EM 2024: Soll Nürnberg sich bewerben?

Noch ist es nur eine Interessenbekundung, die förmliche Bewerbung steht noch aus. Aber die Stadt Nürnberg hat schon mal klargemacht, dass sie offen dafür ist, bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 wieder ihr Stadion zur Verfügung zu stellen. Wer an die Begeisterung zurückdenkt, die etwa die Fans aus den Niederlanden oder aus Trinidad/Tobago bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 in die Stadt brachten, wird wohl eine Bewerbung auf den ersten Blick gut finden. Die vielen Touristen brächten natürlich auch Geld in die Stadt. Zudem käme durch eine solche Bewerbung neuer Schwung in die Debatte um die Modernisierung des Stadions. Doch da fangen die Probleme auch schon an: Die Stadt als Eigentümer kann sich den Umbau nicht leisten, der Club wohl auch nicht. Es ginge nur mit einem privaten Investor. Zudem könnte es sein, dass dem sportlichen Großereignis die Laufbahn im Stadion geopfert werden müsste – denn es steht zumindest zu befürchten, dass von Berlin abgesehen nur reine Fußballstadien den Zuschlag erhalten, weil der DFB sich in diesen Arenen mehr Stimmung verspricht. Für die Freunde der Leichtathletik wäre dies ein Schlag ins Kontor.

Marco Puschner

 

EM 2024: Soll Nürnberg sich bewerben?

Kein neues Fußballstadion für den Club!

grethlein„1. FC Nürnberg hat Investor für ein neues Fußballstadtion“ ist heute als Aufmacher in den „Nürnberger Nachrichten“ zu lesen. Und im Lokalteil heißt es: „1. FC Nürnberg will die Ehe mit der Stadt eingehen“. Dumm ist nur: Bei der Stadt, der das Grundig-Stadion gehört, weiß man nichts davon. „Sehr verwundert“ über den Artikel zeigt sich Bürgermeister Christian Vogel: „Mir ist nichts davon bekannt. Ich als zuständiger Werkleiter des Stadions müsste es ja wissen.“

Noch dümmer ist: Der im Bericht zitierte Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Grethlein (auf dem Foto mit Club-Nachwuchs bei der Enthüllung des 1. FCN-Gedenksteins diese Woche) kennt diesen Investor ebenfalls nicht. Es könnte Leute geben, die daran interessiert wären, so eine moderne Arena zu bauen, meint er. „Aber das dürfte noch länger dauern.“ Auch wenn der 1. FCN mittlerweile nur noch zweitklassig ist, verfolgt der Verein das Ziel einer Spielstätte ohne Leichtathletik-Anlage weiter. „Wir würden verantwortungslos handeln, wenn wir nicht dran bleiben würden“, sagt Grethlein. Denn bis sich der Traum verwirklicht, könnte der Club ja wieder aufgestiegen sein.

Der Club wünscht sich bekanntlich schon seit einiger Zeit ein reines Fußballstadion, wie es viele andere Vereine schon längst haben. Mit einer solchen modernen Arena ließe sich um einiges mehr verdienen – und darum geht es heute vor allem anderen im Fußball. Ob es in Nürnberg aber überhaupt genügend Betuchte oder V.I.P.´s gäbe, die sich Logen im Stadion eine Menge kosten lassen würden, darf man durchaus bezweifeln. Schaut man sich nämlich die Arena der Ice-Tiger an, dann sind viele der dort vorhandenen exklusiven Sitzplätze die meiste Zeit über verwaist. Nürnberg ist halt nicht München oder Köln.

Der Vertrag der Stadt Nürnberg mit der Betreiber-Gesellschaft des Grundig-Stadions endet am 30. Juni. Vielleicht auch eine Chance, dass das Stadion endlich auch den einzig richtigen Namen bekommen könnte: Max-Morlock-Stadion. So, wie es die Fans schon ewig fordern. Sie melden sich jetzt zurück mit einer neuen Aktion. 

Ute Wolf

Gemeinsames Stadion für Club und Kleeblatt?

