilen sich jetzt über die Stadt und die Architekten erhielten mit ihren Studenten in der Bahnhofstraße eine anonyme Kiste.

Vergleiche hinken, sagen Historiker und man darf auch nicht vergessen, dass Sonae Sierre sicherlich nichts verschenkt. Es gibt aber Situationen im Geschäftsleben, bei denen beide Seiten einen Gewinn machen. Auch die Ohm Hochschule hätte von den eigenwilligen Milchhof-Bauten profitieren können. Solche Chancen kommen nur einmal.

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Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Sollen Plastiktüten verboten werden?“ Mit Ja antworteten 69 Prozent, mit Nein 31 Prozent.

Fanmeile am Flughafen – eine gute Idee?

Die Suche nach einem geeigneten Platz für die öffentliche Übertragung von Spielen der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im Sommer 2014 war schwierig. Überraschend tauchte am Mittwoch die Möglichkeit auf, dass die Mitarbeiter-Parkplätze am Flughafen für das Public Viewing geeignet seien.

Die Wöhrder Wiese geht nicht mehr, weil die Anlieger sich auf rechtliche Vorgaben berufen können: Bis zu 30.000 Zuschauer waren in der Vergangenheit auf der Wöhrder Wiese, und ihr Jubel übertraf bisweilen alle zulässigen Grenzwerte.

Die Stadt darf das Public Viewing an dem stimmungsvollen Ort nicht mehr erlauben, weil die Spiele bis weit nach 23 Uhr dauern und deshalb Ausnahmen nicht mehr zulässig sind. In der Vergangenheit wurde auch die Natur der Wöhrder Wiese kräftig mit Füßen getreten, so dass kostenträchtige Ausbesserungsarbeiten nötig wurden.

In den vergangenen Wochen gab es intensive Untersuchungen, wo die Fans feiern und jubeln können, ohne die Nachbarschaft zu stören: Der Kornmarkt schied als zu klein aus. Die anderen Plätze in der Innenstadt hätten ebenfalls die Nachbarschaft zu sehr belastet.

Der Flughafen bietet sich an, weil er sehr gut erreichbar ist und die Lautsprecher von der Wohnbebauung abgewandt aufgestellt werden können. Allerdings braucht man sehr viel Fantasie, um an diesem Ort in richtige Fan-Stimmung zu kommen. Jetzt müssen noch die Details ausgearbeitet und die Sorgen der weiteren Umgebung der Fan-Meile am Flughafen ausgeräumt werden.

Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage diesmal wissen: „Fanmeile am Flughafen – eine gute Idee?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de auf der rechten Seite ab. Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „50 Jahre Meistersingerhalle: Ist sie noch zeitgemäß?“ Mit Ja antworteten 64 Prozent, mit Nein 36 Prozent.