Tier-Blog trotz Winnenden? Ja!!

Eine Nation unter Schock: Der Amoklauf von Winnenden beherrscht seit Tagen die deutschen Medien. Ob Zeitungen, Fernsehen, Radio oder online-Ausgaben – der Rezipient kommt an dem Thema nicht vorbei. Logisch, ist ja auch eine Tragödie von einem Ausmaß, wie wir sie in Deutschland bisher kaum erlebt haben – Gott sei Dank! Sondersendungen oder Sonderausgaben von Zeitungen haben dem Rechnung getragen.

In solchen Tagen steht man mit einem Tier-Blog wie meinem da wie ein Exot. Soll man da überhaupt eine Zeile dafür schreiben, wenn alles sich nur um eines dreht: Winnenden? Interessiert sich in solchen Augenblicken irgendjemand noch für Tiere, wenn Menschen abgeschlachtet werden wie dieselben? Ist es nicht Zeitverschwendung, über einen Blog-Beitrag zu hirnen und ihn schließlich doch zu schreiben – wenn ihn hinterher sowieso keiner liest, weil es nur noch eines gibt: Winnenden und wieder Winnenden?

Also habe ich zunächst mal eine kurze Pause eingelegt. Habe mich auch auf allen Kanälen über Winnenden informiert, die Extra-Seiten in der Presse studiert oder dem „Zwitschern“ im Netz gelauscht (die Twitterer waren natürlich wieder mal besonders aktuell). Habe auch eine harsche Kritik von Kollegen in „faz.net“ gelesen, die hart mit dem deutschen Fernsehen ins Gericht gehen – unter anderem, weil es ein Sender gewagt hat, eine Tier-Doku-Soap zu bringen, während doch eigentlich Winnenden und sonst nichts unsere Republik hätte erschüttern dürfen. 

Über diesen Beitrag habe ich mich so geärgert, dass ich beschlossen habe, wieder ans Bloggen über Tiere zu gehen. Der Autor dieses Beitrags fordert, dass alle über Winnenden berichten müssten und über nichts sonst. Die ARD wird abgewatscht, weil sie es gewagt hat, ein Skirennen (immerhin Weltcup!) zu übertragen.  Die Privaten, weil sie im Zustand kollektiver Trauer einen Werbeblog (oh Gott: Freund lässt tief Blicken, ich meine natürlich Werbeblock) starteten. Und der SWR hat es doch tatsächlich gewagt, besagte Tiersendung auszustrahlen, mit einem Beitrag über ein „Steinböcklein“ in der Stuttgarter Wilhelma.

Na und? Glücklicherweise herrscht bei uns immer noch Meinungsfreiheit. Wir haben – dem Himmel sei Dank – kein Staatsfernsehen. Bei der riesigen Medienvielfalt heutzutage haben die Journalisten die Möglichkeit, die Pflicht und das Recht trotz eines Vorfalls wie in Winnenden auch über andere Ereignisse rund um den Globus zu berichten. Und der Zuschauer, Zuhörer, Leser oder Nutzer hat ebenfalls die Wahlmöglichkeit sich aus dem Nachrichtenbrei das herauszupicken, was ihm genehm ist. Was, wenn er schon das Wort „Winnenden“ nicht mehr hören kann ob des teils unsäglichen Betroffenheitsjournalismus, vor dem wir uns in diesen Tagen kaum retten können? Was, wenn er einfach entspannen will und deshalb froh ist, wenn der SWR ihm Bilder eines Steinbockbabys zeigt?

Vielleicht freut sich der eine oder andere aus diesem Grund über meinen Tier-Blog. Ich verspreche hiermit: Es war das erste und letzte Mal, dass ich hier über Winnenden schreibe – wo doch in diesen Tagen das Seekuh-Baby im Nürnberger Tiergarten  weiterhin ums Überleben kämpfen muss!