In mir keimt ein schrecklicher Verdacht

Genau eine Woche ist es her, dass ich hier über elf Sibirische Tiger geschrieben habe, die in einem chinesischen Zoo verhungert sind. Ich versuche ja immer, an den Geschichten dranzubleiben und meinen Lesern zu berichten, wenn es in einer Sache etwas Neues gibt. Nicht immer klappt das, aber in diesem Fall kann ich nun vermelden: Der Zoo musste mittlerweile für das Publikum schließen!

Sollte durch die Öffentlichkeit und/oder durch Tierschützer doch ein gewisser Druck entstanden sein, so dass selbst ein Land, in dem Tierrechte so wenig zählen wie Menschenrechte, zur Reaktion gezwungen war? Oder hat die Schließung  gar nichts zu sagen, weil die Tiere im Zoo von Shenyang weiter leiden müssen – nur ohne dass es von der Öffentlichkeit noch kontrolliert werden kann? Und wann öffnet der Zoo wieder seine Pforten?

Wir wissen das alles nicht, denn wie immer dringen nur spärliche Nachrichten aus dem „Reich der Mitte“ zu uns. Jedenfalls hat die Regierung der nordostchinesischen Stadt laut Zeitungsberichten umgerechnet eine Million Dollar zugesagt, um dem privat geleiteten Zoo finanziell unter die Arme zu greifen. (Die Stadt besitzt 15 Prozent der Zooanteile.)

Außerdem keimt in mir ein neuer schrecklicher Verdacht. Angeblich, so haben Zoo-Mitarbeiter erzählt, sind die Knochen der vom Aussterben bedrohten Tiger zum Brauen medizinischer Getränke verwendet worden. In der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) sind Tigerknochen äußerst wertvoll, und das wohl im doppelten Sinn, denn sie bringen beim Verkauf  jede Menge Kohle. Ich befürchte nun, dass man die Tiger in dem Zoo absichtlich verhungern ließ, um mit dem Erlös der Tigerknochen sozusagen den Pleitegeier in die Flucht zu schlagen. – Wahre Tierliebe, auf chinesische Art eben!

2 Kommentare in “In mir keimt ein schrecklicher Verdacht

  1. Warum solche Befürchtungen, das war mit 110 % Sicherheit so. Und was passiert wohl mit den Überresten von Tigern, die in europäischen Zoos so das Zeitliche segnen? Und mit den Überresten von anderen Tieren, die der Chinese zur Heilung seiner Wehwehchen sich gern mal reinzieht? Der Klassiker ist dann, dass das Zeug als „tiefgekühlter Schlachtabfall“ im Kühlcontainer um die halbe Welt geschippert wird, am besten noch mit EU-Exportsubventionen.

  2. Ein Wunder, daß diese Meldung überhaupt nach außen dringen konnte. Bei Skandalen, die Menschen in diesem Land betreffen, wäre das sicherlich nicht der Fall gewesen. Insbesondere, wenn es um die
    vom Aussterben bedrohte Kultur auf dem Dach der Welt geht….

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