Leere Wohnungen: Soll die Stadt durchgreifen?

Seit der Jahrtausendwende zog es rund 40000 Menschen nach Nürnberg. Es wird immer schwieriger, eine Bleibe zu finden. Umso ärgerlicher ist es, wenn Wohnungen oder sogar ganze Häuser leer stehen oder wie in Berlin und München über Online-Plattformen an Touristen vermietet werden. Das soll in Nürnberg nicht passieren, hat die SPD-Stadtratsfraktion beschlossen. Sie schlägt die Einrichtung einer städtischen Internetseite vor, auf der Bürger die Verwaltung auf Leerstand aufmerksam machen können. Zudem soll eine Arbeitsgruppe herausfinden, wie viele Wohnungen in der Stadt nur kurz an Touristen statt dauerhaft an Mitbürger vermietet werden. Sollte die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis kommen, dass drei Prozent der rund 270000 Wohnungen in Nürnberg betroffen sind – das wären um die 8100 Wohnungen –, soll die „Zweckentfremdungssatzung‘ wieder eingeführt werden. Diese war 2001 abgeschafft worden, weil sie nur unter hohem personellen Aufwand durchgesetzt werden konnte. Eine Zweckentfremdung liegt demnach beispielsweise schon vor, wenn eine Wohnung länger als drei Monate leer steht. Diese Pläne lehnt die CSU-Stadtratsfraktion vehement ab, stattdessen sollen Bauanträge schneller genehmigt werden. Dies sei zielführender, da Nürnberg weit entfernt sei von Zuständen wie in München oder Berlin. Das glaubt auch die SPD, doch sie möchte konkrete Zahlen auf dem Tisch haben und vorbeugend handeln.

Ngoc Nguyen

Leere Wohnungen: Soll die Stadt durchgreifen?

Mehr Wohnungen auf Kosten von Grünflächen?

Der Stadtplanungsausschuss hat am vergangenen Donnerstag gleich mehrere Bebauungspläne und Änderungen von Bebauungsplänen auf den Weg gebracht. Ziel ist, möglichst schnell Bauland zu aktivieren. Plötzlich kommen Projekte voran, die jahrelang vor sich hindümpelten. Die Kulturverwaltung hat sich jetzt endlich durchgerungen, auf den Ausbau des Museums Industriekultur zu verzichten, was den Bau vom mehreren Hundert Wohnungen (Foto:Oliver Acker) in der Umgebung des Museums ermöglicht. Geld für den Museumsausbau ist auf Jahre hinaus nicht vorhanden. Auch beim August-Meier-Heim gibt es eine Weiterentwicklung: Experten haben schon lange gesagt, dass die Kosten der überalterten Pflegeeinrichtung nicht zu erwirtschaften sind und ein Neubau nötig ist. Das soll jetzt geprüft werden. Auf dem Gelände sollen dann 400 bis 600 Wohungen entstehten.

Stadtspitze und Stadtverwaltung regieren etwas dynamischer. Das liegt nicht nur daran, dass aufgrund des Zuzugs und der steigenden Einwohnerzahl mehr günstiger Wohnraum benötigt wird, sondern auch daran, dass die Flüchtlinge, wenn sie eine Duldung bekommen oder Asylstatus erwerben, Wohnungen benötigen. Da die Stadtspitze kein Interesse daran hat, dass der Verdrängungswettbewerb um günstigen Wohnraum nicht noch härter wird, als er schon ist, soll das Angebot von Sozialwohungen möglichst schnell vergrößert werden.

Es könnte sein, dass das zu Lasten von Grünflächen geht. Es dürfte den Entscheidungsträgern hoffentlich nicht sehr schwer fallen, wenn sie die Wahl zwischen Menschen oder Bäumen haben: Der Wohnungsbau muss schnell vorankommen. Wenn bei einigen Arealen, die bebaut werden sollen, erst noch mühselig nach Ersatzflächen für das wegfallende Grün gesucht werden muss, dann dürfte die Baulandmobilisierung nur schleppend vorankommen. Zwar ist Nürnberg im Inneren, das hat vor allem historische Gründe, keine grüne Stadt. Sie ist aber vom Reichswald umgeben, und Erholungssuchende werden vor allem im Osten und Süden schnell fündig.

André Fischer

Mehr Wohnungen auf Kosten von Grünflächen?