Ein zweites Männleinlaufen

Von der Beliebtheit des Männleinlaufens an der Frauenkirche könnte Nürnberg ruhig noch mehr profitieren, meinen Touristenführer: Sie wünschen sich zum traditionellen Durchgang um 12 Uhr auch einen zweiten Lauf um 16 Uhr. Die Stadtspitze ist da deutlich gespaltener Meinung.

Technisch wäre es problemlos umzusetzen: Eine kleine Umprogrammierung im neuerdings digital gesteuerten Laufwerk würde genügen. Die Gemeinde der Frauenkirche wäre einverstanden. Auch historisch gäbe es keinen Hinderungsgrund. Nach Recherchen des Stadtarchivs ist keinerlei Anordnung überliefert, die der Spieluhr eine bestimmte Prozedur vorschreibt.

Was spräche also dagegen? Die Angst vor Beliebigkeit. Es sei eben „Alleinstellungsmerkmal“ der Paradeuhr, dass sie nur einmal täglich läuft. Die Kulturreferentin ist skeptisch, und der Oberbürgermeister lehnt den Vorschlag rundheraus ab. Für sie gingen Wert und Ernst des Rituals verloren. Die Runde der städtischen Referenten wird die Sache bald entscheiden; die Uhr ist in städtischem Besitz.