Wieder Gebühren bei der Stadtbibliothek?

Foto: Roland  Fengler                   Motiv:      Unter Nürnbergs Dächer      Besuch der Stadtbibliothek     Datum:  12.03.2014
Die Stadt leistet sich den Luxus, keine Jahresgebühren für die Ausleihe der Stadtbibliothek zu verlangen. Luxus? werden einige fragen und darauf verweisen, dass der Verzicht auf Gebühren es allen möglich macht Bücher oder andere Medien auszuleihen. Es wird niemand von diesem Bildungsangebot ausgeschlossen, nur weil er es sich nicht leisten kann, ein Grundgebühr zu bezahlen. Aus einer sozialen Perspektive sicherlich verständlich und die Nutzerzahlen sind auch deutlich angestiegen.

Nachdem 2013 die Erhebung von Grundgebühren bei der Stadtbibliothek abgeschafft wurden, bestand die Hoffnung, dass über die Verlängerungs- und Vormerkgebühr, die noch erhoben werden, zumindest so viel Geld zusammenkommt, dass der städtische Anteil bei der Finanzierung nicht weiter steigt. Doch das System klappte nicht: Offenbar gibt die überwiegende Zahl der Nutzer ihre Bücher rechtzeitig zurück und bei den Vormerkungen halten sie sich diszipliniert zurück.

Da die Stadt ein Einsparpaket in Höhe von 20 Millionen Euro schnüren muss, um die Vorgaben der Regierung von Mittelfranken zu erfüllen und um Spielraum im Haushalt für die anstehenden Investitionen zu bekommen, wird derzeit darüber diskutiert, ob eine Grundgebühr in Höhe von 15 Euro pro Jahr eingeführt werden soll. Rund 500.000 Euro würde das an Mehreinnahmen bedeuten.

Die Befürworter der Wiedereinführung einer Jahresgebühr können darauf verweisen, dass 15 Euro im Jahr ganze 1,25 Euro im Monat sind. Ein Summe, die verkraftbar erscheint. Wenn etwas umsonst ist, dann gibt es immer wieder Mitnahmeeffekte, etwa von Nutzern, die genügend Geld haben, Bücher und Medien, die sie benötigen, selber zu bezahlen. Es gehört nicht zu den Aufgaben der Stadt, Reiseführer, die dann für den dreiwöchigen im Urlaub mitgenommen werden, vorzuhalten. Das ist keine kein Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, sondern Luxus. Zu loben ist auch, das gute, weil breite Angebot von Zeitungen und Zeitschriften. Muss das komplett umsonst sein?

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen:

Zurück zur Jahresgebühr bei der Stadtbibliothek?

Vergangene Woche haben wir gefragt: „Hat Bob Dylan den Literatur-Nobelpreis verdient?“ Teilgenommen haben 213 Leser (online und per Telefon). Mit Ja antworteten 61,4 Prozent, mit Nein 38,6 Prozent.

Ausländer kämpfen für Nürnbergs Altstadt

Das Luitpoldhaus, Teil der Stadtbibliothek, wird abgerissen. Der Abbruch des Luitpoldhauses hat begonnen, das ideologische Gefecht geht weiter. Pablo de la Riestra versteht sich so fieberhaft als Nürnberger, dass es ihm noch nicht genügt, eine Lichterkette gegen den Umbau der Stadtbibliothek auf den Plan gerufen zu haben.

Sein südamerikanisches Feuer brennt länger. Soeben hat er, lässt er die Zeitungen wissen, die Initiative „Ausländer für den Erhalt der Nürnberger Altstadt“ gegründet.

Nun ist die Altstadt derzeit gottlob nicht vom Einsturz bedroht. Es geht dem Kunstprofessor und Architekturzeichner aus Argentinien, der seit 1991 in Nürnberg wohnt, vielmehr darum, das Stadtbild „vor weiteren unsensiblen Fremdkörpern“ zu bewahren, als da wären: Citypoint, Kornmarkt, Katharinenparkhaus, Sebalder Höfe, Wirtschaftsrathaus oder – als nächster Coup in der „Ansammlung von Fehlentscheidungen“ – die geplante neue Stadtbibliothek.

