Nürnberger Giraffenbulle Leon tot

Turbulente Zeiten im Nürnberger Tiergarten: Gerade wurde der junge Nashornbulle Sanjai an den Zoo von Edinburgh abgegeben, kurz darauf ist der knapp zehn Jahre alte Giraffenbulle Leon (Foto: Tiergarten Nürnberg) gestorben. Die Tierpfleger haben ihn zu Dienstbeginn tot im Stall gefunden, die  Tierärzte konnten nur noch seinen Tod bestätigen. Mit Leon, der im August 2009 in der Stuttgarter Wilhelma das Licht der Welt erblickte und im Mai 2012 von dort an den Schmausenbuck kam, hatte der Tiergarten kein Glück. Der Giraffenbulle soll an einem Hoden-Hochstand leiden und konnte deshalb nicht für Nachwuchs sorgen, obwohl er zeitweise mit drei Weibchen zusammenlebte, von denen zuvor zwei erfolgreich Jungtiere aufgezogen hatten.
Außerdem litt Leon seit Jahren an Huf- und Verdauungsproblemen, und in der jüngeren Vergangenheit auch noch an Bewegungsstörungen und Hautveränderungen, deren Ursachen nicht ermittelt werden konnten. Leon wird nun von Pathologen untersucht. Weil es Leon in den letzten Wochen immer schlechter ging, hat die Tiergartenleitung wohl schon damit gerechnet, dass er nicht mehr lange leben würde, und deshalb das Europäische Arterhaltungsprogramm (EEP) um die Übernahme eines anderen Weibchens gebeten, damit die Nürnberger Giraffe Lubaya nicht zu lange alleine im Giraffenhaus bleiben muss.

Sanjai wird jetzt Schotte

 
Er war doch gerade erst noch so ein süßes Nashörnchen – kaum zu glauben, dass Sanjai nun schon zwei Jahre alt ist und langsam erwachsen wird. Und da ist es bei Nashörnern nicht viel anders als bei Menschen: Immer öfter hatte der Panzernashorn-Jungbulle in letzter Zeit Zoff mit seiner Mutter Sofie. Das ist in diesem Alter völlig normal, aber es ist auch der Zeitpunkt, an dem man Mutter und Nachwuchs trennen muss. Deshalb hat Sanjai jetzt den Tiergarten Nürnberg verlassen. Nach zweitägiger Reise ist er in seinem neuen Zuhause angekommen: im Zoo von Edinburgh, wohin er im Rahmen des Europäischen Arterhaltungsprogramms (EEP) vermittelt wurde. Alle Beteiligten sind froh, dass der Transport gut über die Bühne gegangen ist. Der drohende Brexit bringt für die Zoologischen Gärten auf dem europäischen Kontinent und die in Großbritannien viele Unsicherheiten mit sich, so dass die Zoos anstehende Tiertransporte möglichst noch vor Ende März durchführen. Vorher musste Sanjai noch eine Reihe von tiermedizinischen Untersuchungen über sich ergehen lassen, zum Beispiel einen Tuberkulose-Test, außerdem parasitologische und bakteriologische Kotuntersuchungen.
Zwei Gabelstabler waren nötig, um die 1,7 Tonnen schwere Transportkiste mit dem 985 Kilo wiegenden Sanjai in einen Lastwagen zu hieven. Die Wilhelma Stuttgart hatte dem Tiergarten Nürnberg eine geeignete Kiste geliehen, eine holländische Firma übernahm den Transport. Sanjai musste nicht sehr lange für den Transport trainiert werden – er stieg anstandslos vom Stall in die Kiste, nachdem er seit eineinhalb Wochen vorher einmal täglich in der Kiste sein Futter bekam. Zwei seiner Pfleger fuhren in einem Begleitauto nach Edinburgh mit, damit Sanjai auch unterwegs bei Bedarf Bezugspersonen hatte, die er kennt und denen er vertraut. 

Mops-Dame Edda, Teil 2

Darf eine Kommune ein Haustier einfach pfänden und dann im Internet verticken? Vor knapp drei Wochen habe ich hier schon über das Schicksal einer Mops-Dame namens Edda beziehungsweise Wilma geschrieben (Foto: dpa). Jetzt ist das Rechtsgutachten – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: ein Rechtsgutachten für einen Mops! – fertig, das die Stadt Ahlen in Auftrag gegeben hatte. Demnach hat es die Stadt nun schwarz auf weiß (und das auf 19 Seiten!), dass sie Edda pfänden und im Internet verkaufen durfte. Meiner Meinung nach ist das eine tierverachtende Haltung, weil hier ein Lebewesen rechtlich wie eine Sache behandelt wird.

