Wer will schon ein Eisbär sein?

Eisbren_.gifDag Encke sieht die Euphorie um Flocke ja durchaus mit einer gewissen Ironie. „Es hat ja schon etwas von Realsatire, wenn wir früh um acht Uhr bei Dunkelheit und Kälte einer großen Gruppe von Journalisten erzählen, wie viel die Kleine gefressen und geschissen hat“, meinte der Tiergarten-Chef kürzlich bei einer Pressekonferenz in Anspielung auf jene Szenen, die sich im Januar und Februar am Schmausenbuck abgespielt haben.

Einen Punkt hat Encke aber immer betont: Wenn der Trubel dazu beitrage, dass die Sensibilität der Menschen für die Bedrohung von Flockes Artgenossen in freier Wildbahn geschärft werde, sei viel gewonnen.

Der bayerische Liedermacher Hans-Jürgen Buchner, besser bekannt als „Haindling“, hat die Botschaft jedenfalls schon vernommen – er thematisiert in seinem neuen Song „Ich möchte kein Eisbär sein“ jedenfalls die Problematik, dass den weißen Riesen ihr natürlicher Lebensraum buchstäblich unterm Hintern wegschmilzt. „Doch de Pole de schmelzen / De schmelzn dahi / Und so is koa Plotz mehr / Für an Eisbär wia mi“, heißt es in dem Lied, in dem allerdings auch der Nürnberger Tiergarten ordentlich abgewatscht wird: „I mechat koa Eisbär sa / Im Nürnberger Zoo / I mecht a koa Eisbär sa / In Berlin oder anderswo“.

Immerhin, beklagt sich Haindlings Eisbär, hätte man im Tiergarten nie seine Ruhe, weil einen die Leute ständig anglotzen. Flocke scheint das allerdings nicht sonderlich zu stören…

Buchner dichtete für seinen Eisbären-Song ein Lied der Band „Grauzone“ um, die in den guten alten Zeiten der Neuen Deutschen Welle in den frühen 80er Jahren mit „Ich möchte ein Eisbär sein“ einen großen Erfolg feierte. Dieses Lied war weitaus sinnfreier, aber auch nicht ganz so depressiv wie der Song von Haindling. Der endet nämlich mit der düsteren Vorstellung, dass die Eisbären trotz Ökobotschafterin Flocke am Ende eben doch aussterben: „Wenn i amoi ausgstorbn bin / Wos i natürlich ned hoff / Dann sand no gnua Eisbärn da / Doch die sand leider nur aus Stoff“.