Sollen Straßenmusiker zum amtlichen Vorspielen?

Ohne Frage: Straßenmusiker (Foto: Michael Matejka) bereichern eine Großstadt. Doch in Nürnberg werden sie für die Bewohner der Innenstadt zum Ärgernis. Manche der Musiker spielen immer das Gleiche, einige sogar immer nur ein und das selbe Lied in Dauerschleife. Entnervte Innenstadtbewohner sprechen schon von „musikalischem Psychoterror“ und haben sich an Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly gewandt. Doch der zeigt sich hilflos, verweist auf die Auflagen – nur fünf Mann oder Kleingruppen (mit maximal fünf Personen) dürfen spielen, alle halbe Stunde müssen sie die Spielstätte wechseln und dürfen keine Verstärker oder zu laute Instrumente verwenden. Auf das Repertoire des Straßenmusikanten hätte er keinen Einfluss, so Maly.
Doch ist das wirklich so? München litt vor 15 Jahren unter der gleichen Problematik: Mehr oder minder begabte Musiker beschallten Anwohner und Geschäftsleute mit der immer gleichen Musik. Doch die Stadt zeigte sich kreativ und entschied, dass nur noch Straßenmusiker- und -künstler in der Innenstadt auftreten dürfen, die zuvor in der Stadt-Information eine Kostprobe ihres Könnens abgegeben hatten.
Drei Stücke müssen die Musiker flüssig und einigermaßen fehlerfrei vortragen, dann bekommen sie eine Spielerlaubnis. Diese wird nur tagesaktuell vergeben, es dürfen keine Verstärker benutzt werden und – ganz entscheidend: Die Musiker dürfen einen Standplatz nur einmal täglich für eine Stunde aufsuchen, Spielzeiten sind festgelegt (11 bis 14 Uhr und 15 bis 22 Uhr). Die Auftritte sind auf maximal zwei Werktage pro Woche limitiert, die Stadt vergibt zweimal fünf Genehmigungen pro Tageshälfte. Die Qualität der Darbietung wird nicht nur morgens im Amt überprüft, die städtischen Mitarbeiter sehen sich später die Auftritte auch live in der Innenstadt an.
Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert Sperren von drei bis zwölf Monaten. Das ist oft schmerzhafter für die Musiker als Geldstrafen, zeigt die Erfahrung. Und wesentlich teurer ist die Vorgehensweise nicht, weil sich die Stadt aufwändige Ordnungswidrigkeitsverfahren spart.
Die Lage habe sich durch das Vorspielen entspannt, sagt Albert Dietrich von der Stadt-Information München. Er ist zuständig für das Casting. Der Erfolg ist so groß, dass Berlin, Frankfurt/Main und Innsbruck das Modell übernehmen wollen.

Mehr zum Thema

Claudia Urbasek

Sollen Straßenmusiker zum amtlichen Vorspielen?