Wolfgang Zink

Vor rund sieben Jahren wurde das Frankenstadion für die Fußballweltmeisterschaft 2006 überholt. Mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag erhielt das in die Jahre gekommene Achteck eine technische Runderneuerung. Da die Stadt ihren Beitrag nur auf Kredit beisteuern konnte, muss das Frankenstadion nun mindestens noch zehn Jahre Bundesliga-Betrieb durchhalten.

Schon während der WM beklagten die Club-Verantwortlichen, dass das Nürnberger Stadion nur mäßig gut zu vermarkten sei und der Club mit einem reinen Fußballstadion wesentlich besser fahren würde: Neben Mehreinnahmen, die in die Mannschaft gesteckt werden sollten, erhofft man sich durch den Wegfall der Laufbahn rund um das Fußballfeld auch noch eine intensivere Stadionatmosphäre. Die Rennbahn wurde bei der Stadionsanierung nicht aufgegeben, weil sonst die SPD den ganzen Umbau nicht mitgetragen hätte: Die Hoffnung auf mehr bedeutende Leichtathletikveranstaltungen in Nürnberg erfüllte sich aber in den zurückliegenden sechs Jahren nicht.

((ContentAd))Dagegen wurde der Wunsch nach einem neuen Stadion in den vergangenen Wochen noch einmal von der Club-Spitze geäußert. Die Stadt Nürnberg ist natürlich nicht darüber erfreut. Zum einen müssen noch die Kredite abbezahlt werden und zum anderen passt natürlich der derzeitige Standort von der Infrastruktur her perfekt. Außerdem müsste eine Art weißer Riese auftauchen, der die Taschen voller Geld hat. Weder Club noch Stadt kennen einen solchen Gönner.

Parallel dazu hat die Spielvereinigung Greuther Fürth ihre Neubaupläne in aller Stille, wie es der Stil des Vereins ist, bis zur Entscheidungsreife vorangebracht und baut für 35 Millionen Euro ein neues Stadion in der Fürther Südstadt. Dazu haben sie auch noch einen finanzstarken Gönner. Wäre es nicht ein hervorragendes Beispiel für die interkommunale Zusammenarbeit, wenn Club und Kleeblatt auf einem exterritorialen Gebiet an der Stadtgrenze einen richtig attraktiven und modernen Stadionneubau errichten? Mit einem in Grün oder Rot leuchtenden Dach, je nachdem, welcher Verein darin spielt. Das wäre einmal ein Beispiel für gelungene Synergieeffekte: Aufgrund der Einsparungen könnte man sich nicht nur zweckmäßige, sondern auch gute Architektur leisten.

Kritiker werden natürlich einwenden, dass ein Club-Kleeblatt-Park die Identität der Fangemeinden beschädigen würde und auf das Beispiel München verweisen. Nur: Die Probleme der Löwen sind durch die sportliche Talfahrt entstanden und nicht durch das Stadion.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Gemeinsames Stadion für Club und Kleeblatt?“ Ihr Votum können Sie auf der NZ-Seite abgeben.

Braucht Nürnberg ein reines Fußballstadion?

Die Fans sollen näher ran ans Geschehen auf dem Spielfeld, findet Martin Bader. Deswegen würde der Sportvorstand des 1.FC Nürnberg gerne dem Beispiel anderer Vereine folgen und die Spielstätte des Clubs in eine reine Fußball-Arena umbauen lassen.

Ob er den Anhängern damit aber wirklich einen Gefallen tut, ist fraglich, denn viele Fans mögen das Nürnberger Stadion gerade wegen der roten Laufbahn und der achteckigen Form. Die Neubauten vieler Bundesligisten seien austauschbare Betontempel ohne individuellen Charme, meinte zum Beispiel kürzlich ein Mitglied der Initiative „Max-Morlock-Stadion jetzt!“ im Gespräch mit der NZ. Kämmerer Harry Riedel hat allen Umbauplänen für dieses Jahrzehnt angesichts der angespannten Haushaltssituation ohnehin eine Absage erteilt und sich von Baders Vorstoß wenig erfreut gezeigt. Dennoch, die Debatte wird weitergehen.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Braucht Nürnberg ein reines Fußballstadion?“.