Deren Proportionen würden die Altstadt wie ein wild gewordener Le Corbusier verunstalten, meint de la Riestra. Auch gegen die Entfernung der Lorenzer Dachgauben hat er in diesem Sommer schon protestiert (die NZ berichtete).

Als er Nürnberg 1979 zum ersten Mal betrat, seien ihm Tränen gekommen vor Bewunderung für den Wiederaufbau, sagt der Argentinier. Die Einheit der historischen Gebäude sei es, die alle ausländischen Besucher entzücke. „Die Stadt Nürnberg scheint aber nicht zu kapieren, warum diese Leute in die Stadt kommen.“

Hier gelangt der Mann nun zu seiner pikanten These: Ausländer wie er, meint er, würden Nürnbergs historisches Gesicht prinzipiell mehr wertschätzen als Einheimische. „Die heutigen Deutschen sind mit diesem Problem überfordert.“ In ihrem Komplex der Scham über die NS-Zeit würden sie es sich versagen, die gewachsene Ästhetik ihrer Städte zu ehren. Stattdessen: architektonische Zumutungen aus bürokratischen Bauverwaltungen, „die uns für dumm verkaufen“.
Stundenlang kann der 56-Jährige sich echauffieren über falschen Stolz von Architekten, Ohnmachtsgefühle und Medien, die ihm nach der Lichterkette Feindlichkeit gegen die Moderne zuschrieben. Dabei sei er der größte Verehrer moderner Architektur, aber nur auf geeigneten Flächen, etwa außerhalb mittelalterlicher Zentren oder in der Kunststadt Brasilia. Er hasse beispielsweise historisierende Möbel.
Aus dem Verein der Altstadtfreunde, die ja ebenfalls einiges am Bibliotheksneubau kritisieren, schert de la Riestra aus, weil sie ihm zu wenig Biss beweisen. Und wer außer ihm erinnere schon daran, dass mit dem nach dem Krieg wiederaufgebauten Luitpoldhaus jetzt die Erinnerung an den jüdischen Stifter Berolzheimer verschwinde? „Es hat Schönheit und gehört seit 50 Jahren zum Stadtbild.“
Bislang ist die Schlagkraft der „Ausländer-Initiative“ allerdings limitiert. Sie besteht nur aus ihrem Gründer, einem Mitstreiter und sechs ideellen Partnern in Spanien und Südamerika. Weil Pablo de la Riestra sich nicht der Deutschtümelei verdächtig machen will, sollen ausdrücklich nur Migranten mitmachen.

Kontakt: pablo@de-la-riestra.de

isa

Soll die Stadtbibliothek gebaut werden?

Der Neubau der Stadtbibliothek treibt derzeit nicht nur die Altstadtfreunde um, siehe nebenstehenden Bericht, sondern auch die Parteien im Stadtrat. Während SPD, Grüne und FDP an den Beschlüssen festhalten wollen und die Stadtbibliothek wie geplant bauen wollen, möchten CSU, ÖDP und Freie Wähler das Verfahren noch einmal aufrollen. Ziel der Kritiker ist, den Hauptbau entlang der Nonnengartenstraße ein Stockwerk niedriger zu bauen, damit der Riegel ohne Satteldach nicht so massiv ausfällt. Außerdem soll die Westfassade völlig neu gestaltet werden.
Die Befürworter der Pläne sehen die Fassade als gelungen an und befürchten durch eine Verzögerung des Bauwerks den Verlust von Fördergeldern. Außerdem hätten die Kritiker über ein Jahr Zeit verstreichen lassen, bis sie sich ablehnend geäußert haben. Jede Verzögerung kostet aber Geld. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Stadtbibliothek wie geplant gebaut werden?

Sagen Sie uns doch Ihre Meinung.