Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?

Nach der Veröffentlichung einer groß angelegten Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Geistliche in Deutschland seit 1946 bleibt ein Gefühl der Befremdung, nicht nur bei den Betroffenen. Befremdung über das geschehene Unrecht sowieso – mehr noch aber über die anhaltende Hilflosigkeit bei der Aufarbeitung. Acht Jahre nach Bekanntwerden einer Riesenwelle alter Missbrauchsfälle 2010 ist man nun gerade mal so weit, den Skandal genauer beziffern zu können. Die Deutsche Bischofskonferenz beendete ihre Horrorwoche mit der Ankündigung eines Sieben-Punkte-Plans zur künftigen Prävention von Missbrauch. Darin setzt sie auch auf die Einbeziehung externer Fachleute. Aber: kein Angebot für eine konkrete Entschädigung der Opfer, keine Anordnung zur Öffnung von Archiven oder zur strengeren Ahndung der Täter, kein Rücktritt eines Bischofs.
Kritiker bezweifeln jetzt endgültig, dass die Kirche – egal ob katholisch oder evangelisch übrigens – aus eigener Kraft aus dem Sumpf kommt. Für eine Lösung, sagen Opfervertreter, bräuchte es tiefgreifende Reformen in Kirchenrecht und -struktur, Reuebezeigungen und Moraldebatten allein genügten nicht mehr. Dies würde auch das Eingeständnis erfordern, dass ein Kleriker heute kein Machthaber mit Nimbus mehr sein darf, sondern höchstens ein Diener an den Menschen, der gegen Pädophilie Therapien benötigt statt Gebete, und vielleicht ist dieser Perspektivwechsel sogar der schwierigste von allen.
Staatliches Handeln könnte diesen Erkenntnisprozess forcieren. Das schlägt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vor. Staat und Kirche (Foto Michael Matejka) sind an anderer Stelle eng verflochten, der Staat lagert viele soziale Aufgaben an die Kirche aus, auch die Kinderbetreuung. Politiker dürfen von ihr also auch juristische Standards fordern, etwa staatsanwaltschaftliche Prüfungen, Akteneinsichtsrechte, vertraglich geregelte, einheitliche Prävention und Entschädigung. Andere betroffene Länder sind zumindest mit staatlichen Untersuchungskommissionen eingeschritten. Denn der Missbrauch konnte sich auch deshalb so gut verstetigen, weil die Kirchenhierarchien nach Gutdünken Vorfälle unter den Teppich kehrten, solange der Druck von Betroffenen nicht allzu groß war. Sie waren niemandem außer dem Herrgott Rechenschaft schuldig.

Isabel Lauer

Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?

Uber: Brauchen Taxis Konkurrenz?

Unter Nürnbergs Taxi-Unternehmen herrscht Unruhe. Den Anlass dafür bieten Signale aus der Bundespolitik, wonach das Personenbeförderungsgesetz geändert werden könnte. Die künftige Zulassung privater Vermittler nach dem Muster des US-amerikanischen Dienstes Uber steht im Raum. Ja sogar von einer möglichen Aufweichung der Taxi-Tarife ist die Rede. Bislang zahlt der Fahrgast hier Fixpreise je Kilometer bzw. Minute Wartezeit, die von der jeweiligen Kommune in Deutschland festgelegt werden. Künftig könnte dieser Tarif einen Höchstpreis markieren, der nicht über- aber sehr wohl unterschritten werden darf.
Sollte es so kommen, dann stünde auch den Nürnberger Taxerern  (Foto: Anja Hinterberger) wohl einige Konkurrenz ins Haus. Private Autofahrer müssen nicht mit den Betriebs- und Personalkosten kalkulieren, die ein Taxi-Unternehmen zu finanzieren hat – von der Fahrzeug-Abschreibung über Kfz-Steuer und Versicherung, Benzin- und Werkstattkosten bis hin zum Lohn für die Fahrer. Auch wenn, wie man immer mal wieder als Taxi-Fahrgast zu hören bekommt, der eine oder andere Unternehmer den gesetzlichen Mindestlohn für seine Fahrer mit kreativen Arbeitszeitmodellen unterläuft.
Kritiker halten dem entgegen, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Soll heißen: Taxi-Dienstleistungen sind quer durch die Republik ein Monopol, das zu hüten die Unternehmer und Taxi-Genossenschaften viele Anstrengungen unternehmen. Die in allen Städten streng limitierten Lizenzen werden selten weitergegeben – und dann auch nur gegen gesalzene Ablösezahlungen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dieses Monopol aufzubrechen, werden höchste Zeit, meinen die Kritiker.

