Sind Sie für Nulltarif bei Bus und Bahn?

Auf den ersten Blick muss man da ja zustimmen: Wer ist schon ernsthaft gegen Nulltarif bei Bus und Bahn? Schaut man genauer hin, ist freilich klar, dass der ohnehin stets in den roten Zahlen befindliche öffentliche Personennahverkehr dann anderweitig finanziert werden müsste: zum Beispiel über Steuern.
Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie und der Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG), hat so ein Modell kürzlich im NZ-Interview ins Gespräch gebracht. Die hohen Zuwachszahlen, die der VAG aus dem Nulltarif erwachsen würden, hätten positive Auswirkungen auf die Stadt, glaubt Hasler: Weniger Autos sorgten für mehr Lebensqualität, für die Umwelt wäre dies womöglich eine enorme Entlastung.
Ob es aber wirklich so angenehm ist, in dann übervollen Bussen und Bahnen unterwegs zu sein? Und was ist mit den Menschen, die diese Verkehrsmittel trotzdem nicht nutzen? Die auf ihr Auto nicht verzichten wollen oder die die Umwelt schonen, indem sie eher per Rad oder zu Fuß unterwegs sind? Hier stellt sich dann die Gerechtigkeitsfrage, wenn sie mit ihren Steuermitteln für den öffentlichen Nahverkehr aufkommen müssen, obwohl sie ihn gar nicht nutzen. Auf der anderen Seite wird auch der bestehende ÖPNV aufgrund der defizitären wirtschaftlichen Situation permanent aus öffentlichen Geldern bezuschusst.

Marco Puschner

Sind Sie für Nulltarif bei Bus und Bahn?

Finden Sie die VAG-Tarifreform sinnvoll?

VAGZum 1. Januar 2016 werden die VAG-Tarife geändert: Wer sich in Form eines Abonnements oder von Mehrfachfahrtenkarten langfristig an die VAG bindet, der fährt meistens günstiger. Im Gegenzug wurden die Einzelfahrt mit drei Euro deutlich teurer. Ein Spitzenwert in Deutschland. Dagegen ist die Einführung eines Abonnements zu 35 Euro im Monat, das aber erst ab neun Uhr gilt, ganz besonders preisgünstig. Auch die Schülermonatskarte wurde erheblich billiger. Die VAG-Jahreskarte und die Mobicard werden allerdings an die Kostenentwicklung im Verbund angepasst und damit leicht teurer.

Finanziert wird die Umstellung durch höhere Parkgebühren und mit Zuschüssen aus dem Stadthaushalt. Es herrscht auch das Prinzip Hoffnung: Die Stadtspitze ist optimistisch, dass es Mehreinnahmen durch mehr Kunden geben wird. Die neue Fahrscheinsystematik ist ein Wagnis, denn niemand weiß, wie die Kunden reagieren, und ob mehr Menschen Busse und Bahnen nutzen. Mit Spannung dürften die Tarifreformer vor allem auf die Entwicklung beim Firmenabo schauen: Grundsätzlich können sich ab Januar auch Firmen mit nur einem oder zwei Beschäftigten beteiligen. Es muss aber eine Kammer oder einen Verband geben, der das Firmenabo für die kleinen Firmen organisiert. Die VAG kann das nicht leisten. Wenn das Firmenabo erfolgreich ist und das 35-Euro-Abo gut nachgefragt wird, dann könnten sich die Hoffnungen, die mit der Reform verbunden werden, erfüllen – mehr Nutzer, mehr Einnahmen.

André Fischer

Finden Sie die VAG-Tarifreform sinnvoll?

 

Haben Sie Verständnis für den Streik bei der VAG?

nas-nz-2009-02-00071Sie hatte einen monatelangen Arbeitskampf angekündigt, doch jetzt ist der Streik erst einmal vorbei: Das Landesarbeitsgericht hat den Ausstand, zu dem die Gewerkschaft der Lokomotiv-Führer (GDL) ihre Mitglieder aufgerufen hatte, für unrechtmäßig erklärt und gestoppt. Zumindest in Nürnberg fahren die öffentlichen Verkehrsmittel seit diesem Wochenende wieder in ihrem normalen Takt. Auch wenn der Notfall-Fahrplan der VAG recht gut funktionierte, ist das für die Fahrgäste doch eine Erleichterung. Denn das Gedränge in Bussen und Bahnen war groß und die Wartezeiten an den Haltestellen um einiges länger als sonst.

Die GDL, die in Bayern etwa 1000 Mitglieder hat, fordert für die Fahrer im öffentlichen Nahverkehr unter anderem fünf Prozent mehr Lohn und einen finanziellen Ausgleich für dienstplanbedingte überlange Pausen. Ver.di, die große Konkurrenzgewerkschaft, hat sich mit den Arbeitgebern schon geeinigt. Der Abschluss sieht bis zum Jahr 2012 eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent in zwei Schritten vor sowie eine einmalige Zahlung von 240 Euro. Der kleinen GDL reicht das nicht. Deshalb hat sie zum Streik aufgerufen. Kritiker werfen ihr vor, dass es ihr vor allem um einen Machtkampf mit ver.di geht. Dass sie nur die Muskeln spielen lassen will, um ver.di-Mitglieder auf ihre Seite zu ziehen.

Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Haben Sie Verständnis für den Streik bei der VAG? Diskutieren Sie mit und geben Sie Ihr Votum bitte unter www.nz.de ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll die Burka verboten werden? Mit Ja antworteten 86,6 Prozent, mit Nein 13,4 Prozent.

gs

Streik in der Krise: Macht das Sinn?

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst wollen acht Prozent mehr Lohn, die Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs in Bayern fordern gar 9,5 Prozent. Mit Warnstreiks haben sie am Donnerstag und Freitag auch in Nürnberg ihre Forderungen untermauert.

Aber ist es in den dunklen Zeiten der Wirtschaftskrise nicht fahrlässig oder sogar anmaßend von den Beschäftigten, mehr Geld zu verlangen? Müssen sie nicht froh sein, überhaupt noch einen Arbeitsplatz zu haben?

Andererseits scheint es für Lohnerhöhungen nie einen geeigneten Zeitpunkt zu geben. Läuft die Konjunktur gut, mahnen die Arbeitgeber, den Aufschwung nicht durch solche Forderungen zu gefährden. In Krisenzeiten argumentieren sie dann, dass eine bessere Bezahlung der Beschäftigten die Erholung der Wirtschaft verhindern würde.

Lohnerhöhungen würden dazu führen, dass zumindest die weniger sparsamen Arbeitnehmer auch mehr ausgeben – der Konsum könnte die lahmende Wirtschaft wieder ankurbeln. Und es erscheint zudem fraglich, ob man die teilweise sehr niedrigen Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst wirklich mit dem Verweis auf die von globalen Zockern verursachte Wirtschaftskrise rechtfertigen kann.

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Streik in der Krise: Macht das Sinn? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Staatshilfe für Schaeffler? Mit Ja antworteten 61,1 Prozent, mit Nein 38,9 Prozent.