Supermärkte zu Lebensmittelspenden verpflichten?

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Deutschland jedes Jahr im Müll. „Die elf Millionen Tonnen würden zweimal den Bodensee füllen“, so Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Die Ministerin will diese Flut eindämmen, setzt dabei aber auf das Prinzip der Freiwilligkeit. So sollen in Dialogformen Zielmarken erarbeitet werden.

Die Opposition kritisiert die Unverbindlichkeit von Klöckners Vorschlägen. Linken-Chefin Katja Kipping zum Beispiel fordert ein Anti-Wegwerf-Gesetz, das Supermärkte dazu verpflichtet, Lebensmittel, die sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern, gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung zu stellen. In Frankreich oder Belgien gebe es bereits solche Regelungen. Man reduziere die Verschwendung und helfe zugleich Bedürftigen, so die Argumentation. Klöckner will so ein Gesetz nicht – unter anderem, weil ein Großteil des Mülls von privaten Haushalten verursacht wird und man nicht einseitig die Supermärkte in die Pflicht nehmen möchte.

Marco Puschner

Supermärkte zu Lebensmittelspenden verpflichten?

Spenden Sie noch für Unicef?

Unicef geriet in die SchlagzeilenDas Kinderhilfswerk Unicef Deutschland galt auf dem „Spendenmarkt“ bis vor kurzem noch als „heilige Kuh“. Umso größer ist nun die Enttäuschung und das Entsetzen über die Vorwürfe, Geschäftsführer Dietrich Garlichs habe Spendengelder verschwendet. Er soll externe Berater zu großzügig honoriert haben. Zwar hat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dem Vorstand des Kinderhilfswerks nach Begutachtung der Vorgänge das Vertrauen ausgesprochen, allerdings bemängelten die Gutachter ebenfalls Verstöße gegen Ordnungsregeln bei der Vergabe und Kontrolle von Transaktionen. Der Rücktritt der ehrenamtlichen Vorsitzenden von Unicef Deutschland, Heide Simonis, hat die Vorfälle bei Unicef noch mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Es gibt aber auch Stimmen, die davor warnen, mit Kanonenkugeln auf Spatzen zu schießen, oder anders gesagt, die Kirche im Dorf zu lassen. So zeigt sich die Unicef-Zentrale in New York „natürlich sehr besorgt über die Auswirkungen der Affäre auf das Vertrauen der deutschen Öffentlichkeit“. Die deutsche Sektion sei aber immer eine sehr starke Stütze für die Arbeit des Kinderhilfswerks gewesen. Deshalb sei es wichtig, eine neue Vertrauensbasis herzustellen.
Das bischöfliche Hilfswerk Adveniat warnte vor einer isolierten Betrachtung der Werbe- und Verwaltungskosten. „Es gibt gute Gründe, wieso manche Hilfswerke höhere Nebenkosten haben als andere“, hieß es aus Adveniat. Bei Unicef liege der Verwaltungs- und Werbekostenanteil bei 18 Prozent, bei Adveniat dagegen bei 6,2 Prozent. Unicef sei allerdings anders als Adveniat auch in Krisenregionen nach Katastrophen tätig. Das erfordere eine teure Lagerhaltung zum Beispiel mit Zelten und Bedarf für den Notfall.

Und die Grüne Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz meint, Unicef sei nach wie vor ein seriöser Verein. 90 Prozent der Spenden kämen bei den Kindern an, zehn Prozent seien für die Verwaltung, „das ist ein guter Wert“.
Unsere Frage der Woche lautet diesmal: Spenden Sie noch für Unicef? Sie können, wie immer, hier oder ab Montag auf unserer NZ-Webseite Ihre Meinung dazu äußern.     we