Tilman Grewe

"Uber: Brauchen Taxis Konkurrenz?"

„Soll das Volksbad saniert werden?“

Einst der große Stolz Nürnbergs, wurde das Volksbad am Plärrer dem Verfall preisgegeben. Nach seiner Schließung im Jahr 1994 hat kein Nutzungskonzept gefruchtet. Das Interesse der Bevölkerung am historischen Jugendstil-Gebäude bleibt groß. Die Stadt Nürnberg würde das Volksbad (Foto: Stefan Hippel) sanieren, wenn es genügend Zuschüsse seitens des Bundes und des Landes gäbe. Doch die Kosten würden sich nach den jüngsten Schätzungen auf 60 Millionen Euro belaufen. Dabei bliebe es jedoch nicht. Denn nach der Sanierung gäbe es nur ein paar Jahre Ruhe. Dann müsste die Stadt wieder Geld in die Hand nehmen und in die notwendigen Reparaturen und Weiterentwicklung des Bades investieren. Die Einnahmen aus Eintrittspreisen wären ein Tropfen auf den heißen Stein. Die hohen Sanierungs- und die unvermeidbaren Folgekosten: Das Volksbad könnte sich zu einem Millionengrab entwickeln.

Dabei hat Nürnberg schon genug Bereiche, in denen die Stadt ihren Geldbeutel weit aufmachen muss: Alleine die notwendige Sanierung der Brücken fordert regelmäßig Summen im dreistelligen Millionenbereich ein. Jede Menge Nürnberger Schulen müssen ebenfalls saniert und neue gebaut werden. Es fehlt auch an Geld, um soziale Belange der Stadt wirklich zufriedenstellend zu regeln. Warum soll dann das Geld ausgerechnet in ein altes Bad, wenn auch im Jugendstil gebaut, fließen?

Andererseits: Die Stadt Nürnberg müsste die Sanierung des Volksbades nicht alleine stemmen. Wenn es hohe Zuschüsse vom Freistaat und Bund gäbe, dann wäre die Belastung nicht mehr gar so hoch. Vielleicht lassen sich doch auch noch Investoren finden, die mit einem klugen Konzept aus Trocken- und Nassnutzung das Bad in ein prosperierendes Geschäft umwandeln? Für viele Nürnberger ist das Volksbad zudem eine Herzensangelegenheit. Es hat einen großen historischen und architektonischen Wert für die Stadt und trägt zur Identifikation mit ihr bei. Diese Faktoren lassen sich nicht immer mit Geld bemessen, sind aber wichtige Pfeiler einer Stadtgesellschaft.

Und: Eine Möglichkeit, im Westen der Stadt auch im Winter schwimmen zu gehen, fehlt tatsächlich. Im Volksbad könnten wieder viele Schüler das Schwimmen lernen, was angesichts der steigenden Nichtschwimmer-Zahlen dringend notwendig wäre. Und gepaart mit anderen – vielleicht sozialen und kulturellen – Angeboten könnte sich das Volksbad zu einem wichtigen Ort entwickeln, an dem sich die Bürger aus Gostenhof und anderen Teilen der Stadt begegnen könnten.

