Sollen die NS- Bauten erhalten bleiben?

Instandsetzen oder verfallen lassen: Der Umgang mit NS-Bauten ist eine echte Glaubensfrage – nicht nur in Nürnberg. Während die einen fürchten, der Nationalsozialismus werde mit dem Erhalt von Orten wie dem Zeppelinfeld verherrlicht, sehen die anderen darin eine Chance, die grausame Geschichte für die nachfolgenden Generationen begreifbar zu machen.

Hinzu kommt die Geldfrage: 60 bis 75 Millionen Euro soll die Instandsetzung von Zeppelinfeld und -tribüne kosten. Falls die Mitglieder des Kulturausschusses sich für die Umsetzung des entsprechenden Konzeptpapiers entscheiden, wird die Stadt zwar Gelder vom Bund beantragen; doch die Kommune wird wohl trotzdem tief in die Tasche greifen müssen.
Ohne Instandsetzung fällt alles in sich zusammen.

Das Geld muss jedoch aufgebracht werden, wenn die Zeppelintribüne für die Nachwelt erhalten bleiben soll: Bauexperten haben festgestellt, dass die Anlage ohne die Instandsetzung nach und nach in sich zusammenfallen würde.

Das Gelände ist nicht als bloßes Mahnmal gedacht, sondern vielmehr als öffentlich zugänglicher Lernort. Eine Glasfront soll Einblick in den Goldenen Saal gewährleisten, in dem auch Filmvorführungen sowie Theater- und Musikveranstaltungen geplant sind. Auf dem Zeppelinfeld soll Fußball gespielt werden, es soll ein Treffpunkt für Jugendliche werden.

Von Ihnen wollen wir diesmal in unserer Leserfrage wissen: „Sollen die NS-Bauten erhalten bleiben?“

Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen?

Erbe bröckelt. Speziell die Steintribüne von 1935, auf der der Nazi-Diktator die Besuchermassen der Reichsparteitage begrüßte, ist baufällig. Ein Zaun schirmt sie seit Sommer ab; letztes Jahr erhielt sie Notdächer gegen weitere Frostschäden. Millionen wird die nächste Instandsetzung verschlingen, die angesichts herabfallender Fassadenteile dringend ansteht. Wenn die Zeppelintribüne wieder als Gedenkstätte erschlossen werden soll, müssen die Besucher in Sicherheit sein. Auch das Freizeitpublikum am Dutzendteich belegt die Stufen gern.
Der Investition in die Pädagogik steht die Alternative gegenüber, die düsteren Geschichtszeugnisse auf dem Zeppelinfeld ohne Zutun dem endgültigen Verfall auszusetzen und sie so gewissermaßen als siechende Erinnerung zu behandeln. Man könnte einen noch größeren Zaun herumziehen und die Zeit daran nagen lassen. Abgesperrte Ruinen als Ausdruck von Abscheu vor der architektonischen Botschaft – zuletzt hat die Nürnberger ÖDP diesen alten Vorschlag des ehemaligen Kulturreferenten Hermann Glaser wieder aufgewärmt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen? Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Startseite  ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Gehen Sie trotz Krise zum Volksfest? Mit Ja antworteten 66,8 Prozent, mit Nein 33,2 Prozent.