Der Inhalt des Gutachtens ist zum Teil wirklich hanebüchen. Ein dreiköpfiges Team einer Anwaltskanzlei hat dafür den Fall rekonstruiert und kommt zu dem Ergebnis: Die Mops-Pfändung war zulässig, weil sich Eddas Frauchen hartnäckig geweigert habe, ihre Schulden zu bezahlen. Stattdessen kaufte sie Edda für teures Geld – angeblich für 2400 Euro. Die Anwälte bezweifeln auch, dass eine starke emotionale Bindung der Hundebesitzerin zu dem Mops bestanden habe; schließlich habe sie nicht einmal versucht, Edda zurückzubekommen.

Auf die Stadt Ahlen könnte wegen des juristischen Aufwands indessen einiges an Kosten zukommen. Noch steht nämlich die Rechnung der Anwälte aus. Und Eddas neues Frauchen, die den Namen der Mops-Dame in Wilma umänderte, hat Klage gegen die Stadt eingereicht. Die Frau verlangt den Kaufpreis von 690 Euro zurück und möchte außerdem Geld für die Tierarztkosten. Diese Forderungen soll nun dieselbe Anwaltskanzlei juristisch prüfen, die schon das Gutachten erstellt hat.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es in der ganzen Geschichte zu vermelden: Edda/Wilma hat inzwischen ihre Augenoperation gut überstanden.

Ein Tag für Papageienfreunde

Am nächsten Samstag kommen Papageienfreunde im Tiergarten Nürnberg voll auf ihre Kosten: Dort findet von 9 bis 16 Uhr in der „Waldschänke“ der vierte Nürnberger Papageientag statt (Foto: Harald Hofmann). Die Veranstaltung ist für Papageienbesitzer gedacht, es geht dabei um Fragen der Papageienhaltung und des Trainings von Papageien, außerdem um die richtige Ernährung, das Fortpflanzungsverhalten dieser beliebten Vögel und um den Artenschutz. Das Ganze läuft in Form eines Seminars ab, für das noch Restplätze vorhanden sind. Die Kosten betragen inklusive Tiergarteneintritt 59 Euro. Weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist, muss man sich anmelden; das ist hier möglich. Der Erlös der Veranstaltung fließt als Spende in Artenschutzprojekte

Rede und Antwort stehen an diesem Tag die Verhaltenstierärztin Daniela Zurr, René Wüst von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), Gerd Britsch von der Vogel- und Reptilienpraxis Karlsruhe, Jürgen Hirt, Mitarbeiter beim Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz (BNA), Fritz Karbe von der Exotenpraxis Nürnberg und Hermann Kempf von der Exotenpraxis Augsburg.

Desari – eine wahre Himmelsstürmerin

Dieses Bild mit dem Luchsweibchen Desari  im Nürnberger Tiergarten sieht auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär aus (Foto: Tiergarten Nürnberg). Aber es war gar nicht einfach, die Luchsdame vor die Kamera zu bekommen, denn Desari sitzt sehr hoch oben in einem Baumwipfel – gut getarnt, und für die Besucher nicht ganz leicht zu entdecken. Man muss schon den Kopf in den Nacken legen und geduldig die Baumkronen absuchen. Was jetzt, ohne Laub, noch möglich ist. In ein paar Wochen wird es dann schon sehr schwierig, die Raubkatzen im Blätterdach ihres Geheges aufzuspüren.

Luchse sind eben sehr gute Kletterer, und es ist nicht so, dass sie sich im Tiergarten vor den Besuchern verstecken würden. Vielmehr gelten sie auch im Freiland als wahre Himmelsstürmer. Sie sind selbst in luftiger Höhe so gewandt und sicher, dass sie manchmal sogar in hochgelegenen Astgabeln schlafen. Vor Desari und ihrem Zwillingsbruder Dayon lebten im Tiergarten  drei Weibchen, die es vorzogen, unten am Boden zu bleiben. Die reine Frauengruppe wurde im Herbst vergangenen Jahres an das „Centro Fauna Selvatica Il Pettirosso“ bei Modena (Italien) abgegeben. Kurz darauf zogen Desari und Dayon am Schmausenbuck ein; das knapp zwei Jahre alte Zwillingspaar stammt aus dem tschechischen Zoo Liberec.

Alpenschwein gehabt: acht Ferkel!

Da lohnt sich wirklich mal ein Blick von Nürnberg in die Schweiz, genauer gesagt in den Natur- und Tierpark Goldau (etwa 50 Kilometer von Zürich entfernt). Denn dort haben die beiden Schwarzen Alpenschweine Vreni und Gusti zum ersten Mal seit 40 Jahren für Nachwuchs dieser Art gesorgt (Foto: Fabrizio Vignali/Natur- und Tierpark Goldau/dpa). Sau Vreni hat im Februar gleich acht Junge geboren! Vreni und Gusti sind erst im Herbst vergangenen Jahres in den Tierpark gekommen, umso erfreulicher ist der schnelle Zuchterfolg.

