Grundschulabitur: Ist es zu schwierig?

Die Viertklässler haben am 2. Mai ihr Übertrittszeugnis bekommen und damit eine harte Zeit hinter sich gebracht. 22 Proben haben sie in rund einem halben Jahr in Deutsch, Mathe sowie Heimat- und Sachunterricht geschrieben. Nur diese drei Fächer spielen eine Rolle, wenn es darum geht, an welche weiterführende Schule die Kinder wechseln dürfen.

Der Druck, den die Schüler in dieser Zeit ausgesetzt sind, ist enorm. Selbst wenn sie nicht von überehrgeizigen Eltern drangsaliert werden, die nur das Gymnasium im Blick haben. In Bayern gilt: Am Ende des vierten Schuljahrs wird aussortiert. Soziale Kompetenzen spielen keine Rolle, auch Fähigkeiten in Sport, Musik oder Kunst nicht. Lehrer- und Elternverbände kritisieren dieses System des Aussiebens schon lange. Eine Forderung lautet, den Elternwillen zählen zu lassen und die Kinder erst nach der sechsten Klasse zu trennen. Damit bliebe den Schülern viel Frust erspart, den mancher sein Schulleben lang nicht mehr los wird.

Das Kultusministerium beruft sich darauf, dass die Entscheidung nach der vierten Klasse noch keine endgültige über die künftige Laufbahn des Kindes ist. Dass das bayerische Schulsystem durchlässig ist. Das mag schon sein. Trotzdem: Wer neun oder zehn Jahre alt ist, soll mit Freude und nicht mit Angst in die Schule gehen dürfen.

Gabi Eisenack

Grundschulabitur: Ist es zu schwierig?

Schüler im Stress

Nase voll!So klein man als Grundschüler auch ist – der Stress kann leicht größer sein als bei Abiturienten. Wenn es nämlich um das berüchtigte Übertrittszeugnis geht, befällt viele Familien schon in der dritten Klasse ein heiliger Fleiß, auf dass sich ihre Kinder um jeden Preis die Eintrittskarte in eine weiterführende Schule erarbeiten. Streit mit Lehrern und zu Hause ist da programmiert. Die bayerische SPD will die Regelung abschaffen, sogar der CSU-Kultusminister will sie überdenken, das haben sie zur Zeugnisvergabe vergangene Woche verkündet.´

Aber setzt sich der Druck nicht ohnehin fort? Das achtjährige Gymnasium baut erst langsam seinen unrealistischen Lehrstoffballast ab. Haupt- und Realschüler schlagen sich in einem verzweifelten Kampf um Lehrstellen. Ohne Leistungsnachweise und frühe Praktika sehen Jugendliche alt aus. Strengere Stimmen allerdings sehen in unseren Schulen immer noch herrlich viel Leerlauf: durch Unterrichtsausfall, Ausflüge, Kuschelzeit schon vier Wochen vor Ende des Schuljahres.

Wir stellen in unserer Leserfrage zur Debatte: Stehen unsere Schüler unter zu großem Druck? Stimmen Sie ab Montag unter www.nz-online.de ab und diskutieren Sie schon heute mit.

isa