Soll die Katharinenruine ein Museum werden?

Die Frage hat ihren Reiz, auch wenn sie derzeit stadtpolitisch kei­ne Chance bekommt. Könnte aus der Katharinenruine (Foto: Oliver Acker) ein Museum über die Kriegszerstörung Nürn­bergs und den Wiederaufbau wer­den?
Der Freie-Wähler-Stadtrat Hart­mut Beck hat dies vorgeschlagen. Eine Gedenkstätte zu Krieg und Zer­störung bringt er seit Jahren immer wieder auf Tagesordnungen im Rat­haus – bisher ohne Erfolg. Die städ­tische Museumsdirektion und die Kulturreferentinwollen kein zusätz­liches Haus gründen, sondern das Thema stattdessen im Stadtmuse­um Fembohaus detaillierter aufgrei­fen. Von diesem Vorhaben ist nach Jahren der Ankündigung aber immer noch nichts zu sehen.
Das Fembohaus ist außerdem räumlich beengt und muss ein gan­zes Jahrtausend Stadtgeschichte zei­gen. Gleichzeitig schrumpft das Geschichtswissen in der Bevölke­rung rapide.
St. Katharina ist die letzte offen­sichtliche, begehbare Kriegsruine in der Altstadt. Ihr Raum böte die Chance, den jüngeren Generationen von den Verletzungen der Stadt zu erzählen, wenn die Augenzeugenge­neration bald nicht mehr lebt. Ein Dach und eine Dauerausstellung könnten diesen vergessenen, wenig genutzten Ort aufwerten. Konzerte und Kulturveranstaltungen könn­ten mit einer geschickten Architek­turlösung trotzdem möglich blei­ben.
Der Kulturausschuss des Stadt­rats wiederum hat jüngst anders geurteilt: Die Kirchenruine bleibt demnach besser, wie sie ist. Als ein­zige
feste Open-Air-Konzertbühne in großem Stil belebt sie das Stadt­bild im Sommer auf unverzichtbare Art. Um ein Kriegsmahnmal zu sein, müsse sie nicht umgebaut wer­den, zumal die Stadt Nürnberg schon genügend Museen und kost­spielige Kulturbauprojekte vor sich hat.

Isabel Lauer

Soll die Katharinenruine ein Museum werden?

Braucht Nürnberg ein Bratwurstmuseum?

Nürnberg ohne seine Bratwurst, das wäre wie Paris ohne Eiffelturm, wie Fix ohne Foxi. Warum die Stadt ihr berühmtes essbares Wahrzeichen nicht schon längst in einem eigenen Museum oder zumindest einer Dauerausstellung würdigt, leuchtet vielen Einheimischen und Gästen überhaupt nicht ein. Die mindestens 700 Jahre lange Historie böte genug Stoff, damit so ein Projekt auch ohne zu viel Firmenwerbung gelingen kann.

Und so hat Nürnbergs oberster Bratwurstfreund Hartmut Frommer, der den Schutzverband für das Würstlein leitet, jetzt nach langer Pause wieder öffentlich den Wunsch nach einem solchen Museum geäußert.

Aber was ist mit all jenen, die schon beim Gedanken daran Magenschmerzen kriegen, weil Nürnberg dann an Biederkeit endgültig nicht mehr zu übertreffen sei? Lasst den Thüringern ihr Wurstmuseum, sagen sie – in Nürnberg brauchen wir Kunst, die man nicht essen kann. Wir wollen in unserer Leserfrage von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg ein Bratwurstmuseum?“

Welches Museum hätten´S denn gern?

MuseumIndustriekulturSchon wenn sie das Wort „Museum“ hören, beginnen manche zu gähnen. Doch die meisten Museen verdienen heutzutage eine solche Reaktion nicht mehr. Es hat sich eine Menge verändert in der Museumslandschaft. Die Besucher müssen in vielen Häusern längst nicht mehr „Abstand halten“ zu den ausgestellten Sachen – ganz im Gegenteil: Das Berühren ist immer öfter erwünscht und nicht mehr verboten. Auch in Nürnberg – links im Bild das Museum Industriekultur – haben sich die Museen weiterentwickelt und laden die Besucher oft zu eigenen Aktivitäten ein.

Die Nürnberger werden aber in letzter Zeit auch zunehmend selbst aktiv, was Ideen für neue Museen angeht. Es gibt eine ganze Liste von Vorschlägen, welche zusätzlichen Museen man gern hätte: In der Ehrenhalle des Rathauses sollen die Kopien der Reichskleinodien ausgestellt werden. Ein Kulturhistorisches Museum soll die Bedeutung Nürnbergs auf dem Gebiet von Kunst und Kunsthandwerk endlich gebührend würdigen. Ein Museum für historische Fahrzeuge steht ebenso auf der Wunschliste wie ein Feuerwehrmuseum oder ein Museum zur Bayerischen Geschichte und sogar ein Arabisches Museum. Die Sportstadt Nürnberg soll in einer eigenen Sportsammlung präsentiert werden, und als Spielzeugstadt will man zusätzlich zum Spielzeugmuseum auch noch ein Spielearchiv.

Was ist sinnvoll, was kann und soll sich die Stadt leisten? Gibt es womöglich bestehende Museen, die nicht mehr sinnvoll sind? Wie kann man alte Einrichtungen mit neuen Inhalten füllen? Oder passt alles so, wie es ist?
Jetzt sind Sie gefragt: Schreiben Sie uns Ihre Meinung hier im Blog in einem Kommentar!

Braucht Nürnberg noch ein Museum?

Das „Museum zur Bayerischen Geschichte“ soll nach Nürnberg kommen, genauer gesagt: ins Pellerhaus. Kulturreferentin Julia Lehner (Bild) findet Nürnberg als Standort ideal: „Als Nürnberg schon als Zentrum Europas bezeichnet wurde, war München noch lange ein Dorf.“

Das Pellerhaus steht nach dem 2011 geplanten Auszug der Stadtbibliothek sowieso leer. Andererseits möchte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ein solches Museum errichten. Das sagte er zumindest in seiner Regierungserklärung. Wenn Nürnberg nicht zuschlägt, dann kommt das Museum vielleicht nach Augsburg oder Regensburg.

Insofern stellen sich eigentlich zwei Fragen:

Braucht Nürnberg ein weiteres Museum?

und

Braucht Bayern ein Museum zur Bayerischen Geschichte?

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