Eisbärenbabys tot – Gedöns geht weiter

Zwei der Eisbärenbabys im Tiergarten sind tot – offenbar von ihrer eigenen Mutter, „Vilma“,  getötet und aufgefressen. „Wahrscheinlich waren die Jungen krank“, mutmaßt die Tiergartenleitung. Denn bei Raubtieren in freier Natur kommt es häufig vor, dass Mütter ihren Nachwuchs auffressen, wenn die Jungtiere nicht in Ordnung sind. Trotzdem bleibt es eine traurige Nachricht, und der Tiergarten ist bei verschiedenen Tierschutz-Organisationen jetzt noch mehr in die Kritik geraten. Und natürlich hätten sich alle gefreut, wenn gesunde Eisbärenbabys viele Besucher angelockt hätten.

„Knut“ ist schuld: Fast die ganze Welt nahm Anteil an seinem Schicksal, die Medien standen Kopf. Dass der Hype um „Knut“ nun in Nürnberg seine Fortsetzung nehmen würde, damit haben die Verantwortlichen am Schmausenbuck nicht gerechnet. Das war wohl etwas naiv, wie sie inzwischen auch einsehen.

Doch das ist meiner Meinung nach der einzige Vorwurf, den man der Zooleitung machen kann. Sie hat an das angeknüpft, was seit den achtziger Jahren in europäischen Zoos Praxis ist: Bei Eisbären setzt man auf eine natürliche Aufzucht. Nur in Notfällen – wie in Berlin, wo Eisbärmama „Tosca“ sich von Anfang an auffällig verhielt – weicht man davon ab und entschließt sich zur Handaufzucht.

In Nürnberg dagegen sah es einige Wochen lang so aus, als würden sich die beiden Eisbärinnen „Vilma“ und „Vera“, obwohl sie erstmals Nachwuchs haben, souverän um ihre Kleinen kümmern. Selbst bei „Vera“, die mit ihren häufigen Aufenthalten außerhalb der Wurfhöhle für ein wenig Beunruhigung sorgte, waren nach wie vor Laute des oder der Babys aus der Höhle zu hören. Auch heute zeigte sich wieder ein Kleines ganz wohlauf am Höhleneingang.

Warum hätte man also eingreifen sollen? Weil ein paar Zeitungen ihre Auflage zu steigern versuchen, indem sie auf die Tränendrüse drücken, sich herzergreifend als Eisbären-Retter aufspielen und fordern, die Eisbärenbabys nicht sterben zu lassen? Seit „Knut“ hält sich jeder für einen Fachmann in Sachen Eisbär – das ist das Problem.

Eisbären sind keine süßen Knuddeltiere, sondern Raubtiere, die auch in der Natur manchnal ihre Jungen töten oder fressen. Eisbärinnen verhalten sich oft erst bei ihrem zweiten Nachwuchs wie vorbildliche Mütter. Aber Eisbärinnen, die einst selbst von Hand aufgezogen wurden, hatten bisher fast immer Probleme mit der Nachzucht. Und ob „Knut“ sich zu einem normalen Eisbären entwickeln wird, vermag bislang noch niemand zu sagen.

3 Kommentare in “Eisbärenbabys tot – Gedöns geht weiter

  1. Kompliment für Ihre intelligente, kompetente und auch sehr einfühlsame Beurteilung der ganz normalen Vorgänge im Tiergarten Nürnberg. Ich fühle mich – als Namensvetter des berühmten Berliners – zwar nicht unbedingt berufen, mich zu dem Thema zu äußern. Trotzdem sind viele, die sich mit der professionellen Aufzucht von wilden Tieren beschäftigen, der Meinung, dass die Verantwortlichen in Nürnberg gar nicht anders handeln konnten und können.
    Hoffen wir, dass die zweite Nürnberger Eisbärdame mit ihrem Nachwuchs mehr Glück hat. Und dass man diesen dann nicht so tauft, wie ich noch heiße: mein zweiter Name ist nämlich Emil !

  2. Den heutigen Bericht ( 09.01.) der NZ über die Eisbärin Vera und die
    Bergung von Ihrem Jungen aufgrund eines unsensiblen
    Kammeramanns habe ich mit Unverständnis gelesen. Dieser Herr sollte mit Name, Bild und Sender bekannt gemacht werden.
    Ferner wäre es angebracht, dass er wegen seines unverantwortlichen Verhaltens nicht nur für den Tiergarten Nürnberg, sondern für alle Zoos in Deutschland Hausverbot erhält.

  3. Ich habe mit viel Interesse verfolgt, dass es in unserem Tiergarten in Nürnberg nun „Knuts“ gibt….

    Nur, ist es richtig auf alles was klein, weiss und knuddelig erscheint einen mittlerweile weltweiten HYPE zu machen??? Im Nürnberger Tiergatern gibt es seit Jahren Nachwuchs bei allen Tieren. Die sind genauso süss und lieb. Ich bin zwar nur 1-2 mal im Jahr am Schmausenbuck, aber ich liebe den Tiergarten wie er ist. Mit allen Tieren. Bitte, lasst das kleine Eisebärenmädchen in Ruhe groß werden und bitte keine Verhältnisse wie in Berlin.

    Hut ab vor dieser Leistung vor dern Berliner Verantwortlichen, aber muss das sein??? Sie haben das Leben des kleinen Knuts mit viel Geduld und Ausdauer gerettet. Und ich drücke den Verantwortlichen hier die Daumen, dass das ihnen hier auch gelingt. Aber bitte nicht jeden Tag im Fernsehen.

    Wie heißt es so schön: In der Ruhe liegt die Kraft!!! Und Ruhe brauchen die Kleine und die Pfleger im Tiergarten für diesen Kraftakt.

    Gebt ihnen alle Zeit der Welt. Des werd scho wer`n.

Kommentarfunktion geschlossen.