Braucht Nürnberg noch mehr öffentliche Toiletten?

Wen vor zehn Jahren unterwegs die Blase drückte, der hatte es schwer, in Nürnberg ein öffentliches WC zu finden. Auch Nachtschwärmer kannten oft keine Scham und pinkelten in Passagen, an Hauswände, in dunkle Ecken. Die NZ berichtete damals über das Problem und zeigte auch Beispiele, wie andere Städte das Problem angehen. Die Stadt nahm sich danach der WC-Frage an und versuchte, mehr und bessere öffentliche Toiletten zu schaffen. Unter anderem förderte sie den Bau kostenpflichtiger Litfaßsäulen-WC-Anlagen (Foto: Michael Matejka), die von der Stadtreklame unterhalten werden. Sie rief Gastwirte auf, sich am Projekt „Nette Toilette“ zu beteiligen, bei dem auch Gäste, die nicht im Restaurant etwas konsumieren, das dazugehörige WC benutzen dürfen. Und sie schuf „Toiletten für alle“, die auch für Schwerbehinderte nutzbar sind. Für 2019 plant die Stadt die Installierung neuer WC-Anlagen und testet zwei Pissoirs an der Frauentor- und Königstormauer. Einige Toiletten, wie im Rathaus, werden mit 200000 Besuchern im Jahr, stark genutzt, der Bedarf ist also da. Die Stadtratsfraktionen zeigten sich im SÖR-Werkausschuss alle zufrieden mit der Entwicklung und plädierten auch für noch mehr Toiletten. Doch reichen die vorhandenen Anlagen nicht vielleicht aus? Schließlich können die Anlagen niemals kostendeckend betrieben werden, geschweige denn Gewinn abwerfen. Allein die Tiefbauarbeiten für die drei neuen Litfaßsäulen-WCs haben die Stadt 110000 Euro pro Anlage gekostet. Einen WC-Besuch subventioniert die Stadt je nach Benutzerfrequenz mit 0,30 bis 6,40 Euro. Außerdem sind Anwohner nicht begeistert, wenn vor ihrer Tür ein öffentliches WC hingestellt wird.
Claudia Urbasek

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