Exoten auf dem Vormarsch

urn:newsml:dpa.com:20090101:100819-99-01113Auf den ersten Blick mag man das Phänomen belächeln, aber auf den zweiten muss man es ernst nehmen: In Deutschland machen sich nach und nach mehr gebietsfremde (im Fachjargon: invasive) Tierarten breit.

Der Deutsche Jagdschutz-Verband hat dazu jetzt eine neue Untersuchung von elf Tierarten auf 50 Prozent aller land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen Deutschlands abgeschlossen und erste Trends für einige Arten veröffentlicht. Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: Waschbären, chinesische Marderhunde und afrikanische Nilgänse fühlen sich bei uns äußerst wohl und vermehren sich wesentlich schneller, als Fachleute ursprünglich angenommen hatten.

Das Problem dabei ist, dass diese Exoten, die in Sachen Lebensraum und Nahrung nicht sehr wählerisch sind, heimische Tiere verdrängen, die auf bestimmte Gebiete und Futterquellen angewiesen sind.

In den 1930er Jahren gab es zwei Waschbären-Paare in Deutschland. Heute hat sich daraus eine riesige Bevölkerung dieser Tiere entwickelt, die sich von Hessen bis Berlin-Brandenburg angesiedelt haben. Jäger haben in der Saison 2008/09 sage und schreibe 30 000 Waschbären erlegt. Waschbären konkurrieren zum Beispiel mit den bei uns selten gewordenen Wildkatzen. Die normalerweise in Afrika ansässige Nilgans kommt drei bis viermal öfter bei uns vor, als es bisher bekannt war.

Der ursprünglich aus China stammende Marderhund gelangte hauptsächlich nach Zusammenbruch der Sowjetunion, als dort große Mengen von diesen Tieren freigelassen wurden, nach Deutschland. Er hat sich besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verbreitet. Dort kommt er nicht nur mit dem Fuchs ins Gehege: Er raubt die Nester von auf dem Boden brütenden Vögeln wie Seeschwalben, Regenpfeifer und Kiebitz aus und dezimiert damit deren Nachwuchs in gefährlichem Ausmaß.

Durch gesetzlich genau geregelte Vorgaben soll das Eindringen solcher gebietsfremder Tierarten kontrolliert werden. Im Klartext heißt das nichts anderes, als dass die Jagd auf solche Tiere verstärkt werden muss, um andere Tiere zu schützen.