Unglücklich über den "Oscar"

urn:newsml:dpa.com:20090101:100226-99-03360Das war fast vorhersehbar: Der Film „Die Bucht“ hat den „Oscar“ für den besten Dokumentarfilm gewonnen. Der Streifen über das Delfin-Abschlachten in der japanischen Taiji-Bucht ist überall in den Kinos nach einer riesigen Werbekampagne angelaufen und hat – wie es beim Thema Delfine immer der Fall ist – große Emotionen und lebhafte Diskussionen ausgelöst.

Jetzt, nach der „Oscar“-Verleihung, steht das japanische Fischerdorf Taiji noch mehr im Mittelpunkt des Weltinteresses. Nicht unbedingt zur Freude der Einwohner: Sie fühlen sich als grausame Tierquäler an den Pranger gestellt. Dass die Delfinjagd und der Verzehr von Delfinfleisch zu den uralten Traditionen Japans und auch zur dortigen Kultur gehören, wird ihrer Meinung nach vernachlässigt.

Nach der Oscar-Verleihung stellte Regisseur Louie Psihoyos klar, dass er die Japaner nicht habe niedermachen wollen. Ja sogar als „Liebeserklärung“ an Japan sei sein Streifen zu verstehen – was ich persönlich nicht nachvollziehen kann.

In Japan ist pro Jahr die Jagd 19 000 Delfine gesetzlich erlaubt. Davon gehen 2000 auf das Konto der Fischer von Taiji, die ebenfalls gesetzeskonform handeln. Beim Film „Die Bucht“ waren nachts heimlich Kameras aufgestellt worden, um Aufnahmen von dieser speziellen Treibjagd – des sogenannten Oikomi –  zu machen: Der Regisseur durfte für die Dreharbeiten nicht in die Bucht von Taiji. Nun sollen in der japanischen Ausgabe des Streifens die Gesichter der Einwohner von Taiji unkenntlich gemacht werden, damit sie nicht wegen Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts klagen können.