Nürnbergs neuer Konzertsaal: Passt der Standort?

Nürnberg bekommt einen neuen Konzertsaal, soweit der Plan seit Jahren. Interessanterweise haben wir an dieser Stelle schon einmal gefragt, ob der Standort gut gewählt ist. Zwei Jahre liegt das zurück, damals traf der Stadtrat die Grundsatzentscheidung, den Saal unmittelbar neben der Meistersingerhalle zu errichten. „Soll der Konzertsaal neben die Meistersingerhalle?“, fragten wir. 76,2 Prozent der Teilnehmer waren einverstanden, Nein sagten 23,8 Prozent.

Jetzt hat der Stadtrat seine Entscheidung präzisiert, und es folgt Gemurre. Der neue Saal soll an die Westseite, neben die Kleine Meistersingerhalle, kommen (siehe gelbe Markierung). Damit folgten die Stadtratsmitglieder der Empfehlung der Stadtverwaltung, die das Gelände ausgiebig prüfen ließ. Für so einen Prestige-Bau sei die Ecke Münchener Straße/Schultheißallee aber doch zu klein gedacht, monieren die ersten Bürger. Sie befürchten vor allem Verkehrschaos. Andere finden den nicht gerade lebendigen Stadtteil beim Luitpoldhain zu dezentral.

Die Verantwortlichen aus der Stadtregierung beruhigen: Selbst bei Doppelbespielung mit der Meistersingerhalle werde es genügend Parkplätze geben. Zwar würden die jetzigen 150 Parkplätze vor dem Parkhotel wegfallen. Aber entweder könnte der große Meistersingerhallen-Parkplatz um ein Parkdeck aufgestockt werden, oder, so die Hoffnung, das in die Jahre gekommene Hotel könnte irgendwann bei einer Sanierung seine Tiefgarage erweitern. Finanziell kündigt sich die Westseite sparsamer an als die Alternativstandorte rund um die Meistersingerhalle. Im Süden wäre der Eingriff in das Parkgelände ökologisch nicht zu vertreten. Im Osten würde ein neues Bauwerk gleichsam den Zugang zum Park versperren, außerdem bräuchte es mehr Schallschutz wegen der Anwohner.

Das Gebäude soll mindestens 25 Meter hoch werden. Die aktuellen Planungen sehen den Baubeginn für 2021 vor, die Kosten sind noch völlig unklar. Und wie sehen Sie das?

Isabel Lauer, Illustration: Stadt Nürnberg

Neuer Konzertsaal: Passt der Standort?

Soll der Konzertsaal neben die Meistersingerhalle?

Das technisch marode Opernhaus war vor einigen Jahren der Anlass, über einen Konzertsaal auf akustisch hohem Niveau nachzudenken. Da das Musiktheater für die Sanierung mindestens zwei Jahre auf die Spielstätte Opernhaus verzichten muss, soll kein Geld in eine mobile Interimsspielstätte gesteckt werden, sondern in einem neuen Konzertsaal auf Dauer angelegt werden. Nicht alle Musikenthusiasten stellt die Akustik der Meistersingerhalle zufrieden.
Nachdem aber die Stadt auch Bedarf für ein Kongresszentrum für Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Teilnehmern hat, gab es eine lange Diskussion darüber, ob ein neuer Konzertsaal auch als Tagungszentrum genutzt werden kann. Außerdem musste die Frage beantwortet werden, wo der Standort des neuen Konzertsaals sein soll. Diese Standortanalyse zog sich lange hin, denn mit einem solchen Kulturprojekt lassen sich auch ganze Stadtteile entwickeln. Aus den unterschiedlichsten Gründen schieden aber viele Kandidaten aus: Beim Kohlenhof und beim ehemaligen Quelle-Versandzentrum würde es Probleme mit den Lärmemissionen geben. Beim AOK-Gelände am Ring konnten sich die Grundstückseigentümer nicht auf ein Angebot einigen. Der zusätzliche Verkehr im Umfeld des Augustinerhof-Areals hätte nicht bewältigt werden können, so dass der Bau einer Konzertsaals in der Altstadt nicht möglich war.
Der Gordische Knoten wurde in der vergangenen Woche durchschlagen: Es wird ein Konzertsaal, der auch für Tagungen zur Verfügung steht, auf dem Parkplatz der Meistersingerhalle gebaut. Die Meistersingerhalle (Foto: Oliver Acker) wiederum wird modernisiert und als Kongresszentrum ausgebaut. Ihr großer Saal kann aber auch künftig weiter für Konzerte genutzt werden.
Ein Konzertsaal, der nicht im Zentrum der Stadt angesiedelt ist, wird wenig Flair entfalten. Auch wird es im Umfeld des Luitpoldhains zu noch mehr Verkehr kommen.

André Fischer

Soll der Konzertsaal neben die Meistersingerhalle?

Hat sich die Meistersingerhalle überlebt?

Wohl jeder Bewohner der Metropolregion kennt sie: Die Nürnberger Meistersingerhalle ist seit 1963 ein zentraler Konzert- und Kongressschauplatz, für Rock und Klassik, für Esoterikmessen und Wissenschaftstagungen. Ja, eben, bereits seit 1963. Das ist das Problem. Das Kulturhaus zeigt sich ziemlich abgewirtschaftet.

Das kam nicht nur neulich beim Pächterwechsel in der heillos veralteten Küche ans Licht. An der Fassade des riesigen Gebäudekomplexes an der Schultheißallee lösen sich die ersten Platten. Drinnen ergeben abgenutzte Möbel, altmodische Garderoben, blinde Glasscheiben und Uralt-Elektrik ein schäbiges Bild. Aber auch hinter den Kulissen der Meistersingerhalle erleben weder gastierende Künstler noch Techniker Nürnberg als moderne Großstadt, sondern als muffige 60er-Jahre-Zeitblase.

Die Stadt Nürnberg, die Eigentümerin, bemüht sich bedingt um Verbesserung. Im Moment wird zum Beispiel das Parkett im großen Saal ausgetauscht, zuletzt gab es eine Brandschutzsanierung, ein Notstromaggregat wurde eingebaut. Die Maßnahmen reparierten aber bisher immer nur die schlimmsten Bruchstellen. Ein Gesamtkonzept, wie die Halle aufgemöbelt werden könnte, fehlt. Schon jetzt deutet sich an: Die Sanierung dürfte ein Fass ohne Boden werden. Daher ist der wiederkehrende Wunsch aus dem Publikum nach dem Neubau einer Nürnberg-Philharmonie berechtigt. Doch dagegen spricht neben dem Preis ein unumstößliches Argument: Die Meistersingerhalle ist denkmalgeschützt. Das macht sie zunächst einmal unantastbar. Vielleicht gelingt es, sie durch geschickte Erneuerung wieder in ihrer ursprünglichen Form wirken zu lassen: als architektonisch ausgeklügelte Anlage im klaren Stil der klassischen Moderne.

Von Ihnen wollen wir in unserer Leserfrage wissen: „Hat sich die Meistersingerhalle überlebt?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de/nz-dialog ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Kommt der Club wieder unter die ersten Sechs?“ Mit Ja antworteten 49,4 Prozent, mit Nein 50,6 Prozent.