Silvesterfeuerwerk: Soll es verboten werden?

Brot statt Böller. Der Slogan, der Freunden der ausgelassenen Silvesterlaune ein schlechtes Gewissen zu machen versucht, ist schon uralt. An diesem Jahreswechsel lebt er in Bayern wieder heftiger auf als in früheren Jahren. Denn eine Münchner Bürgerinitiative gegen das private Silvesterfeuerwerk regt zur Debatte an. Ihre Unterstützer treten auf Bürgerversammlungen und mit Unterschriftensammlungen auf. Die private Knallerei, finden sie, hat einfach nur Nachteile: Lärm, Müll, Angst, Kosten, Unfallgefahren für Mensch und Tier. Dazu kommen Umweltbelastungen von Feinstaub über Plastikteilchen bis zum Energieaufwand für die Produktion der Feuerwerkskörper.

Eine aktuelle Online-Meinungsumfrage des Instituts Civey scheint diese Haltung zu bestätigen. Unter rund 5000 Teilnehmern sprechen sich knapp 60 Prozent für ein generelles Böller-Verbot in deutschen Innenstädten aus. Rund 30 Prozent lehnen ein Verbot ab. Wobei sich die Frage derzeit nur hypothetisch stellt. Gemeinden können das Böllern zwar räumlich einschränken und tun dies auch immer häufiger, aber für Pauschalverbote bräuchte es bundesweite Änderungen im Sprengstoffgesetz.

Dagegen spricht die Tradition. Muss wirklich alles immer weiter reglementiert und zwangsberuhigt werden? Vielen Familien und Freundeskreisen macht das mitternächtliche Spektakel einfach Spaß. Bestünde ein schöner Kompromiss nicht darin, für den freiwilligen Verzicht zu werben und stattdessen ein städtisches Profi-Feuerwerk zu organisieren? Dieses erfreut optisch auch eher als die kläglichen Privatraketen, von denen im Nebel nicht mehr als Pünktchen sichtbar bleiben.

Die Deutschen stehen mit dieser Diskussion übrigens ziemlich alleine da. In den meisten Ländern der Erde ist die Straßenböllerei an Silvester schlicht unüblich.

Isabel Lauer

Silvesterfeuerwerk: Soll es verboten werden?

Christkindlesmarkt: Soll er verlängert werden?

Alle Jahre wieder wirft der gute alte Christkindlesmarkt Fragen auf. Ist er schön genug für die Konkurrenz? Könnte er zum Beispiel noch schöner werden, wenn er länger dauerte? Zielgruppen für eine längere Betriebszeit bis zum Jahresende gäbe es durchaus. Da sind die Nürnberg-Touristen, die heute zwischen Heiligabend und Silvester nur tote, verhüllte Buden vorfinden. Und da sind die Einheimischen, die im Advent mal wieder viel zu gehetzt für einen beschaulichen Bummel waren. Man kennt das: Als Durchschnitts-Berufstätiger steckt man bis Weihnachten knietief in Arbeit, schafft es gerade mal auf einen Glühwein zum Markt. In der Woche zwischen den Jahren hätte man plötzlich Luft.

Die Mehrzahl der deutschen Weihnachtsmärkte schließt noch immer spätestens an Heiligabend. Doch seit vielen Jahren halten etliche Städte ihre Märkte bis zum 30. Dezember offen: Dortmund, Duisburg, Mönchengladbach, Lübeck, Schwerin und Magdeburg beispielsweise – offenbar mit guten Erfahrungen. Auch in Hamburg und Berlin dauern einige Märkte bis zum Jahresende.
Die Gegner einer Ausweitung weisen freilich darauf hin, dass ein Weihnachtsmarkt in die Vorweihnachtszeit gehört. Auf dem Nürnberger Markt wird traditionell sehr viel Weihnachtsschmuck verkauft – braucht das nach den Festtagen noch jemand? Das christliche Fest setzt den überfälligen Schlusspunkt für den Rummel und Kommerz. Die Klage darüber ist übrigens schon mindestens 400 Jahre alt. In der Chronik der Nürnberger Altstadtkirche St. Sebald beklagte im Jahr 1616 Pfarrer Lüder am Heiligen Abend, dass er die Vesper- und Nachmittagspredigt ausfallen lassen musste, weil „wegen des Einkaufens zum Kindleinsbescheren keine Leut vorhanden gwest“. Andererseits: Vielleicht wären diese Einkäufer in die Kirche gegangen, wenn sie den Markt noch ein paar Tage länger hätten besuchen können?