Ella Schindler

"Soll das Volksbad saniert werden?"

„Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ins Gespräch gebracht und ist damit in der Union auf sehr viel Zustimmung gestoßen. Junge Menschen sollen demnach im Anschluss an die Schule ihre Arbeitskraft ein Jahr der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Damit ist keine Wiedereinführung der ausgesetzten Wehrpflicht gemeint, obgleich das Militär ein Ort ist, an dem die jungen Leute den Dienst ableisten können.
Aber der Idee nach wäre es genauso möglich, sich in sozialen, ökologischen oder kulturellen Einrichtungen zu engagieren. Befürworter glauben, dass ein solches verpflichtendes Gesellschaftsjahr den Bürgern eines wohlhabenden Landes durchaus abverlangt werden könne. Soziale Träger, die unter dem Wegfall des Zivildienstes litten, könnten die Kräfte gut brauchen. Zudem würde die Gesellschaft enger zusammenrücken, denken die Verfechter der Idee. Und obendrein sei es auch eine Chance für die jungen Leute, sich beruflich zu orientieren und Tätigkeitsfelder kennenzulernen, auf die sie sonst vielleicht nicht stoßen würden.
Allerdings geht das bisher auch schon, wenngleich auf freiwilliger Basis – man kann ein soziales Jahr einlegen oder sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren (Foto: dpa). Vertreter von SPD, Grünen, Linken und FDP haben sich denn auch skeptisch gezeigt, ob eine allgemeine Dienstpflicht wirklich sinnvoll ist. Hans-Peter Bartels (SPD) zum Beispiel äußerte verfassungsrechtliche Bedenken, Zwangsarbeit sei schließlich verboten. Die Linkspartei befürchtet, dass junge Leute über ein solches System instrumentalisiert werden könnten, um Notstände in der Pflege zu verringern. FDP und Grüne sehen durch ein Pflichtjahr einen massiven Eingriff in die individuellen Rechte der jungen Leute und lehnen es daher ab.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.

Marco Puschner

"Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?"

Wertet die neue Bestuhlung den Hauptmarkt auf?

Seit Mitte dieser Woche gibt es auf dem Hauptmarkt Bestuhlung. 16 Stühle, acht Bänke und vier Tische hat das Marktamt dort aufgestellt. Damit wollen die Stadt Nürnberg und die Markthändler den Platz für Bürger attraktiver machen.
Tatsächlich könnten die neu geschaffenen Sitzgelegenheiten für eine längere und angenehmere Verweildauer auf dem Marktplatz sorgen (Foto: Roland Fengler). Hier können die Menschen sich ausruhen, etwas essen, miteinander ins Gesrpäch kommen. Sie haben auch die Möglichkeit, die Möbel zu verschieben und eigenen Bedürfnissen anzupassen. Jeder kann selbst entscheiden, ob er neben einem Unbekannten auf einer Bank Platz nehmen mag oder den Stuhl etwas weiter weg schiebt, um dort seine Ruhe zu haben.
Bei der Wahl der Möbel hat sich das Marktamt für eine pragmatische Variante entschieden. Die Möbel sind pflegeleicht, robust und stapelbar. Sie wurden auch günstig angeschafft, weil es sich bei der Initiative um einen Test handelt. Die Stadt Nürnberg will beobachten, wie die neuen Sitzgelegenheiten bei den Menschen ankommen. Die Stühle, aber vor allem Tische und Bänke sehen daher entsprechend einfach aus und bringen die Biergartenatmosphäre zwischen dem Schönen Brunnen und der Frauenkirche. außerdem besteht die Gefahr, dass die einzelnen Möbel so auf dem Platz verteilt werden, dass der Ort chaotisch wirken könnte.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Wertet die neue Bestuhlung den Hauptmarkt auf?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.

Ella Schindler

"Wertet die neue Bestuhlung den Hauptmarkt auf?"

