Braucht Nürnberg ein Bratwurstmuseum?

Nürnberg ohne seine Bratwurst, das wäre wie Paris ohne Eiffelturm, wie Fix ohne Foxi. Warum die Stadt ihr berühmtes essbares Wahrzeichen nicht schon längst in einem eigenen Museum oder zumindest einer Dauerausstellung würdigt, leuchtet vielen Einheimischen und Gästen überhaupt nicht ein. Die mindestens 700 Jahre lange Historie böte genug Stoff, damit so ein Projekt auch ohne zu viel Firmenwerbung gelingen kann.

Und so hat Nürnbergs oberster Bratwurstfreund Hartmut Frommer, der den Schutzverband für das Würstlein leitet, jetzt nach langer Pause wieder öffentlich den Wunsch nach einem solchen Museum geäußert.

Aber was ist mit all jenen, die schon beim Gedanken daran Magenschmerzen kriegen, weil Nürnberg dann an Biederkeit endgültig nicht mehr zu übertreffen sei? Lasst den Thüringern ihr Wurstmuseum, sagen sie – in Nürnberg brauchen wir Kunst, die man nicht essen kann. Wir wollen in unserer Leserfrage von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg ein Bratwurstmuseum?“

Ist der Kapitalismus am Ende?

Die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt zeigen, wo es langgeht: Es geht bergab. Wir alle blicken in den Abgrund eines außer Kontrolle geraten Systems. Auch hier in Nürnberg ist zu befürchten: Die heile Welt des verkaufsoffenen Sonntags mit gut gelaunten und kauflustigen Menschen wird sich nicht lange halten.
Die Aussagen unserer Politiker im Zeitraffer: „Die schlimmste Krise seit Jahren.“ „Die schlimmste Krise seit Jahrzehnten.“ „Die schlimmste Krise seit 1945.“ Dass dies also die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg ist, war wortgetreu erst nach Ablauf einer Schamfrist zu hören.

Fassungslos sehen die Menschen ratlose Experten im Fernsehen oder lesen entsetzt die neuesten, abgrundtief schlechten Nachrichten in der Zeitung. Kaum vorstellbare Milliardenbeträge verschwinden in einem schwarzen Loch. Auch in Deutschland stehen etliche Banken vor dem Bankrott. Und unsere Politiker pumpen Milliarden Euro in eine völlig außer Kontrolle geratene Branche. Immer mehr Unternehmen werden flügellahm – immer mehr Angestellte verschwinden heulend in der Toilette. . .
Berufsoptimist Alan Greenspan bejammert die „schlimmste Krise seit 1929“. Finanzminister Steinbrück entdeckt plötzlich wieder „Licht am Ende des Tunnels“. Dann stellt sich heraus, dass es ein entgegenkommender Zug war! Es schafft sich die üble Ahnung Raum, dass dies nicht der letzte entgegenkommende Zug war. Bei dieser Achterbahnfahrt wird den meisten Menschen schwindlig.

Der weltweite Kollaps der Finanzsysteme ist bei uns noch gar nicht angekommen. Wir haben „das dicke Ende“ dieser Finanzkrise noch lange nicht erreicht. Aber schon jetzt stellen sich viele die Frage: Ist das der Anfang vom Ende – das Ende des Kapitalismus? Das kommt nicht von ungefähr: Auffallend oft tauchen die Begriffe „regulieren“ und „verstaatlichen“ auf. Politiker, ja sogar die Banker – hochnotpersönlich – können sich plötzlich eine Teilverstaatlichung großer Banken vorstellen.
So nähern wir uns – angeschoben von einer langen Kette schlechter Wirtschaftsnachrichten – schrittweise der Frage: Ist der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, am Ende? Bei allem aktuellen und künftigen Elend darf man dabei aber nicht aus dem Blickfeld verlieren: Viele Millionen Menschen haben in und mit diesem System am Wohlstand teilgenommen. Und es ist fraglich, ob diese umfassenden Errungenschaften von einer auch noch so gravierenden Finanzkrise nachhaltig zerstört werden kann.
In unserer Leserfrage der Woche wollen wir deshalb diesmal von Ihnen wissen: Ist der Kapitalismus am Ende? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr? Mit Ja antworteten 30 Prozent, mit Nein 70 Prozent.

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