"Hundeführerschein": Ja oder nein?

Die Landesregierung von Thüringen will jetzt einen sogenannten Hundeführerschein einführen. Damit müssen Besitzer von Kampfhunden künftig in einer Prüfung ihr Wissen über ihren Hund beweisen. Außerdem sollen die Auflagen für die Halter solcher Hunde verschärft werden. Zucht und Handel sollen verboten werden. In Thüringen würde damit bundesweit eine der schärftsen Verordnungen in Kraft treten.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100522-10-10579Damit reagiert die Politik auf den Tod eines dreijährigen Mädchens, das kurz vor Pfingsten in Oldisleben (Kyffhäuserkreis) durch Bisse ins Gesicht von vier Staffordshire Bullterrier-Mischlinge auf grauenvolle Weise ums Leben kam. Die Tiere hatten außerdem die Urgroßmutter des Mädchens lebensgefährlich verletzt. Ein Staffordshire-Bullterrier ist auf nebenstehendem Foto zu sehen. In Thüringen will man mit den nun geplanten Gesetzesinitiativen so weit kommen, dass in einem Zeitraum von ungefähr zehn Jahren die Zahl der im Freistaat gehaltenen Kampfhunde gegen Null geht.

Geplant ist unter anderem, alle gefährlichen Hunde zu sterilisieren. Auch Kampfhunde von Touristen oder anderen Personen, die sich länger als vier Wochen in Thüringen aufhalten, sollen unter diese Auflagen fallen. Als „gefährlich“ sollen Kampfhunde gelten, etwa Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier und Staffordshire Billterrier, aber auch andere Hunderassen, wenn sie auffällig geworden sind. Alle Hunde, die als gefährlich eingestuft werden, dürfen in Zukunft nicht mehr gezüchtet werden. Ihre Besitzer müssen sie sterilisieren lassen, und zwar spätestens drei Monate, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist.

Nach dem „Hundeführerschein“ wird ja immer wieder gerufen, wenn sich ein solch schlimmer Vorfall wie der in Thüringen ereignet. Vorgesehen ist, dass sich Hundehalter künftig einer Sachkundeprüfung unterziehen und eine Haftpflichtversicherung für gefährliche Hunde nachweisen müssen. Auch die Person des Hundehalters soll überprüft werden, zum Beispiel auf ihre Zuverlässigkeit. Ist beispielsweise jemand schon einmal wegen Drogendelikten oder durch Trunkenheit am Steuer aufgefallen, darf er keine solchen Hunde halten. Außerdem wird es Hundebesitzern künftig verboten sein, außerhalb ihrer Wohnung oder ihres Grundstücks mehr als einen solchen Hund an der Leine auszuführen, und das Tier muss einen Maulkorb tragen.

Ob die geplanten Maßnahmen wirklich etwas bringen, bleibt zu bezweifeln. Denn für entsprechende Kontrollen dürfte es gar nicht genügend Personal geben. Ich befürchte, es müssen nur wieder Tiere darunter leiden, dass Menschen nicht vernünftig mit ihnen umzugehen wissen.

5 Kommentare in “"Hundeführerschein": Ja oder nein?

  1. Quatsch, vollkommener Quatsch der Führerschein! Das ist blos was für die Bürokratie, sonst bringts nix!

  2. Wer gefährliche Dinge wie einen Hund besitzen oder führen will soll dafür ruhig einen Sachkundenachweis führen, wie auch für andere gefährlichen Dinge. Kosten entstehen der Allgemeinheit hier nicht, weil für die notwendige Bürokratie die Hundebesitzer zu zahlen hätten.

    Man sollte analog dem Kfz auch gleich eine Haftpflichtversicherung für Hunde einführen. Je nach Gefährlichkeitsgrad des Hundes und des Halters gestaffelt. Und wer keine Versicherung bekommt, weil er objektiv zur Hundehaltung ungeeignet ist, der darf dann auch keine Hunde halten oder führen. Zuwiderhandlungen wären als Straftat zu bestrafen.

    Natürlich wäre dies eine Mehrbelastung aller vernünftigen Hundehalter. Bedanken können die sich dann bei den paar Idioten, die durch das sinnlose Vermehren von gesellschaftuntauglichen Hunderassen diese Maßnahmen veranlasst haben.

  3. Hallo,
    der Hundeführerschein ist Abzocke und „erwischt“ eh nur wieder die, die sowieso so „dämlich“ sind und ihren Hund anmelden und versichern. Oder will mir jemand erzählen, dass das Ordnungsamt ins Milieu geht und dort die Vorlage des Hundeführerscheins abfordert und wenn der nicht vorgelegt werden kann, den Hund mitnimmt? Auf welchem Planeten leben eigentlich diese Menschen, die uns mit diesen Forderungen schikanieren? Soll Omchen Müller jetzt mit ihrem Dackel den Führerschein machen? Und verbietet man ihr die Hundehaltung, wenn sie nicht besteht? Haben wir nicht andere Probleme? Wer fordert denn bitte Autos oder Flugzeuge abzuschaffen, weil sie abstürzen, Unfälle verursachen und Menschen verletzten und töten? Diese Forderung kam noch nie – sehr seltsam, denn Tote gibt es da wesentlich mehr als durch Hunde.
    In diesem Sinne „freue“ ich mich darauf wie weit uns unsere tollen Politiker noch gängeln wollen. Vielleicht bestimmen sie schon bald wie unsere Einrichtung aussieht oder wie wir uns anziehen müssen.
    Und um das Thema abzuschließen: Es liegt nicht nur Hundekot auf den Straßen, sondern auch Müll, Essensreste, Kippen und vieles mehr, was übrigens nicht von Hunden ist. Denken und Rücksichtnahme wäre mal eine Alternative : Sollte man die mal gesetzlich vorschreiben?
    Könnte man mal soviel Engagement in den Schutz für Kinder vor Mißbrauch und Mißhandlung stecken? Ein lohnenswertes Ziel, aber „leider“ ohne finanzielle Spritze für unseren Staat….

  4. @ Karin Katzinski

    Wenn sie als erfahrene, vernünftige Hundebesitzerin ohnehin eine Versicherung haben, wird ihnen der Sachkundenachweis wohl kein Problem bereiten. Ansonsten wird Ihnen kein Aufwand entstehen. Wo liegt also das Problem?

    Mir wäre es auch lieber, wenn man allerlei Aktivitäten angefangen von Auto- und Motorradfahren bis hin zu Jagd und Fischerei ohne staatliche Reglementierung durchführen könnte. Leider zeigt die Erfahrung, dass dann aber einiges schief läuft. Und die Todesfälle sind ja nur die Spitze des Eisberges bei den Problemen mit Hunden. Laufen Sie mal abends in der Dämmerung im Stadtpark eine Trainingsrunde. Da werden Sie ständg mit nervenden Scheinattacken von illegal freilaufenden Hunden angegangen, weil deren Herrchen diese nicht im Griff haben. Der Grund für einen Sachkundenachweis ist nicht Gängelung, sondern dass man lernt, mit einem gefährlichen Objekt wie einem Hund umzugehen, was mindestens 2/3 aller Hundebesitzer nicht wirklich können.

    Und von dieser Problematik mit dem Hinweis auf Kindesmißbrauch abzulenken finde ich derart unterirdisch, dass man schon fast am Verstand mancher Menschen zweifeln muß.

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