Auch wenn die Rasse „Schwarze Alpenschweine“ heißt, sind nur drei der acht Ferkel von Vreni sind so schwarz wie ihre Eltern. Die übrigen fünf zeigen eine unterschiedliche Färbung: braun gestreift oder hell und mit dunklen Tupfen. Das Besondere an Schwarzen Alpenschweinen sind ihre im Vergleich zu anderen Schweinen langen Beine, die sie im hohen Gras der Bergweiden in den Schweizer Alpen natürlich gut gebrauchen können. Lange Zeit hielt man Schwarze Alpenschweine in der Schweiz für ausgestorben. Es ist nur einem Zufall zu verdanken, dass vor ein paar Jahren auf einem italienischen Lehr-Bauernhof Tiere dieser Rasse gehalten wurden und dort als solche erkannt wurden. Danach stieß man noch auf einige weitere Exemplare, so dass eine Zucht aufgebaut werden konnte. Und das nicht nur in Goldau, sondern auch auch an drei weiteren Orten in der Schweiz – ein wunderbarer Beitrag zur Artenvielfalt!

Ein Leben ohne Mops…

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Nach diesem Motto leben immer mehr Menschen – der Mops ist zum Mode-Hund avanciert. Wohl auch deshalb sorgt das Schicksal von Mops-Dame Edda aus Ahlen in diesen Tagen für internationale Schlagzeilen – eine schier unglaubliche Geschichte!

Die etwa eineinhalbjährige Edda wurde gepfändet, weil ihre Besitzer hohe Schulden bei der Stadt haben. Ein Mitarbeiter der Kommune wollte den Hund dann über seinen privaten Ebay-Account für 750 Euro verkaufen: als gesunden Mops inklusive Stammbaum. Auf diesem Weg erfuhr auch Eddas Züchterin, dass die Mops-Dame verhökert werden sollte. Doch die erkannte die Hündin wegen ihrer Augenerkrankung auf dem Foto wieder. Sie hat angeblich dem städtischen Mitarbeiter 500 Euro für Edda geboten, aber der soll 2000 Euro verlangt haben. Gekauft hat den Hund schließlich eine Frau aus der Nähe von Wuppertal. Sie will die Stadt Ahlen jetzt wegen arglistiger Täuschung verklagen, sie möchte auch den Kaufpreis zurück und verlangt eine Kostenerstattung für die Behandlung der Mops-Dame. Denn die Hündin – die von ihrem neuen Frauchen Wilma genannt wird – musste sich mehreren teuren Augen-Operationen unterziehen.

Der Stadtkämmerer von Ahlen sagt laut Medienberichten, dass die Stadt etwas weniger als die auf Ebay angegebenen 750 Euro Verhandlungsbasis für den Hund bekommen habe. Das Geld sei in die Stadtkasse geflossen. Er beharrt außerdem darauf, dass die Pfändung der Mops-Dame völlig legal gewesen sei. Die Stadt Ahlen hat ihrerseits eine Versicherung und einen Anwalt eingeschaltet, die prüfen sollen, ob das Tier zum Zeitpunkt des Verkaufs krank war und ob Regressansprüche bestehen. Auch der Frage, ob Edda zu einem günstigeren Preis hätte behandelt werden können, geht die Kommune nach.

Meiner Meinung nach völlig zu Recht lehnen Tierschützer den Handel mit Tieren über Internet-Plattformen ab, weil auf diese Weise Lebewesen zu Waren degradiert werden. Was die Pfändung von Edda angeht, sind Juristen der Ansicht, dass so etwas bei wertvollen Tieren rechtlich zwar möglich sei. Doch in diesem Fall habe die Stadt Ahlen unverhältnismäßig gehandelt, weil es um einen Hund gehe, der einer Familie mit Kinder gehöre. Ich denke auch, dass in diesem Fall mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde.

Achtung, Dackel!

