Hat Pauli in der Politik noch eine Chance?

Die Freien Wähler haben mit der Nominierung der früheren Fürther Landrätin Gabriele Pauli als Kandidatin für die Landtagswahl im September überrascht. Sie tritt im Stimmkreis Nürnberg Nord gegen Ministerpräsident Günther Beckstein an. Nur ein Wahlkampfgag, damit die Freien Wähler in einer Großstadt wie Nürnberg mehr Aufmerksamkeit bekommen?
Der Medienrummel, den Pauli wahrscheinlich in den nächsten Monaten entfacht, hat bei der Entscheidung sicherlich eine Rolle gespielt, das geben die Freien Wähler auch rundheraus zu. Ihr Spitzenkandidat Hubert Aiwanger wird in den Städten keine Hallen füllen, Pauli wahrscheinlich schon. Doch für die 51-Jährige hat das Duell mit Beckstein noch eine persönliche Note: Ohne sie wäre Beckstein wohl nicht mehr Ministerpräsident geworden, denn Pauli gab den Anstoß in der CSU, Ministerpräsident Edmund Stoiber zu stürzen.
Nachdem Pauli mit ihrer Kritik an der fehlenden Diskussionskultur in der CSU noch ernst genommen wurde, fiel sie später fast nur noch mit sehr eigenwilligen und zum Teil selbstverliebten Vorschlägen und Handlungen auf. Die Ehe auf Zeit und die Latex-Fotos waren dabei zwei Höhepunkte. Sie blieb vage in ihren Aussagen und bediente vor allem Emotionen. Als seriöse Politikerin hatte sie kaum mehr eine Plattform und zu den eher ländlich geprägten Freien Wählern passt Pauli nicht unbedingt. Wir wollen deshalb von unseren Lesern wissen: Hat Pauli in der Politik noch eine Chance?
Ihr Votum können Sie (ab Montag) hier abgeben.

Bei der Leserfrage „Stört Sie Werbung an Kirchenfassaden?“ votierten 65,1 Prozent mit Ja und 34,9 Prozent mit Nein.

Der bunte Vogel ist weg

pauli.jpgDie Fürther Landrätin Gabriele Pauli ist aus der CSU ausgetreten. Überrascht hat das kaum noch jemanden. Höchstens diejenigen Journalisten, die immer „Fakten, Fakten“ tönen und jetzt zurückrudern müssen, weil die These von der „Franken-Mafia“ eben doch nicht stimmte. Die Prognose, „Ritter“ Beckstein werde „Engelchen“ Pauli — nach einer gewissen Schamfrist, versteht sich — mit hohen Ämtern beglücken, als Dank für den Sturz Stoibers, dürfte wohl falsch gewesen sein.

Ob „die schöne Landrätin“ nun bei den Grünen, bei den Freien Wählern, beim Fernsehen oder bei einer eigenen Pauli-Partei etwas wird, ist noch offen. Vielleicht ist sie auch schon wer, und muss daher gar nichts mehr werden.

Wie auch immer! In der NZ-Leserfrage beschäftigen wir uns daher mit der CSU. Ist es für sie ein Verlust, dass Pauli – die weniger die Heimchen am Herd als aktive, selbstbewusste Frauen angesprochen hat – nicht mehr dabei ist? Schließlich konnte sie durchaus auch Erfolge beim Wähler erzielen. Oder muss die CSU froh sein, dass dieser „bunte Vogel“ endlich nicht mehr mit Querschüssen das Parteiprogramm konterkariert?