 

Klassik-Open-Air: Passt das Konzept für den Verkehr?

Die Polizei hat dieses Jahr zusammen mit der Stadt Nürnberg ein neues Verkehrskonzept für das Klassik-Open-Air erarbeitet. So wurden einige Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und der Verkehr umgeleitet (Foto: Michael Matejka). Die Polizei und die Stadt Nürnberg sahen im neuen Verkehrskonzept wichtige Verbesserungen: Die Maßnahme sollte die Sicherheit der Veranstaltung erhöhen.

Außerdem versprachen sich die Verantwortlichen mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger, die aufgrund der Zufahrtssperren die Straße einfach überqueren konnten. Andererseits erforderte die Umsetzung einen höheren Aufwand für die Polizei und einiges an Umstellungen für die Autofahrer, die nicht zum Klassik-Open-Air wollten. Ella Schindler

Klassik-Open-Air: Passt das Konzept für den Verkehr?

Beachvolleyball – Verliert Maly an Glaubwürdigkeit?

Die NZ titelte Mitte August dieses Jahres: Maly sprach Machtwort – Aus für Volleyball auf dem Hauptmarkt (Foto: Horst Linke). Drei Monate später lautet die Überschrift in der NZ so: Beachvolleyball-Turnier findet 2016 noch einmal auf dem Hauptmarkt statt – Sandspektakel geht in neue Runde. Der Bürgerverein Nürnberg-Altstadt ist nun sauer, aus der Zeitung zu erfahren, „dass alle bisherigen Zusagen, die Events auf dem Hauptmarkt künftig zu reduzieren, von der Stadtspitze nicht wirklich ernst gemeint waren“.
Aus einem „Machtwort“ des OB gegen das Beachvolleyball 2016 auf dem Hauptmarkt sei jetzt eine Ausweitung der Events geworden, die der Öffentlichkeit gar als „Kompromiss“ verkauft werden sollte. Für Elisabeth Most, Bürgervereinsvorsitzende der Altstadt, steht der „große Verlierer“ dieser Diskussion um den Öffentlichen Raum fest. Verloren hätte nämlich die „Glaubwürdigkeit öffentlicher Zusagen der Stadtspitze“. Und da sich an der Spitze der Stadtspitze Oberbürgermeister Ulrich Maly befindet, ist klar, in welche Richtung hier die Speerspitze gerichtet ist. Hier holt Maly auch das Wort „Machtwort“ wieder ein, das er zwar selber gar nicht benutzt hat, in diesem Zusammenhang aber eifrig verwendet wurde.

Wohl nicht ganz zu Unrecht. Versteht man unter „Machtwort“ doch die endgültige Entscheidung eines Entscheidungsträgers „am Ende einer fruchtlosen Diskussion“.
Viele jüngere Menschen waren von dem Beachvolleyball auf dem Hauptmarkt begeistert. Wohingegen die Begeisterung vieler älterer Nürnberger überschaubar war. Der Stadtverband Nürnberg der Jungen Union wiederum sprach sich für einen Hauptmarkt aus, der allen offenstehen und sich nicht auf die Bedürfnisse einer Gruppe beschränken sollte. Alles andere wäre „die Selbstverzwergung“ eines Großraums mit über einer halben Million Menschen.
Nun also im kommenden Jahr noch einmal – und letztmalig (?) – „der große Sandzwerg“ auf dem Hauptmarkt. Für den Bürgerverein Nürnberg Altstadt steht indes fest: „Ganz gleich, wie die Verhandlungen um Veranstaltungen auf dem Hauptmarkt auch immer ausgehen, waren die Aussagen andere, in der Öffentlichkeit, in Briefen oder in der Bürgersammlung.“
Wir wollen deshalb in unserer Frage der Woche von Ihnen wissen: Beachvolleyball – verliert Maly Glaubwürdigkeit? In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter www.nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „FSW: Soll die Stadt auf den BN zugehen?“ Teilgenommen haben 2162 Leser. Mit Ja antworteten 56,3 Prozent, mit Nein 43,7. Prozent.