Er ist ein Hund mit Charakter, um nicht zu sagen, mit Eigensinn, und er ordnet sich gar nicht gern unter: der Dackel (Foto: Horst Linke). München gilt – spätestens seit dort im Jahr 1972 die Olympischen Spiele ausgetragen wurden – als Dackel-Hochburg. War doch der „Waldi“ in Pop-Farben das Maskottchen der Spiele in der „Weltstadt mit Herz“. Doch die Beliebtheit des Kurzbeiners in der bayerischen Landeshauptstadt geht viel weiter zurück. Das zeigt nun die Ausstellung „Vorsicht! Dackel“ , die sich mit der Kulturgeschichte des Münchner Dackels beschäftigt. Sie läuft ab 1. März im „Valentin-Karlstadt-Musäum“ in München (bis 21. Mai). Zu sehen sind rund 150 Ausstellungsstücke: Karikaturen und Fotos, aber auch jede Menge Kuriositäten: beispielsweise ein Brotzeitmesser in Dackelform – und der eingangs erwähnte Olympia-„Waldi“ darf natürlich auch nicht fehlen.

Seine Entwicklung zur Kultfigur hat der Dackel der humoristischen Wochenzeitschrift „Fliegende Blätter“ zu verdanken, die der Verlag Braun und Schneider im Jahr 1845 zum ersten Mal herausgab. Auf vielen Karikaturen der Zeitschrift steht der humorige Dackel im Mittelpunkt. Am 17. März findet, quasi als Begleitprogramm zur Dackel-Ausstellung, eine Dackelparade statt: Sie soll am 17. März ab 14 Uhr am Deutschen Museum starten und zum „Musäum“ im Isartor führen. Erwartet wird eine stattliche Anzahl von Dackeln mit ihren Herrchen und Frauchen: Nach den Informationen der Ausstellungsmacher leben rund 600 Dackel in München.

„Wooferendum“ gegen den Brexit

Das finde ich mal wirklich originell: Mit einem „Wooferendum“ wollen Hundehalter mit ihren Tieren in London gegen den EU-Austritt des Landes demonstrieren. Unter dem Motto: „Brexit is a dog’s dinner“ (auf Deutsch etwa: Der Brexit ist ein Schlamassel) sollen die Hunde am kommenden Sonntag vor dem britischen Parlament eine Mahlzeit serviert bekommen. Die Organisatoren streben ein zweites Brexit-Referendum an. Die Hunde stehen nach ihren Vorstellungen für Millionen von Menschen in Großbritannien, denen gesagt wurde, dass ihre Stimme nicht zähle. Für die Demonstration soll auch ein Hunde-Pissoir mit Fotos der Brexit-Befürworter Nigel Farage und Boris Johnson aufgestellt werden. Die Vierbeiner werden also das tun, was wohl auch ihre Herrchen am allerliebsten täten: auf die beiden Politiker pissen.

Es ist nicht die erste Protestaktion dieser Art: Schon im Herbst letzten Jahres war eine beeindruckende Menge von Hundehaltern mit ihren Tieren in der Londoner Innenstadt auf die Straße gegangen (Foto: dpa). Gründer der „Wooferendum“-Initiative ist Daniel Elkan. Er und seine Mitstreiter befürchten, der für Ende März geplante Austritt Großbritanniens aus der EU könnte dazu führen, dass Tierärzte abwandern, außerdem könnten die Preise für Tierfutter steigen. Auch das Reisen mit Haustieren würde durch den Brexit schwieriger.

 

Experte zur Kampagne „Silent Forest“

Ich habe ja vor ein paar Wochen schon darüber geschrieben, dass auch der Tiergarten Nürnberg an der Artenschutzkampagne „Silent Forest“ des Europäischen Zooverbands (EAZA) teilnimmt. Passend zu diesem Thema gibt es demnächst einen Vortrag, und zwar von Simon Bruslund, dem Vogelkurator des Heidelberger Zoos. Er spricht am Donnerstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über den Rückgang der Singvögel im südostasiatischen Tropenwald.

Das dürfte ein äußerst interessanter Abend werden, denn Brusland will sowohl auf die problematische Situation der tropischen Singvögel in Südostasien eingehen, als auch die betroffenen Vogelarten vorstellen und mögliche Gegenmaßnahmen nennen, die Zoos ergreifen können. Der Vogelexperte wird außerdem erklären, wie derzeitige Schutzprojekte die Wissenschaftler dauerhaft beim Schutz verschiedener bedrohter Vogelarten unterstützen, etwa des oben abgebildeten, stark gefährdeten Bali-Stars (Foto: dpa). Außerdem wird Bruslund die Arbeit des europäischen Zooverbands erläutern und auf dessen Artenschutzkampagnen und politische Einflussnahme innerhalb und außerhalb Europas eingehen. In Asien selbst wird durch verschiedene Bildungsangebote bei den dortigen Zoobesuchern ebenfalls Interesse für das Thema geweckt.

Der Nürnberger Tiergarten wird, um auf die Silent-Forest-Kampagne optisch aufmerksam zu machen, bis Ende Februar unter dem Vordach des Delfinariums einen „Vogelmarkt“ aufbauen.