Soll es Pfand auf Milchtüten geben?

Kann das weg oder bringt das Pfand? Eine Frage, die sich in Deutschland manchmal erst nach einem ganz genauen Blick auf die Verpackung beantworten lässt. Es ist aber auch kompliziert: die Limo-Dose kann man zurückgeben und bekommt sogar Geld dafür, die Prosecco-Dose muss man selbst entsorgen. Bei Plastikflaschen ist das Spielchen ähnlich: Cola bedeutet Pfandpflicht, Saftflaschen landen dagegen im Müll. Gleiches Material, unterschiedliche Verfahren – ein Wirrwarr also. Einige Bundesländer wollen das System nun vereinfachen. Es steht sogar die Idee im Raum, die Pfandpflicht einfach auf alle Getränke auszuweiten.

Diskutiert wird auch, die Pfandpflicht auf Milchtüten auszuweiten. Ein Karton Milch wäre damit im Handel um den Pfandbetrag teurer. Schmeißt man die leere Verpackung dann aber nicht in den gelben Sack, sondern bringe sie in den Supermarkt zurück, bekäme man das zusätzlich bezahlte Geld zurück. Der Vorteil: man müsste die Kartons, die nach einiger Zeit müffeln, nicht selbst sammeln, bis einmal im Monat die gelben Säcke abgeholt werden. Weiterer Pluspunkt: Verbraucher würden künftig vielleicht weniger leere Milchkartons fälschlicherweise als Restmüll entsorgen – schließlich wären sie durch das Pfand bares Geld wert.

Der Vorschlag hat jedoch auch ein paar Haken: Für Händler und Hersteller bedeutet Pfand Arbeit. Und die kostet Geld. Womöglich würde man die Kosten für die Einrichtung eines solchen Pfandsystems auf die Verbraucher umlegen, die Milch würde also nicht nur um den Pfandbetrag teurer werden.

Julia Vogl

Soll es Pfand auf Milchtüten geben?

Soll es auf Einwegbecher Pfand geben?

Nach der wohl nicht unberechtigten Aufregung um die Plastikbeutel ist jetzt das „Coffee to go“ im Pappbecher (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert) im Brennpunkt der Kritik. „Coffee-to-go“ – bevor einige Leser, verständlicherweise, einen dicken Hals bekommen: Gemeint ist damit „Kaffee zum Mitnehmen“. Auch in Nürnberg ist dies, gerade in den Vormittagsstunden, häufig zu sehen. Auf dem Weg zur Arbeit marschieren viele Menschen mit dem Wegwerf-Kaffeebecher durch die Altstadt. Dieser landet dann später im Müll des Arbeitgebers oder in einem der städtischen Abfallbehälter.
Schlechtestenfalls finden sich diese, Jürgen Resch zufolge, „kunststoffbeschichteten Zombies“ in Parks, Flüssen und Seen wieder. Der Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe äußerte jüngst dazu: „Coffee-to-go-Becher sind ein wahrer Fluch für die Umwelt.“

Die aktuellen Zahlen lassen diesen Satz nicht übertrieben erscheinen. Stündlich landen 320 000 Pappbecher in Deutschland im Müll. Das sind also 7,68 Millionen am Tag. Am Ende eines Jahres kommt man auf die Zahl von 2,8 Milliarden. Resch rechnete aus, dass für die Produktion dieser Anzahl an Wegwerfbechern jährlich eine Energiemenge nötig sei, mit der man eine Kleinstadt versorgen könnte.
Einweg-Plastiktüten muss der Kunde mittlerweile in den meisten Geschäften extra bezahlen. Einige Abgeordnete und Umweltschützer haben nun bereits eine Abgabe von 20 Cent für den Wegwerf-Kaffeebecher gefordert. Davon sind natürlich die Verkäufer nicht begeistert – und viele Kunden auch nicht.
Bei der Bundesregierung hält sich der Zuspruch dafür ebenfalls in engen Grenzen. So will Bundesumweltministerin Barbara Hendricks keine Abgabe für Einwegbecher einführen. Dies könnte nach ihrer Meinung als Steuererhöhung gewertet werden. Wohingegen andere meinen, dies könnte als deutliches Signal gewertet werden, die Umwelt nicht noch mehr mit Kunststoff zu versauen.

Dieter Wegner

Soll es auf Einwegbecher Pfand geben?