Meeressäugetiere in Gefahr

Die Ölpest im Golf von Mexiko erreicht neue Dimensionen: Während an der Wasseroberfläche vergleichsweise wenig von dem unaufhörlich sprudelnden Erdöl treibt, gibt es in den Tiefen des Ozeans erschreckende Mengen davon. Riesige Ölschwaden wurden dort entdeckt, in bisher nicht gekanntem Ausmaß: Bis zu 16 Kilometer lang, sechs Kilometer breit und 100 Meter hoch.

Gulf Oil SpillDiese Schwaden haben verheerende Auswirkungen für die im Meer lebenden Tiere: Der Sauerstoffgehalt in ihrer Nähe liegt ungefähr ein Drittel unter dem Normalwert. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass Chemikalien verwendet wurden, die das Öl unter Wasser zersetzen. So gelangt es zwar nicht – oder nur in geringen Mengen – an die Oberfläche, richtet aber weiter unten schlimme Schäden an.

Für die Seevögel, die normalerweise unter einer Ölpest am meisten zu leiden haben, ist das zumindest im Augenblick günstig. Doch die im Meer lebenden Tiere sind nun extrem gefährdet. Auch Säugetiere wie Delfine, Seekühe, Wale, Robben oder Otter – Tiere, die wir Menschen besonders lieben – schweben nun in Lebensgefahr. Kommen sie mit dem Öl in Kontakt, können sie ersticken, außerdem drohen ihnen Vergiftung, Unterkühlung und Hungertod.

So macht das Öl das Atmen für die Tiere schwierig, im schlimmsten Fall wird die Atmung blockiert, etwa durch verstopfte Atemwege. Das zentrale Nervensystem und auch innere Organe werden in Mitleidenschaft gezogen, und Giftstoffe können über die Muttermilch in die Körper von Tierbabys gelangen. Verschluckt ein Tier Öl, wird der Verdauungstrakt so stark geschädigt, dass es zu Durchfall, Blutungen oder Geschwüren kommt. Schließlich können auch die Sinnesorgane Schaden nehmen, zum Beispiel die extrem empfindlichen Augen der Delfine. In kälteren Gewässern kann das sonst isolierend wirkende Fell von Tieren durch das Öl seine schützende Wirkung verlieren.

Das sind aber nur die unmittelbaren Gefahren. Über Langzeitwirkungen einer Ölpest auf Meeressäuger weiß man bisher noch wenig. Die Wissenschaft geht aber von einer jahrelangen Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit aus.