Transrapid ausgebremst

transrapid.JPGDie Hochgeschwindigkeitsreise ist beendet, das Projekt Transrapid ausgebremst: Wegen drastischer Kostenexplosion wird die Magnetbahnstrecke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen München nicht gebaut. Statt der zuletzt veranschlagten 1,85 Milliarden Euro würde die gut 37 Kilometer lange Strecke nun bis zu 3,4 Milliarden Euro kosten. Weder der Bund noch der Freistaat Bayern wollen aber ihre Finanzierungszusagen aufstocken.

Um den Transrapid wurde jahrzehntelang gerungen. Bereits 1922 beschäftigte sich der Ingenieur Hermann Kemper aus Niedersachsen mit den Möglichkeiten der Schwebetechnik. 1934 meldete er ein Patent für eine Magnetschwebebahn an. Über die folgenden Jahre hinweg schwebte das Projekt über Versuchsstrecken, war Zankapfel zwischen Baukonzernen, war Anlass für Warnungen vor Kostenexplosionen, war Hoffnungsträger für große Vorhaben in China.
Im Jahr 2003 stellt der Transrapid in Shanghai einen Rekord von 501 Stundenkilometern auf, im selben Jahr bröckelt aber auch die Front der „Willigen“: Nordrhein-Westfalen verzichtet auf die 3,2 Milliarden Euro teure Magnetschnellbahn zwischen Düsseldorf und Dortmund.
2004: Ein Bericht der Bundesregierung weist für das Münchner Projekt einen Fehlbetrag von bis zu einer Milliarde Euro aus. Zwei Jahre später sterben bei einem schweren Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland 23 Menschen, zehn werden verletzt. Die Berg- und Talfahrt des anspruchsvollen Prestigeprojekts geht ungebremst weiter.
Am 24. September 2007 scheint die Verwirklichung in greifbarer Nähe. Knapp eine Woche vor seinem Rücktritt verständigt sich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber mit Bahn und Industrie auf die Finanzierung. Drei Monate später übergeben die Transrapid-Gegner mehr als 38 000 Unterschriften für ein landesweites Volksbegehren. Die angekündigte Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichts über dessen Zulässigkeit am 4. April ist nun von der jüngsten Entscheidung überrollt worden: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee erklärte das Aus für das Transrapid-Projekt.
Die Gegner triumphieren, die Oppositionsparteien feixen, Ministerpräsident Günther Beckstein spricht von einem schlechten Tag für den Technologiestandort Deutschland, sein Vorgänger kritisiert die Industrie: „Nahezu eine Verdoppelung der Kosten in sechs Monaten ist doch sehr ungewöhnlich.“ Fest steht, dass in das Transrapid-Projekt bereits enorme Summen investiert wurden und dass man mit einem funktionierenden Alltagsbetrieb den Ruf Deutschlands als technologisches Spitzenland weiter hätte fördern können.
In unserer Wochenfrage wollen wir diesmal von Ihnen wissen: Transrapid ausgebremst – Finden Sie die Entscheidung richtig? Abstimmen können Sie – wie immer ab Montag – auf unserer NZ-Homepage.   we