Soll Falschparken noch teurer werden?

Stadt Nürnberg, Polizei und Feuerwehr haben eine neue Kampagne vorgestellt: Plakate und strengere Kontrollen sollen in den nächsten Wochen mehr Autofahrer zum korrekten Parken erziehen. Der Slogan „Falschparken kostet Leben!“ benennt das Problem: Wer in zweiter Reihe, in Kurven, in Feuerwehreinfahrten steht, blockiert im Ernstfall Lebensretter bei einem akuten Einsatz.

Bewusstseinskampagnen sind eine gute Sache – aber in diesem Fall ein sehr mildes Instrument. Erfahrungsgemäß lenkt man dreiste Bürger erst dann auf die Bahn des Gemeinsinns, wenn es ihnen ans Geld geht. Solange simples Falschparken 15 Euro kostet und bei Behinderung eines Rettungsfahrzeugs höchstens 65, nehmen viele Menschen einen Strafzettel in Kauf und verlassen sich auf die Unterbesetzung der Kontrolleure. Sie finden, dass eine kommunale Verkehrspolitik eben für ausreichend Parkplätze zu sorgen habe. Aber: Würde sich diese Haltung bei 200, 300 Euro Bußgeld vielleicht ändern?

Isabel Lauer

Soll Falschparken noch teurer werden?

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?

Schlechte Luft, Lärm, Stau: Der Straßenverkehr setzt den großen Städten zu und bedeutet für die Bewohner den puren Stress. Es sind immer noch zu wenige Menschen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzen oder das Fahrrad dem Auto vorziehen. Wissenschaftlern zufolge liegt das Problem auch darin, dass es zu viele kostenlose Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum gibt (Foto: Oliver Acker). Dieser Fakt trage dazu bei, dass das Auto nach wie vor das beliebteste Fortbewegungsmittel ist. In Nürnberg stehe bei Diskussionen über Parkgebühren immer die Altstadt zu sehr im Vordergrund, so Professor Harald Kipke von der Technischen Hochschule. Man müsse jedoch auch die angrenzenden Stadtteile mit einbeziehen. Dort stünden Parkplätze am Straßenrand größtenteils gratis zur Verfügung.
Die Stadt Wien ist schon aktiv geworden und hat in allen dicht bebauten Vierteln flächendeckend Parkgebühren eingeführt. Gleichzeitig bietet sie Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zu attraktiven Preisen an. Damit tut sie letztlich auch den Autofahrern einen Gefallen, denn die finden einen Parkplatz, wenn sie ihn brauchen, und müssen nicht endlose Schleifen ziehen, bis sie ihren Wagen endlich irgendwo abstellen können – und damit auch wieder zum Verkehrschaos beitragen.

Gabi Eisenack

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