Darf man mit Makaken so umgehen?

Tiere und Recht – ein Thema, das ich ab und zu gerne in meinem Blog behandle. Einen interessanten Fall gibt es da gerade in Bremen. Welches Recht hat Vorrang: Tierschutz oder das Recht auf freie Forschung? Diese Frage soll nun vor Gericht entschieden werden.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100525-10-10897Es geht darum, ob  an der Uni Bremen zu Forschungszwecken Experimente mit Affen weitergehen dürfen oder nicht. Einen Schlussstrich unter die Versuche ziehen will die Gesundheitsbehörde – aus Tierschutz-Gründen. Die Uni dagegen sieht ihre Forschungsfreiheit bedroht.

An der Uni Bremen erforscht ein Neurobiologe seit 12 Jahren an Makaken die Funktion des Gehirns.  Die Affen werden für die Versuche oft über Stunden in einem Stuhl aus Plexiglas fixiert. Die Wissenschaftler schieben durch ein Loch im Schädel der Tiere ganz feine Elektroden, um die Hirnaktivität zu messen. Die Makaken müssen bunte Symbole auf einem Bildschirm erkennen und dazu auf Tasten drücken. Zur Belohnung bekommen sie Saft zu trinken.

Der Forscher soll angeblich vorher die Tiere dursten lassen, um ihre Motivation zu erhöhen. Das Schlimmste aber kommt noch: Die Affen werden nach dem Experiment getötet, damit ihre Gehirne untersucht werden können. Trotzdem wehrt sich der Neurobiologe gegen Vorwürfe, die Affen würden für seine Versuche Qualen leiden müssen. Die Eingriffe seien völlig schmerzlos und die Experimente für die Grundlagenforschung notwendig: Es geht darum, künftig schwere Krankheiten wie Epilepsie und Alzheimer heilen zu können.

Die Bremer Gesundheitsbehörde hält dagegen die Belastung für die Tiere für zu hoch und hat schon vor zwei Jahren die Genehmigung für die Tierversuche nicht mehr verlängert. Und sie steht mit dieser Meinung nicht allein da: Drei Gutachten von Biologen aus Deutschland, der Schweiz und Großbritannien kommen zu dem selben Ergebnis. Tierschützer sind sogar der Auffassung, dass man Affen wie Makaken mit einem zweijährigen menschlichen Baby vergleichen könne.

Es steht allerdings zu befürchten, dass die Tiere noch eine ganze Zeitlang weiter für die Forschung ihr Leben opfern müssen. Denn da die Rechtslage äußerst heikel ist, droht sich das Verfahren jahrelang hinzuziehen. Der Forscher will möglicherweise bis vors Bundesverfassungsgericht gehen.

5 Kommentare in “Darf man mit Makaken so umgehen?

  1. Danke für das Aufgreifen dieses mich schon lange beschäftigenden Themas. Mir steckt nach Jahrzehnten immer noch das Bild eines Affen, der für Weltraumforschungszwecke ge-/missbraucht wurde, in den Knochen, der ( ich vermute, es war in den SiebzigerJahren) auf dem Titelbild einer Zeitung prangte – mit geöffnetem Schädel und verdrahtet und einer unbeschreiblichen Angst im Gesichtchen! Ebenso ein Beagle, der nach einem für ihn schmerzhaften Versuch, schwankend immer noch freundlich seine Peiniger anwedelte. NEIN, NIEMALS werde ich so etwas gut heißen oder für die Spezies Mensch für gerechtfertigt halten!

    Ich bin klar der Meinung, dass der Mensch NICHT das Recht hat, Tiere bewusst leiden zu lassen – und dass das hier der Fall ist, steht wohl außer Frage, auch nicht, wenn die Forscher ihrer Meinung nach im Dienste des Menschen handeln. Gerade weil er theoretisch die Macht hätte, über andere Lebewesen zu bestimmen, sollte er sein Gehirn dazu benutzen, ALLES Leben zu schützen. Wir müssen lernen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Was nur mit dem Leiden anderer Lebewesen „erkauft“ werden könnte, muss unterbleiben. An irgend etwas werden wir immer sterben müssen. Das ist Natur gegeben unser Schicksal und das werden wir niemals aufheben können. Also, was soll dieses die letzten Möglichkeiten auschöpfen wollen, koste es was es wolle? Ich frage mich, wozu Menschen Menschen gegenüber fähig sind, wenn sie fähig sind, Tiere bewusst und als Verursacher so leiden zu lassen!

    Für mich gibt es übrigens keine Unterscheidung, bis zu welchen Tieren man gehen darf für Forschungszwecke oder sonstwie. Schmerz verursachende und schädigende Versuche müssen an ALLEN LEBEWESEN unterbleiben!

    Ich fand den Versuch mit Bienen, den ich neulich sah, zwar faszinierend, aber auch sehr grausam. Man hatte festgestellt, dass sie in Erwartung von etwas für sie mit positiver Erfahrung Verbundenem die Zungen heraus streckten. Nun fixierte man die Bienen und trainierte sie darauf, im Zusammenhang mit etwas Süßem auch einen Explosionsstoff wahrzunehmen. Also wurde dieser Geruch von den Bienen mit etwas Positivem assoziiert und schon bald streckten sie ihre Zungen nur bei Wahrnehmen dieses Geruches heraus. Die Bienen sollen nun als KatastrophenSchutzGeschwader zur Verhinderung von Anschlägen z.B. auf Flughäfen benutzt werden, zu Mengen fixiert! ….. Man könnte hier unendliche Gedankengänge folgen lassen; das war nur der Anfang eines Beispiels…

  2. @ Dumba

    Na, da bin ich ja froh, dass ich das Thema aufgegriffen habe. Und dass es jemanden gibt, der sich so viel Mühe für einen so ausführlichen und fundierten Kommentar macht.

  3. Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Bericht in der Zeitung gelesen und auch im Rundfunk verfolgt.
    Ich habe ein Enkelkind 8 Jahre. Ein goldiger Bub. Er leidet seit 5 Jahren an Epelepsie, war schon in etlichen Kliniken, hat bis zu 3 Anfälle täglich manchmal sehr schlimm, sodaß man Angst bekommt ,weil er nach Luft ringt. Medikamente bekommt er etliche. Nichts hilft!
    Ich war bisher der Meinung die Forschung tut nichts für die Erforschung der Epelepsie umsomehr bin ich dankbar, daß es Herrn Prof. Kreiter gibt und ich hoffe er darf weiter an seinem Projekt arbeiten.
    Vielleicht würde mancher „Tierschützer“ anders reagieren, wenn er so wie ich ein Enkelkind mit Epelepsie hat.
    Wenn man vor der Wahl steht “ Goldiges Enkelkind “ oder “ Goldiger Affe “ gibt es für mich nur eine Entscheidung.

  4. In dem Artikel fehlen mir die Erfolge dieser Versuche, davon ist nichts erwähnt. Was erforscht der Mensch genau und was bringt es? Einen Affen zu quälen, bis er auf ein Knöpfchen drückt und ihn dann töten..das klingt doch sehr merkwürdig. Aber anscheinend bringt die Affenquälerei ja genug Forschungsgelder für Ihn, so dass er sich ein schönes Gehalt einheimsen kann – wen kümmern da schon ein paar Affen…armes Deutschland!

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