Deutschlands next Supermodel

Uralkauz.JPGDeutschlands next Supermodel – sitzt im Tiergarten in einer Voliere. Normalerweise stellt sich der kleine Uralkauz dort praktisch tot. Es haben sogar schon Besucher nachgefragt, ob es sich womöglich um ein künstliches Tier handelt, wenn er sich mal wieder stundenlang nicht bewegt hat.

Doch kaum rückten heute die Pressefotografen mit ihren Blitzlichtern an, ließ sich der sechs Wochen alte Kauz aus der Reserve locken. Sofort reckte er sich, schob seinen Kopf von einer Seite auf die andere und probierte mal eine durchaus eindrucksvolle Drohgebärde aus. Kurz gesagt: Er gab alles, um auf dem Foto möglichst vorteilhaft rüberzukommen. Ganz schön eitel, der Bursche (oder das Mädel? ist leider noch nicht bekannt).

Dass der flauschige Eulenvogel mit den wunderschönen Augen für eine Model-Karriere aber vielleicht doch nicht so gut geeignet ist, könnte an seinem Riesenappetit liegen: Kaum bekommt er ein paar tote Mäuse in die Voliere geworfen, zieht er sich mit seiner fetten Beute in ein ruhiges Eckchen zurück und genießt (siehe Foto). Drei bis vier Exemplare vertilgt er pro Tag – immerhin!

Der sechs Wochen alte Jungvogel muss aber auch groß und stark werden. Denn wenn er erst mal flügge ist, wird er nicht mehr lange in der Obhut seiner Eltern und des Tiergartens bleiben: Er soll im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert werden, wo seit 1975 ein Wiederansiedlungsprojekt für die Uralkäuze läuft. Mit Erfolg, wie erste Ergebnisse einer genetischen Untersuchung besagen: Die aus Deutschland, Österreich und Tschechien ausgewilderten Tiere kommen den vor über 100 Jahren im Bayerischen Wald ausgerotteten Blutlinien so nahe, dass sie und ihre Nachkommen nach heutigen strengen Maßgaben als „Original“ des Uralkauzes durchgehen können, der im Bayerwald einst heimisch war.

Der junge Kauz wird übrigens die Nummer zehn sein, die von Nürnberg in den Bayerischen Wald reist.