"Bambi" im Nürnberger Tiergarten

Hunderte von Journalisten kamen, als vor etwas über einem Jahr Eisbär-Baby „Flocke“ im Nürnberger Tiergarten der Weltpresse präsentiert wurde. Vier Journalisten kamen, als am vergangenen Donnerstag im selben Zoo ein kleiner Prinz-Alfred-Hirsch vorgestellt wurde.

Dabei ist das Kitz ein wirklich niedliches Tierkind und weckt sofort Assoziationen zu Walt Disneys „Bambi“. Die Fotos, die Fotograf Roland Fengler für die „Nürnberger Zeitung“ und mein Blog gemacht hat, beweisen es.

Die Presse hätte aber auch aus einem anderen Grund Anlass genug gehabt, zu diesem Tiergarten-Termin zu erscheinen: Prinz-Alfred-Hirsche gehören zu den am meisten bedrohten Tierarten auf der Welt. Ähnlich wie bei den Przewalski-Pferden ist es nur der Mithilfe von Zoos zu verdanken, dass sie noch nicht ausgestorben sind, wie man Anfang der 1980er Jahre bereits befürchtet hatte. Mit ganz wenigen Exemplaren hat die „Stiftung Artenschutz“ auf zwei philippinischen Inseln den Bestand sozusagen in allerletzter Minute retten können. Mittlerweile ist die Population in Menschenobhut auf rund 150 Tiere angewachsen.

Der Tiergarten hält erst seit kurzem eine kleine Gruppe von Prinz-Alfred-Hirschen, die aus Wien nach Nürnberg umgesiedelt wurde. Die ursprünglich fünf Tiere haben nun Zuwachs bekommen – ob es sich bei dem Kitz um Männchen oder Weibchen handelt, weiß man noch nicht. Das Kleine ist wie seine ganze Familie sehr scheu, und man muss sich dem Gehege vorsichtig nähern, damit sich die Hirsche nicht verstecken.

Den Namen „Prinz-Alfred-Hirsch“ haben die seltene, grazilen Tiere nach dem Sohn der britischen Königen Victoria erhalten. Seit Tausenden von Jahren leben sie auf den Zentral-Visayas-Inseln mitten im philippinischen Archipel. Dass sie dort jetzt trotz der bestürzenden Prognose vor etwas mehr als einem Vierteljahrhundert weiter existieren können, grenzt fast an ein Wunder. Ein Wunder, das auch dem berühmten Geburtstagskind dieser Tage, Bernhard Grzimek, als einem der Pioniere des Tierschutzes mit zu verdanken ist.

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