Isabel Lauer

Christkindlesmarkt: Soll er verlängert werden?

Böllerverbot für die Altstadt?

So manchem Besucher, der in der Silvesternacht in der Altstadt unterwegs war, wurde angst und bange: Schließlich zischten Rake­ten und Kracher (Foto: Ralf Rödel)  inmitten der dicht gedrängten Menschen in alle Richtungen. Weil die Freunde des Feuerwerks ihre Böller allzu rücksichtslos in die Gegend war­fen, überkam viele Besucher ein mulmiges Gefühl. Sie fühlten sich akut gefährdet.
Doch es sind nicht nur solche Sicherheitsaspekte, die die Grü­nen im Nürnberger Stadtrat jetzt dazu bewogen haben, für eine feu­erwerksfreie Altstadt zu plädie­ren. Schließlich besteht auch die Gefahr, dass Kirchen und histori­sche Gebäude beschädigt werden. Die Gemeinde St.Lorenz beklagt zum Beispiel die hohen Kosten, die alljährlich entstehen, nur um das Kirchendach zu reinigen. 4000 Euro muss die Kirche hier­für berappen. Ein Feuerwerksver­bot auf der Burg besteht bereits, vielleicht müsste dieses ausgewei­tet werden, meinen Beobachter, denen die Knallerei im Zentrum auf den Keks geht.
Die Grünen bringen einen Aus­bau der böllerfreien Feierkultur, die durch das Silvestival ja schon bestehe, ins Spiel. Allerdings fin­det das Silvestival nur alle zwei Jahre statt – und das Kulturrefe­rat machte auch deutlich, dass es eine weitere Großveranstaltung nicht im jährlichen Turnus stem­men könne.
Es ist auch fraglich, ob man die Bürger schon wieder mit einem Verbot überziehen sollte oder die Stadt nicht die Spaßbremse spielt, wenn sie die ja nur einmal im Jahr stattfindende Böllerei untersagt.

Marco Puschner

Böllerverbot in der Altstadt?

Sind Sie für ein Böllerverbot an Silvester?

Auch wenn der Anlass diesmal ein besonderer ist, ist die Kritik an der lauten Silvesterknallerei eigentlich alle Jahre wieder zu hören. Diesmal war es der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, der ein Verbot von besonders lauten Geböllere vorgeschlagen hat. Ansonsten, so argumentiert er könnte der Krach die zur Zeit spürbare Terrorangst noch weiter anschüren.

Die Reaktionen auf Ströbeles Vorstoß fielen überwiegend kritisch aus. Schließlich gebe es in Deutschland bereits klare Vorgaben für den maximalen Lärm von Knallkörpern (Foto: Caroline Seidel) und auch so ausgewiesene feuerwerksfreie Zonen, wird argumentiert. Dazu gehören etwa die Umgebung von Krankenhäusern und Seniorenheimen und feuergefährdete Bereiche. In Nürnberg ist bereits seit einiger Zeit die Burg eine solche Tabuzone, weil es in dem Gedränge auf der Freiung immer wieder zu Gefährdung von Feiernden gekommen war. Wesentlich weiter ist man bereits in den Niederlanden, wo in diesem Jahr 56 Gemeinden angekündigt haben, feuerwerksfreie Zonen einzurichten. So etwas dürfte auch im Sinne vieler Tierschützer sein, die immer wieder darauf hinweisen, welchen Stress die Knallerei bei vielen Haustieren auslöst.

Ein ganz praktisches Argument für ein Böller-Verbot könnte schließlich der massive Feuerwerks-Müll sein, der alljährlich zum 1. Januar die Straßen verunstaltet. Vor allem die immer beliebteren Mehrfach-Batterien schlagen hier zu Buche.
Die Feuerwerks-Befürworter halten all dem entgegen, dass man nicht einfach so fest verwurzelte Bräuche über Bord werfen sollte. Außerdem beschränke sich die Knallerei ja in Deutschland weitestgehend auf die Silvesternacht.

Clemens Helldörfer

 

Sind Sie für ein Böllerverbot an Silvester?