Dieter Wegener

 

Beachvolleyball - Verliert Maly Glaubwürdigkeit?

Opernhaus: Braucht Nürnberg einen neuen Konzertsaal?

Auch der Schnürboden im Opernhaus ist veraltet.Nürnbergs Opernhaus ist innen wie außen prächtig anzuschauen, doch die Technik ist über 100 Jahre alt und muss saniert werden. Ersten Kostenschätzungen zufolge werden mindestens 50 Millionen Euro anfallen. Die Sanierung wird, so Schätzungen, mindestens drei Jahre dauern.

Für diese Interimszeit benötigen Oper und Ballett eine provisorische Spielstätte. Die Frage ist, ob das Geld für ein Ausweichquartier nicht besser langfristig anzulegen ist: Es könnte als Grundlage für den Bau eines neuen Konzertsaals verwendet werden und wäre nicht verloren. Städte wie Düsseldorf oder Kassel haben Millionenbeträge für Interimsspielstätten ausgegeben. Ein neuer Konzertsaal in Nürnberg könnte dann nach der Opernrenovation weiter verwendet werden, was viele Kunstliebhaber sich wünschen. Der Freistaat hat bereits eine großzügige Förderung in Aussicht gestellt.

Gegen ein solches Vorhaben spricht der hohe Verschuldungsgrad der Stadt. Die Meistersingerhalle ist sanierungsbedürftig und dafür wird ein zweistelliger Millionenbetrag benötigt. Sie steht zwar unter Denkmalschutz, doch ihre Akustik ist nicht sehr gut. Vielleicht sollte man über einen Abriss nachdenken. Die Stadt hat kein Geld und gleich mehrere Probleme. Ein Interimsquartier für die Oper wird benötigt, ein neuer Konzertsaal mit guter Akustik wäre sinnvoll und die Sanierung der Meistersingerhalle ist fällig. Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Braucht Nürnberg einen neuen Konzertsaal?“

Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz-online.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Bettina Wulff: Wollen Sie wirklich alles wissen?“ Mit Ja antworteten 14 Prozent, mit Nein 86 Prozent.

Nehmen schlechte Umgangsformen zu?

Mit Missmut und Grantigkeit kommt man - wie Matthias Egersdörfer beweist - auf der Bühne zum Erfolg. Aber ist das im Alltag genauso?

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Das Risiko, Opfer von übel gelaunten Mitmenschen zu werden, ist groß. Die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Helfen können da aber weder Arzt noch Apotheker. Das beste Rezept gegen barsche, freche, garstige, unhöfliche, misslaunige, ruppige, rüde, sauertöpfische oder unverschämte Leute lautet: Auf gar keinen Fall anstecken lassen!

Die NZ hat in ihrer letzten Mittwochausgabe von den leidvollen Erfahrungen der Sör-Mitarbeiterinnen berichtet. Das Dilemma ist, dass dort meistens nur die Entgleisungen von Wutbürgern ankommen. Die netten Leute, also solche mit Umgangsformen, rasten nicht gleich wegen jedes Hundehaufens oder wegen jedes ungeleerten Abfallbehälters aus.
Mit den schlechten Umgangsformen ist das allerdings so eine Sache: Sie befruchten sich gegenseitig. Beobachtet man nämlich beispielsweise, wie viele Kunden ihr „Mütchen“ an Kassierinnen kühlen (daheim und am Arbeitsplatz wohl nichts oder wenig zu sagen!), ist es wenig verwunderlich, wenn die „hinter der Kasse“ im Laufe des Tages auch patzig werden.

Wer schon mal die Vereinigten Staaten bereist hat, kann sich als Deutscher nur wundern: Da befruchtet allüberall Freundlichkeit die Freundlichkeit. Richtig ist: Meistens handelt es sich um eine „aufgesetzte Freundlichkeit“. Damit lässt es sich aber im Alltag wesentlich besser leben als mit „unaufgesetzter Unfreundlichkeit“.

