Pellerhaus-Fassade: Ist die Rekonstruktion sinnvoll?

Das Pellerhaus am Egidienplatz (Foto: Edgar Pfrogner) gehörte zu den Architekturikonen Nürnbergs. Doch wurde der Renaissancebau 1945 zerstört. An seiner Stelle errichteten Fritz und Walter Mayer 1955 bis 1957 ein Anwesen im Stil der fünfziger Jahre, in das zunächst das Stadtarchiv einzog. Vom Pellerhof wurden nur die Reste gesichert. Inzwischen steht der Mayer-Bau unter Denkmalschutz. Die Altstadtfreunde sind dabei, mit Hilfe von Spendengeldern den Pellerhof zu rekonstruieren, ein finanzieller Kraftakt. 2017 soll der Rohbau fertig sein. Handwerklich, das steht außer Frage, wird diese Rekonstruktion den anderen Meisterstücken des Wiederaufbaus in nichts nachstehen.
Das Problem aber ist, wie es weitergeht, denn das Pellerhaus hat noch keine neue Nutzung auf Dauer gefunden, nachdem das Stadtarchiv ausgezogen ist. Derzeit logiert das Spielearchiv in den Archivräumen. Innerhalb der Stadtverwaltung ist von einer Nutzung als Jugendhaus in Verbindung mit dem Spielearchiv sowie der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg die Rede. Die Altstadtfreunde lehnen ein Jugendhaus ab. Es ist dabei auch noch nicht klar, wie der wieder aufgebaute Pellerhof in das Ensemble eingebunden wird. Außerdem muss das Pellerhaus saniert werden.
Bevor Millionen in diese Sanierung gesteckt werden, will der Vorsitzende der Altstadtfreunde, Karl-Heinz Enderle, noch einmal in alle Richtungen denken und hat deshalb in der NZ eine Rekonstruktion der Fassade des Pellerhauses ins Spiel gebracht, damit der Egidienplatz wieder an seine alte „Grandezza“ anknüpfen könne. Die architektonische Mitte des Platzes sei das Pellerhaus. „Als Bauwerk von Weltgeltung blieb es immer in den Köpfen der Nürnberger erhalten. Seinen Verlust haben sie nie verschmerzt, mit seinem Platzhalter konnten sie sich nie anfreunden“, formuliert Enderle auf der offiziellen Seite der Altstadtfreunde im Internet. Es sei fatal, den heutigen Zustand für alle Zeit zu konservieren. Im Grunde plädiert Enderle nicht nur für die Rekonstruktion der Fassade, sondern des ganzen Hauses.
Er spricht dem Mayer’schen Bau zwar architektonische Qualität zu, die ihm auch Denkmalcharakter verleihe, „zeittypisch für die 1950er Jahre ist er mit seiner Tonnendecke und seinen eng gestellten Sandsteinpfeilern jedoch nicht“.
Die Gegner von einer Rekonstruktion der Fassade des Pellerhauses sehen einen groben Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz, wenn der Mayer-Bau abgerissen werden würde. Außerdem gebe es wenige andere noch erhaltene, charakteristische Beispiele für eine Architektur aus den fünfziger Jahren in Nürnberg, die an die Qualität des Pellerhauses heranreichen. Die Rekonstruktion der Fassade des alten Pellerhauses gehöre in ein architektonisches Disneyland.

André Fischer

Pellerhaus-Fassade: Ist die Rekonstruktion sinnvoll?

  • Ja (90%, 2.072 Stimmen)
  • Nein (10%, 221 Stimmen)

Wähler insgesamt: 2.293

Sollen die NS- Bauten erhalten bleiben?

Instandsetzen oder verfallen lassen: Der Umgang mit NS-Bauten ist eine echte Glaubensfrage – nicht nur in Nürnberg. Während die einen fürchten, der Nationalsozialismus werde mit dem Erhalt von Orten wie dem Zeppelinfeld verherrlicht, sehen die anderen darin eine Chance, die grausame Geschichte für die nachfolgenden Generationen begreifbar zu machen.

Hinzu kommt die Geldfrage: 60 bis 75 Millionen Euro soll die Instandsetzung von Zeppelinfeld und -tribüne kosten. Falls die Mitglieder des Kulturausschusses sich für die Umsetzung des entsprechenden Konzeptpapiers entscheiden, wird die Stadt zwar Gelder vom Bund beantragen; doch die Kommune wird wohl trotzdem tief in die Tasche greifen müssen.
Ohne Instandsetzung fällt alles in sich zusammen.

Das Geld muss jedoch aufgebracht werden, wenn die Zeppelintribüne für die Nachwelt erhalten bleiben soll: Bauexperten haben festgestellt, dass die Anlage ohne die Instandsetzung nach und nach in sich zusammenfallen würde.

Das Gelände ist nicht als bloßes Mahnmal gedacht, sondern vielmehr als öffentlich zugänglicher Lernort. Eine Glasfront soll Einblick in den Goldenen Saal gewährleisten, in dem auch Filmvorführungen sowie Theater- und Musikveranstaltungen geplant sind. Auf dem Zeppelinfeld soll Fußball gespielt werden, es soll ein Treffpunkt für Jugendliche werden.

Von Ihnen wollen wir diesmal in unserer Leserfrage wissen: „Sollen die NS-Bauten erhalten bleiben?“