Doch nicht das letzte Einhorn!

Eine meiner treuesten Leserinnen und Kommentatorinnen, Mandy Wagenknecht, hat sich hier kürzlich beschwert, dass ich Ihr Wunschthema Werwolf Oryx_2 bisher nicht behandelt habe. Da ich dafür im Augenblick keinen aktuellen Anlass sehe, möchte ich Mandy vorläufig wenigstens ein anderes Fabeltier als Ersatz bieten: das Einhorn.

Dieses Foto zeigt es deutlich: Vom Profil her könnte man die zwei spitzen Hörner der Oryx-Antilope leicht für ein einziges Horn halten, und auch das ganze Tier sieht dem „Unicorn“ zum Verwechseln ähnlich. Angeblich soll diese in Arabien lebende Antilope das Vorbild für das Fabeltier Einhorn sein.

Die Oryx-Antilope darf derzeit im Naturschutzpark Umm al-Sammul im Emirat Abu Dhabi wieder heimisch werden; aus diesem Paradies hatten sie einst Wilderer vertrieben. Vor etwa 100 Jahren konnte man das „Einhorn“ noch fast überall auf der Arabaischen Halbinsel antreffen. Doch bei den Beduinen war es wegen seines Fleisches und seiner Hörner äußerst begehrt. Als sie die moderne Jagd mit Geländewagen und Automatikgewehren einführten, schlug das letzte Stündchen der Oryx-Antilope; im Jahr 1972 wurde das einzig noch übrige Exemplar im Oman getötet – im wahrsten Sinn des Wortes „das letzte Einhorn“.

Die Oryx-Antilope ist wieder einmal ein Beispiel für eine Art, die nur mit Hilfe von Zoos überlebt hat, wie etwa die Przewalski-Urwildpferde oder die Prinz-Alfred-Hirsche . Mittlerweile ist die Anzahl dieser anmutigen Tiere durch Wiederansiedlungsprogramme im Oman, Saudi-Arabien, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wieder auf mehrere Tausend angewachsen.

Sie gehören zu den optimal an die Wüste angepassten Lebewesen. Ein Mensch könnte zum Beispiel niemals mit bloßen Füßen durch den heißen Sand laufen – er bekäme ganz schnell Brandblasen. Die Oryx-Antilope aber besitzt ein wunderbares Kühlsystem in ihrem Körper: Wenn ihr Blut durch die Halsadern fließt, wird es heruntergekühlt und gelangt erst dann ins Gehirn. Außerdem kommen diese Tiere lange ohne Wasser aus. Dabei hilft ihnen auch ihr strahlend weißes Fell, das Sonnenlicht reflektiert und dadurch den Körper nicht zu stark aufheizt.

Die Antilopen, die jetzt nach und nach im Naturpark Umm al-Sammul einziehen, sind alle Nachkommen von Tieren in Gefangenschaft und müssen das Leben in freier Wildbahn erst erlernen. Noch sind sie auf die Hilfe von Menschen angewiesen, die ihnen Futtergras an bestimmte Plätze bringen, weil die Tiere es noch nicht gewöhnt sind, so weite Strecken zurückzulegen wie ihre Vorfahren. Doch die Rettungsaktion für die „Einhörner“ scheint zu gelingen.