Befürworten Sie den Gentest bei Embryos?

Höchstrichterlich erlaubt, aber trotzdem in hohem Maße umstritten: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass jetzt bei Embryonen die Präimplantationsdiagnostik (PID) durchgeführt werden darf. Hinter diesem Zungenbrecher verbirgt sich die Chance, dass die Eltern drei Tage nach der Befruchtung Zellen auf Gen-Schäden untersuchen lassen dürfen. Sie haben dann die Wahl, je nach Befund, ob das Embryo in den Mutterleib eingesetzt wird oder eben nicht.

Letztlich wird damit dem verständlichen Wunsch von Eltern Rechnung getragen, die eine Veranlagung für eine schwere, erbliche Krankheit in sich tragen. Mit der Untersuchung soll gewährleistet werden, dass die Frau einen Embryo ohne Gendefekt eingesetzt bekommt. Folgerichtig werden dabei die beschädigten Embryonen vernichtet. Viele betroffene Paare haben in der Vergangenheit Hilfe im Ausland gesucht. So prüft beispielsweise in Belgien der Mediziner im Verdachtsfall im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Erbkrankheiten. Erst dann werden die Zellhaufen in den Uterus eingesetzt.

Was viele auf den ersten Blick als bestechend und ohne Fehl und Tadel bewerten, beurteilen andere kritisch. So befürchten nicht nur die Kirchen, dass aus einer Ausnahmeregel für Grenzfälle allgemeine Praxis werden könnte. Und auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung bemängelt und warnt: „Es wird eine Wahl über die Qualität eines Menschen erlaubt.“ Experten und solche, die sich dafür halten, sprechen jetzt schon von der Schwierigkeit einer Grenzziehung zwischen den Erkrankungen. Wer soll letztlich festlegen, ob der Gen-Schaden beispielsweise ab einer bestimmten Häufung von Alzheimer-Genen oder vielleicht dem Hang zur Taubheit relevant sein soll?

Einerseits kann man sagen, eine Behinderung könnte bald wie ein „vermeidbares Übel“ wirken. Andererseits kann man argumentieren, dass es – trotz der beschriebenen Gratwanderung – erstrebenswert ist, von einer schweren vererbten Krankheit gekennzeichnete Kinder zu vermeiden. Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche deshalb von Ihnen wissen: Befürworten Sie den Gentest bei Embryos?

Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab auf der NZ-Homepage unter www.nz-online.de.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Straßenbahnen am Rathaus vorbei? Mit Ja antworteten 41 Prozent, mit Nein 59 Prozent.