Halten Sie die Grundrente für gerecht?

Bundessozialminister Hubertus Heil polarisiert mit seinem Konzept einer Grundrente. Wer 35 Jahre lang gearbeitet und Beiträge eingezahlt hat, soll zehn Prozent mehr bekommen als die Grundsicherung, also als das, was landläufig als Hartz IV bezeichnet wird. Außerdem soll dabei nicht geprüft werden, ob der Betroffene bedürftig ist.

Diese fehlende Bedürftigkeitsprüfung stört viele Kritiker. So würde Geld womöglich mit der Gießkanne an Leute ausgeschüttet, die die zusätzlichen Mittel gar nicht bräuchten – etwa Ehepartner von gut situierten Rentnern. Viele meinen zudem, dass die Grundrente, die nach ersten Berechnungen fünf Milliarden Euro im Jahr kosten dürfte, nicht finanzierbar ist beziehungsweise große Lücken in den Bundeshaushalt reißt.

Zudem monieren die Skeptiker neue Ungerechtigkeiten: Wer nur auf 34 Jahre als Einzahler kommt, geht ebenso leer aus wie derjenige, der knapp über dem Hartz-IV-Satz liegt.

Doch gerade die Gerechtigkeit ist das Motiv, das die Befürworter umtreibt. Es könne nicht sein, dass Menschen ihr Leben lang gearbeitet haben und dann nicht auf eine auskömmliche Rente kommen. Zudem sei die Grundrente ein Instrument gegen Altersarmut, das Menschen den erniedrigenden Gang zum Amt erspart. Da es sich um eine Rentenleistung handle, sei es aus dem System heraus auch logisch, dass es keine Bedürftigkeitsprüfung gibt. Und Menschen mit wenig Einkommen geben zusätzliches Geld eher wieder aus, was die Binnenwirtschaft ankurbelt.

Marco Puschner

Halten Sie die Grundrente für gerecht?

Sind Sie für eine längere Lebensarbeitszeit?

Die Rechnung, die Paul Ziemiak aufmacht, scheint auf den ersten Blick einleuchtend: Weil die Lebenserwartung ständig steigt, müsse auch das Renteneintrittsalter (Cartoon: Gerd Bauer) nach hinten verschoben werden. Der Generationenpakt funktioniere nicht mehr, mahnt der Chef der Jungen Union, weil die Jungen auf Dauer die permanent wachsende Zahl der Alten nicht mehr finanzieren könnten. In der Tat hat sich die Rentenbezugsdauer, die 1960 noch bei knapp zehn Jahren lag, inzwischen verdoppelt. Die Rente befinde sich im „Schraubstock der Demografie“, schrieb der SPD-Politiker Peer Steinbrück im Jahr 2012 in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Ihm ging es aber damals darum, die in der Sozialdemokratie hochumstrittene Rente mit 67 zu verteidigen – Ziemiak wiederum denkt, dass der Staat die Bürger auch mit 67 noch nicht aus der Arbeitswelt entlassen kann. Jan Korte von der Linkspartei warf ihm daher vor, die Leute bis zum Tod schuften lassen zu wollen.
Der linke Flügel der SPD, die Linkspartei und Gewerkschaftsvertreter halten die demografischen Rechenspiele ohnehin nicht für seriös und verweisen in der Rentendebatte stets darauf, dass die Wertschöpfung in Deutschland im Vergleich zu früheren Jahrzehnten auch enorm gestiegen sei. Insofern könne es sich diese reiche Wirtschaftsnation auch ein würdiges Rentensystem leisten und müsse die Leute nicht bis 70 arbeiten lassen. Zumal das in körperlich anstrengenden Berufen auch gar nicht gehe. Doch neben solchen eher finanzpolitisch dominierten Debatten spielt es auch eine Rolle, dass viele Ältere sich noch fit fühlen und es als diskriminierend begreifen, mit 65 zum alten Eisen gezählt zu werden. Indes hat dieses Argument ebenfalls eine Kehrseite: Denn sollten die Senioren, die Anspruch auf eine auskömmliche Rente haben, nicht auch ihre Arbeitsplätze räumen, um Platz zu machen für die nachrückenden Generationen?

Marco Puschner

 

Sind Sie für eine längere Lebensarbeitszeit?

Sollen Eltern bei der Rente bevorzugt werden?

Das Aufziehen eines Kindes kostet viel Geld. Wer würde da widersprechen? Und Kinder sind unsere Zukunft, auch klar. Und so fordert die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer höhere Renten für Eltern. Sie schlägt vor, dass Kinderlose die Vergünstigungen finanzieren sollen.

Haderthauer stellt sich vor, dass für jedes Kind bis zum zwölften Lebensjahr der Rentenbeitrag eines Elternteils um 50 Euro monatlich ermäßigt wird. Zudem solle im Alter das Rentenniveau von Eltern weniger stark abgesenkt werden, als es wegen der demografischen Entwicklung sonst geschähe. Die erwarteten Kosten von 5,5 Milliarden Euro jährlich sollen Haderthauer zufolge durch Umschichtungen in der Rentenkasse zu Lasten Kinderloser finanziert werden.

In Berlin stieß der Vorschlag aus Bayern auf wenig Gegenliebe. So warf der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Heinrich Kolb, Haderthauer „mangelnde sachpolitische Kenntnis“ vor. Die Rente sei eine Anwartschaft, kein staatliches Almosen. Er verwies auf das Äquivalenzprinzip, wonach sich die Höhe der Rente nach Höhe und Dauer der einbezahlten Beiträge richtet. Alternativ schlagen die Liberalen vor, Eltern beim Aufbau einer privaten Altervorsorge zu unterstützen.

Wir wollen nun von Ihnen in unserer Frage der Woche wissen: Sollen Eltern bei der Rente bevorzugt werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier de ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Sollen Club-Fans schärfer kontrolliert werden? Mit Ja antworteten 61,3 Prozent, mit Nein 38,7 Prozent. we