Handaufzuchten – und gar nicht verhaltensgestört

Handaufzuchten in Zoos, das ist so eine Sache, für die sich die Verantwortlichen häufig Kritik einhandeln: Es sei unnatürlich, man würde die Tierbabys voll auf den Menschen konditionieren, und wenn die Tiere einmal erwachsen seien, dann hätten sie bestimmt Verhaltensstörungen und -defizite. So wird von den Gegnern argumentiert.

Immer wieder gelingt es Zoologischen Gärten aber, das Gegenteil zu beweisen, wie jetzt wieder dem Tiergarten Nürnberg mit seinen Andenkondoren. Da hat man zwei Handaufzuchten miteinader verpaart: ein Kondorweibchen aus Nürnberg mit einem Männchen aus dem Berliner Zoo. Beide haben nun zum ersten Mal Nachwuchs. Und als hätten sie nie etwas anderes gemacht, beherrschen die Kondoreltern das Brutgeschäft sozusagen aus dem Effeff. Ohne dass die Tierpfleger irgendwie eingreifen mussten, schlüpfte das Küken – ein Weibchen – am 23. Mai aus dem Ei und wird von seinen Eltern vorbildlich versorgt.

Vor ein paar Tagen hatte der Zoo am Schmausenbuck schon die erste natürliche Aufzucht bei Pelikanen vermelden können: Pelikan-Eltern, die selbst von Pflegern aufgezogen wurden,  erledigen jetzt alles rund um den Nachwuchs allein, ohne dass sich Menschen einmischen – und auch da klappt es.

Weil sowohl Anenkondore als auch Pelikane ins Europäische Erhaltungszucht-Programm (EEP) eingebunden sind, geht man bei beiden Vogelarten aber auf Nummer sicher und lässt – parallel zur natürlichen Aufzucht – Pelikan- und Kondoreier im Brutapparat ausbrüten und die Küken von Hand aufziehen. Bei dem zweiten, alten Kondorpaar ist das auch deshalb notwendig, weil es zwar vor 25 Jahren seinen ersten Nachwuchs erfolgreich aufgezogen hat, später aber das Männchen und das Weibchen sich so sehr um das Brutgeschäft gestritten haben, dass man ihnen die Eier aus Sicherheitsgründen wegnahm, künstlich ausbrüten ließ und die Aufzucht der Jungen in die Obhut von Tierpflegern übergeben hat.