Aber auch im rauen heimischen Gewässer scheint es besser zu werden. In zahlreichen Servicebereichen (nicht bei Sör!) ist erfreuliche Freundlichkeit zu genießen. Das muffige Gebaren und der ungnädige Ton weichen freundlichem Auftreten und einem verbindlichen Ton. Natürlich können nun einige besonders mürrische Zeitgenossen von einer „unerträglichen Freundlichkeit“ sprechen und sich miesepetrig in ihre ungehobelte Welt zurückziehen. Weiser dürfte allerdings der Spruch des US-Schriftstellers Mark Twain sein: „Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“

Und wie erleben Sie im Frankenland ihre Mitmenschen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wir wollen in dieser Woche von Ihnen wissen: „Haben schlechte Umgangsformen zugenommen?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Webseite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Ein Mahnmal für die Bücherverbrennung?“ Mit Ja antworteten 26 Prozent, mit Nein 74 Prozent. we

Soll Tempo 30 vor Schulen bleiben?

Zehn Beschwerdeführer bei der Regierung von Mittelfranken wollen die flächendeckende Tempo-30-Regelung vor Schulen in Nürnberg, die seit September gilt, zu Fall bringen. Sie haben um eine Überprüfung der verkehrsrechtlichen Anordnungen der Stadt Nürnberg gebeten. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet, denn es geht um einen Kurswechsel bei der Ausweisung der Tempo-30-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen in Bayern: Bislang wurden solche flächendeckenden Geschwindigkeitsregelungen in Bayern nicht geduldet. „Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs nur angeordnet werden, wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung von Rechtsgütern erheblich übersteigt. Die Rechtmäßigkeit einer Anordnung kann deshalb nur unter Berücksichtigung der konkreten Verkehrsverhältnisse in jedem Einzelfall beurteilt werden“, erklärt Günther Kiermeier, stellvertretender Pressesprecher der Regierung von Mittelfranken. Pauschale Tempo-30-Regelungen sind demnach eigentlich ausgeschlossen. Es müssen die jeweilige Gefahrenlage und die örtliche Verkehrssituation berücksichtigt werden. Wie wichtig aber eine Geschwindigkeitsbeschränkung vor Schulen ist, machen folgende Zahlen deutlich: In der ersten Schulwoche 2011, die nur aus vier Tagen bestand, wurden bei Geschwindigkeitskontrollen 883 Verstöße festgestellt.

Die Beschwerde führenden Autofahrer sehen dagegen die Geschwindigkeitsbeschränkung als Möglichkeit, Autofahrer zu schröpfen, um Geld für den maroden Stadthaushalt zu bekommen. Eine Gefahrenlage liege in vielen Fällen nicht vor, so der Tenor der Kritik. „Die bislang 10 Einwender machen im Wesentlichen geltend, dass die Verkehrsbeschränkungen nach der Straßenverkehrsordnung nicht erforderlich seien, auch weil in vielen Fällen Schülerlotsen oder technische Einrichtungen zur Schulwegsicherung in Form von Fußgängerüberwegen, Ampeln vorhanden seien“, so Kiermeier. In Berlin unterlag im November aber eine Autofahrerin vor Gericht, als sie die dortige Tempo-30-Regelung vor Schulen und Kindertagesstätten kippen wollte. Die Richter stuften die Unversehrtheit von Kindern höher ein als den Zeitverlust für Autofahrer durch eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit. Die Regierung von Ansbach überprüft jetzt die Nürnberger Regelung

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Soll Tempo 30 vor Schulen bleiben?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Homepage ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Fan-Randale: Soll der Club härter durchgreifen?“ Mit Ja antworteten 48 Prozent, mit Nein 52 Prozent. fis