Warmer Sommer: Katastrophe für Walrosse

urn:newsml:dpa.com:20090101:100914-10-11311Die ersten Folgen des Klimawandels bzw. der Erderwärmung werden derzeit in Alaska deutlich: Weil ihnen sozusagen das Eis unterm Hintern wegschmilzt, suchen jetzt Tausende von Walrossen Zuflucht an Land. Nach Expertenschätzungen sind es bis zu 20000 von diesen im Meer lebenden, riesigen Säugetieren, die sich nun in Scharen an den Stränden des Nordpolarmeeres und der Beringstraße drängen.

Das Problem ist, dass die Walrosse jetzt riesige Strecken zwischen ihren Futterquellen und den Ruheplätzen zurücklegen müssen. Denn die Tiere suchen ihre Nahrung, z.B. Krebse, Muscheln und Schnecken, in einer Wassertiefe bis zu 250 Metern. Normalerweise ruhen sie nach der Futtersuche auf Eisschollen draußen auf dem Meer aus. Doch diese Schollen sind wegen der zu hohen Temperaturen im Sommer geschmolzen. Also müssen die Tiere bis an Land schwimmen, um einen Schlafplatz zu finden.

Vor allem für viele Jungtiere ist das zu anstrengend – sie sind nicht daran gewöhnt, so weit zu schwimmen. Für Walross-Mütter wiederum bedeutet die Klimaerwärmung zusätzlich zur körperlichen Anstrengung auch noch Stress: Denn sie halten sich immer in der Nähe ihres Nachwuchses auf, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Außerdem verbrauchen die Walrosse durch die riesigen Strecken, die sie nun schwimmen müssen, zusätzliche Energie. Sie müssten eigentlich noch mehr Futter bei ihren Tauchgängen erbeuten, um diesen Mehrbedarf decken zu können. Ob das auf Dauer möglich ist, kann man nur schwer beurteilen.

Bei so vielen Walrossen an Land besteht noch eine zusätzliche Gefahr: Es kann leicht eine Massenpanik ausbrechen, selbst durch anscheinend geringe Anlässe wie Flugzeuglärm, den die Tiere nicht gewöhnt sind. Dann versuchen die Walrosse, möglichst schnell zurück ins Wasser zu fliehen, wo sie sich sicher fühlen. Dabei werden immer wieder Jungtiere von den erwachsenen Tieren erdrückt und gehen jämmerlich zugrunde.