Die armen Zoo-Tiere!

Was hat ein Architekturfotografie-Preis mit dem Thema Zoologische Gärten zu tun? – Einiges, wie mich das Nürnberger Künstlerpaar Sabine Freudenberger/Waldemar Bachmeier hat wissen lassen, das mein Blog offenbar gern liest. Freut mich!

Die beiden haben an dem Wettbewerb mit einer Fotoserie teilgenommen, auf der architektonische Bausünden in deutschen Zoos zu sehen sind. Das diesjährige Thema des alle zwei Jahre ausgelobten Europäischen Architekturfotografie-Preises hieß „Neue Heimat – New Homeland“. Zu dem international renommierten Wettbewerb wurden Arbeiten aus 16 Ländern eingereicht, und die Jury hat drei Preise vergeben und vier Empfehlungen ausgesprochen.

Eine dieser Empfehlungen betrifft die Fotografin Sabine Freudenberger und den Künstler Waldmar Bachmeier, die es damit unter die Besten geschafft haben. Die beiden haben das Projekt gemeinsam realisiert. Die Aufnahmen-Serie haben sie „Neue Heimat für Exoten“ genannt.

Das Foto links bildet das Eisbären-Gehege im Tierpark Hellabrunn (München) ab. Ein wahrlich trauriges Beispiel für Bauten in Zoos, die nur aus Beton und Glas zu bestehen scheinen! Auf dem zweiten Foto, ebenfalls im Tierpark Hellabrunn aufgenommen, ist das dortige Gehege der Lemuren zu sehen. Ich glaube kaum, dass diese Affen sich dort besonders wohlfühlen. Die Perspektive, aus der beide Fotos aufgenommen wurde, zeigt auch sehr schön, wie gleichförmig-langweilig beide Anlagen geplant wurden. Sie sind aber nicht nur tier-, sondern auch besucherunfreundlich. Denn wer bleibt schon gern auf hartem Beton oder Pflastersteinen länger stehen, um Tiere zu beobachten? – Ich jedenfalls nicht!! Da haben sich irgendwelche Architekten der siebziger Jahre offenbar selbst ein Denkmal setzen wollen.

Aber auch die Stuttgarter „Wilhelma“ kriegt bei Freudenberger/Bachmeier ihr Fett weg. Das Foto links entstand in der Elefanten-Anlage dieses renommierten Zoologischen Gartens, ebenso wie das Bild rechts unten. Beide Fotos drücken ohne Worte die ganze Trostlosigkeit aus, die schlecht gestaltete Tiergehege immer vermitteln. – Natürlich wurde die Auswahl dieser Tiergehege von den Künstlern bewusst getroffen. Beiden ist es durchaus klar, dass es in Zoos – auch in München und Stuttgart – jede Menge positiver Beispiele von Tierhäusern gibt, die den Ansprüchen einer modernen Tierhaltung genügen. Die Zoos arbeiten daran, die für Tiere ungeeigneten und für Besucher unattraktiven Anlagen umzubauen oder durch neue zu ersetzen. Doch dafür fehlt es, wie so oft im Leben, am nötigen Geld.

Sämtliche prämierte Fotoserien sind auch hier zu finden.

1 Kommentar in “Die armen Zoo-Tiere!

  1. Tja, die Ästhetik der 1970er Jahre… Damals wurden auch alte Häuser renoviert, indem man Stuck und andere Verzierungen entfernte – so entstand eine „schöne glatte Fassade“, die damals gefiel. Heute rauft man sich die Haare und klebt künstlichen Stuck an! 😉

    Unter manchen Bausünden leiden die Zootiere vielleicht heute weniger als die Besucher, weil die Zoos oft das beste draus machen. Da werden zu kleine Käfige zusammengelegt oder Betonzellen wie oben dann doch recht tiergerecht eingerichtet. Dass die Wände aus Waschbeton sind und die Besucher in U-Bahn-artigen Hallen herumlaufen, ist dem Tier vielleicht egal. Manches funktioniert aber nur bedingt. In Köln haben wir am Lemuren-Haus Käfigkugeln als Außengehege, die man sicher mal enorm chic fand. Auch die Inneneinrichtung war komplett aus Metall, hauptsächlich kleine Plattformen, auf denen die Tiere dann sitzen sollten. Heute nutzt man die Dinger immer noch, sie sind stärker bepflanzt als damals und vor allem wurden überall Kletterseile gespannt. Aber so richtig gut angenommen werden diese Käfige nicht.

    Trotzdem: Ich erinnere mich noch gut, dass ich mir in den 80er Jahren mal geschworen habe, nie wieder in den Zoo zu gehen, weil die Tierhaltung damals so grausam war. Seither hat sich wirklich unglaublich viel getan! Im Fernsehen sieht man manchmal Zoos aus Osteuropa, da sieht man erst, wie gut es Zootiere bei uns heute haben.

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