"Die Bucht": Jagd auf Delfine liefert Diskussionsstoff

Schon bevor der Film bei uns überhaupt angelaufen ist, löst er heftige Diskussionen aus. In allen möglichen Fernsehsendern und im Internet wurde eifrig und umfangreich vorberichtet: „Die Bucht“ („The Cove“) von Louie Psihoyos und Ric O`Barry ist ein Öko-Thriller, der grausame, blutrünstige Bilder zeigt von der traditionellen Treibjagd auf Delfine in Taiji (Japan). Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Film klagt nicht nur das grausige Abschlachten der Tiere an. Er rechnet auch mit denen ab, die nach Ansicht der Macher verantwortlich sind für das Riesengeschäft, das weltweit mit Delfinen, Delfin-Shows und Delfinarien läuft.

Ric O`Barry hat in den 60er Jahren die Delfine für die Serie „Flipper“ trainiert. Seitdem gehören Delfine auf der ganzen Welt zu den meistgeliebten Tieren. Später distanzierte sich O`Barry davon. Er engagiert sich seit Jahrzehnten gegen den Delfinfang und die Geschäftemacherei mit Delfinen. Auch in dem Film „Die Bucht“, der das Thema mit den Mitteln eines Thrillers spannend inszeniert.

Die Frage ist aber, ob der Film die Delfinarien nicht zu pauschal über einen Kamm schert. Seriöse Delfinarien, die in Zoos betrieben werden, halten keinen einzigen Delfin, der aus solchen Treibjagden stammt. Diese Zoos verurteilen die Delfin-Treibjagden ebenso wie der Film. Viele betreuen Artenschutz-Projekte für Meeressäuger in verschiedenen Regionen der Welt. „Wir lassen uns ungern mit einem Delfinarium vergleichen, das einfach nur ein paar Tiere für Touristen in einen Pool schmeißt“, sagt der Direktor des Nürnberger Tiergartens, Dag Encke. Nach den Ankündigungen, die vorab über „Die Bucht“ liefen, meint er, die Vorwürfe gegen Delfinarien seien zu undifferenziert.

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3 Kommentare in “"Die Bucht": Jagd auf Delfine liefert Diskussionsstoff

  1. Ich finde dieses Abschlachten von Delphinen und Walen im Meer blutrünstig und brutal. Das will ich im Kino gar nicht sehen. Man müßte das verbieten. Aber wer ist dafür zuständig?

  2. Es ist leicht vorstellbar, dass der Fang von lebenden Delphinen für die Delphinarien-Industrie der eigentliche Anreiz für die Delphin-Treibjagd und auch für Wildfänge in anderen Regionen ist.

    Die Begrenzung des Lebensraums ist für die Delpine das grösste Leiden. Sie können in Gefangenschaft kein eigentliches Delphin-Leben führen und haben keine Möglichkeit, ihre Instinkte und Bedürfnisse auszuleben. So wird etwa in der Gefangenschaft mangels Rückzugsmöglichkeiten allein schon das Sozialgefüge des grossen Tümmlers stark durch männliche Tiere dominiert, wogegen sich wilde Delphine frei bewegen und geschlechts- und alterspezifisch verhalten können.

    Alles an der Gefangenschaft ist unnatürlich: Delphine leben in chemisch aufbereitetem Wasser, welches für Augen und Haut sehr schädlich sein kann, und erhalten tote Fische als Nahrung und Dressurmittel. Der tote Fisch ist für den Delphin zu Beginn nicht als Nahrung zu erkennen; im Gegenteil meidet er sie. Nicht selten ist Zwangsernährung mit einer Magensonde notwendig, um den Delphin am Leben zu erhalten, bis er sich an die Kost gewöhnt hat.

    Die Gefangenschaft verändert das Verhalten. Ursache hierzu bilden etwa Trennung vom natürlichen Habitat, gezwungene Untätigkeit, Langeweile, Reizarmut, Kontrolle durch Menschen, Verlust des natürlichen Sozialgefüges, Medikamente, Geburtenkontrolle, fremdes Umfeld und unnatürliche Diät. Das Echolot wird überflüssig; kein Sonnenlicht und keine Jahreszeit sorgt für Abwechslung. Geradeaus Schwimmen ist nicht mehr möglich. Lärm, Gerüche, Geräusche und die unnatürliche Nähe von fremden Tierarten und Menschen sind ungewohnt.

    Delphine sind durch Umweltgefahren, Überfischung, Unterwasserlärm aber auch durch den Fang für die Delphinarien-Industrie bereits arg unter Druck gekommen. Eines dieser Probleme könnte sofort gelöst werden. Dabei handelt es sich um den Fang von wilden Delphinen für das kurzfristige Vergnügen der Besucher von Delphinarien. Der Konsument hat die Macht dies zu stoppen mit dem Verzicht auf den Besuch von Delphinarien.

  3. Ich finde es sehr lobenswert, daß Ric O`Barry vom Saulus zum Paulus geworden ist, dennoch gebe ich Tiergarten-Direktor Dag Encke recht, der meint, daß die Vorwürfe gegen Delfinarien zu undifferenziert sind. Der Bau der neuen Lagune beweist doch, daß in der Tierhaltung ein Umdenken stattgefunden hat, ganz im Gegenteil zu den grausamen Delfinschlachtern; denen sollte man das Handwerk legen. Angeblich essen die Japaner so gerne Delfinfleisch, das ihnen aber nicht mehr so gut bekommt, weil die Delfine mehr und mehr mit Umweltgiften belastet sind. Da geht es doch schon los! Der Mensch vergiftet den Lebensraum von Delfinen und anderen Meeres-Lebewesen und spielt sich dann auf, wenn Delfine in Delfinarien gehalten werden. Die Aktion in Delfinkostümen geht am Grundübel total vorbei.

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