In der Arktis gibts kein Milchfläschchen

Kürzlich lief in der ARD eine Dokumentation über Eisbärenkinder in ihrem natürlichen Lebensraum, der Arktis. Wenn man im Kopf noch jene Bilder aus den ersten Monaten dieses Jahres hat, als Flocke in eine Babydecke gehüllt von „Maußi“ und Co. das Fläschchen bekommt und zufrieden gurrt, dann ist der Kontrast schon groß – der Film zeigte, wie hart das Leben für kleine Eisbären in ihrer unwirtlichen natürlichen Umgebung vom ersten Tag an ist.

Die Eisbärenmutter aus der Dokumentation hatte gleich dreifachen Nachwuchs; Drillinge sind bei Eisbären eher selten, und es ist schwierig,  alle drei durchzubringen. Deswegen ließ die Mutter das Recht des Stärkeren zu und half dem Kleinsten und Schwächsten ihrer Jungbären auch nicht, als ihn die beiden anderen immer von den Zitzen wegdrängten. Die Folge: Der Kleinste bekam zu wenig Milch und starb. 

Freilich beschützen Eisbärinnen ihren Nachwuchs bei Bedrohungen auch: Die Eisbärin half einem ihrer Kleinen aus einer Höhle, in die er gefallen war, heraus; und eine andere Eisbärenmutter verscheuchte einen Artgenossen, der sich ihr und ihrem Nachwuchs bedrohlich näherte. Ihre beiden Jungen versteckten sich dabei förmlich hinter ihr – dabei waren die beiden Brüder schon zwei Jahre alt und fast genauso groß wie die Mutter.

Es war jedenfalls eine spannende, leider nur 45-minütige  Dokumentation mit wunderbaren Nahaufnahmen – auch von Walrössern, Ringelrobben und Eishaien. Und der Film hat die Neugierde geweckt: Es wäre schon schön, wenn Tiergarten-Eisbärin Vera beim nächsten Mal  (vielleicht hat es ja wieder geklappt, als Felix im Februar ein Gastspiel gab) mehr Zeit mit ihrem Nachwuchs bliebe. Auch wenn wir dann auf die Bilder mit „Maußi“, dem Fläschchen und der Babydecke verzichten müssten.