Sind Eisbären wirklich die Verlierer?

Es sei ein „schwarzer Tag für die weißen Bären“, sie seien die Verlierer der Artenschutzkonferenz in Doha im Emirat Katar: So lauten die Meldungen der Presseagenturen, die damit die Position von Tierschützern wiedergeben.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100318-99-01178Was ist passiert? Die Mehrheit der 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens haben sich dagegen ausgesprochen,  den internationalen Handel mit Eisbären, Eisbär-Fellen und anderen Trophäen zu verbieten. Einen entsprechenden Antrag der USA, wo die Eisbärenjagd generell verboten ist, lehnten vor allem die Europäer ab: Ihnen genügen die derzeitigen Handelsbeschränkungen für Eisbären. Auch die Klimaerwärmung sei noch nicht so akut, dass sie den Bestand der Eisbären tatsächlich gefährde.

Außerdem stimmten die Kanadier und Grönländer gegen ein allgemeines Eisbären-Handelsverbot. Die finden an diesen Tieren nichts Besonderes – für Menschen am Polarkreis gehören die weißen Riesen sozusagen zum Alltag.

Tierschützer sehen das naturgemäß anders. Vertreter von Pro Wildlife beispielsweise gehen davon aus, dass jedes Jahr von den rund 20 000 bis 25 000 in freier Wildbahn lebenden Eisbären etwa 1000 gejagt werden – ausgerechnet die Tiere, die für die Fortpflanzung wichtig seien.  Außerdem sehen Tierschützer das schmelzende Eis der Polkappen sehr wohl als lebensbedrohlich für die Eisbären an. Doch beim Klimaschutz stellen sich wiederum die USA regelmäßig quer, wenn es etwa um verschärfte Emissions-Regelungen geht.

Der Internationale Tierschutzfonds IFAW prophezeit, man werde bald „mit großer Scham“ an den Tag zurückdenken, an dem man nichts zum besseren Schutz der Polarbären unternommen habe. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) setzt seine Hoffnung auf die nächste Woche: Da könnte man das alles in der Konferenz noch einmal behandeln.

e-arc-tmp-20100318_130134-2Während die Eisbären ein großes Thema bei den Berichten über die Artenschutzkonferenz sind, hört man etwas weniger über andere Tierarten. Klar: Die Blauflossenthunfische und die Zagros-Molche, die im Iran stark bedroht sind, sind halt nicht so süß wie die Eisbärenbabys, die durch Knut, Flocke und andere in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind. Immerhin wurde in die Eisbären-Meldung noch eingefügt, dass ein Vorstoß der EU-Staaten zum Schutz des von Sushi-Liebhabern begehrten Blauflossenthunfischs erfolglos blieb. _ Übrigens: Jetzt gibt es – ganz neu – Zagros-Molche (hier im Bild) auch im Nürnberger Tiergarten zu sehen: in einem Aquarium im Affenhaus.

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