Schweden bekriegen sich wegen Wolfsjagd

urn:newsml:dpa.com:20090101:110112-99-09308Schweden teilt sich ab sofort wieder in zwei Lager: Dort fällt am 15. Januar der Startschuss für die diesjährige Wolfsjagd – und dieses Ereignis führt dazu, dass Gegner und Befürworter der Jagd sich gegenseitig bekriegen. Im vergangenen Jahr hatten die schwedischen Behörden zum ersten Mal seit über 40 Jahren die Jagd auf Wölfe wieder erlaubt. Das war als zu großes Zugeständnis an die Jägerlobby kritisiert worden. In diesem Jahr dürfen bis Ende Februar von den gut 200 in Schweden lebenden Wölfen 20 abgeschossen werden.

Jäger, die an der Jagd teilnehmen wollen, bekommen in diesen Tagen Morddrohungen. Die Gegner der Jagd kündigen in den Medien Sabotageakte an und wollen sich Jägern in den Weg stellen. In der Bevölkerung gibt es aber auch Stimmen, denen die Quote der zur Jagd freigegebenen Wölfe viel zu niedrig ist. Sie meinen, dass alle, die den kompletten Schutz der Wölfe fordern, nie mit den Gefahren konfrontiert werden, die von den Wölfen ausgehen: Angeblich gefährden die Wölfe den Bestand von alten Kuh- und Schafrassen. Der Jägerverband tritt ebenfalls für eine höhere Abschussquote ein. Er empfindet die Wölfe außerdem als Konkurrenten bei der in Schweden beliebten Elchsjagd und beklagt, dass Wölfe immer wieder auch Jagdhunde reißen würden.

Die Behörden stehen auf dem Standpunkt, dass bei 20 zur Jagd freigegebenen Tieren der in Schweden lebende Wolfsstamm nicht gefährdet ist. Sie kündigen außerdem an, dass Wölfe aus Finnland und Russland eingeführt werden sollen, damit es nicht zu Inzucht kommt.

Allerdings sind die Behörden bisher machtlos gegen die illegale Wilderei, der jedes Jahr bis zu 35 Wölfe zum Opfer fallen. Tierschützer kritisieren, dass die Täter praktisch nie gefasst werden, und fordern schärfere Gesetze. Die werden von Politikern immer wieder angekündigt – doch bisher ist nichts in dieser Richtung passiert. Kommt man also den Jägern doch ein Stück zu weit entgegen?

6 Kommentare in “Schweden bekriegen sich wegen Wolfsjagd

  1. Jagdfreigabe von 20 Wölfen in 6 Wochen? In ganz Schweden, wie will man denn das koordinieren und kontrolieren? Das sollte doch dann lieber der Staat selbst mit seinen Förstern und Wildbiologen übernehmen.

  2. @ Wolferl
    Dem kann ich im Prinzip nur zustimmen. Übrigens wurden bereits am vergangenen Wochenende zum Auftakt der Wolfsjagd 15 von 20 freigegebenen Wölfen abgeschossen!!!

  3. Es wäre schon einmal interesant zu erfahren wie das im Detail geregelt ist. Kriegt da jedes, bzw. 20 ausgewählte Jagdreviere einen Abschuss oder besteht allgemein ein temporäres Jägdrecht? Werden nur bestimmte Wölfe, z.B kranke oder schwache Jungtiere rausgeschossen oder darf jeder Wolf geschossen werden? Die zwei Alphatiere eines Rudels zu schießen wäre sicher kontraproduktiv, genau wie die Führungsbache bei den Wildschweinen.

  4. @ Wolferl

    Tut mir leid, aber solche Detailinformationen habe ich leider nicht. Was ich allerdings weiß: In der Jagdsaison des vergangenen Jahres waren 27 Wölfe freigegeben worden, und innerhalb weniger Tage töteten die Jäger 28 statt der erlaubten 27 Tiere.

  5. ich glaube auch, dass eine generelle Freigabe nicht gut ist. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schweden auch schonmal gerne einfach mal durch die Gegen ballern und wenn sie dann auch noch eine „Erlaubnis“ dazu erhalten, werden sicherlich ganz schnell mehr als die Gewünschte Anzahl an getöteten Wolfen.

  6. @ Kleinanzeigen Solingen

    Dann dürfte dich der neueste Beitrag in meinem Blog „Achtung, Wolf!“ auch interessieren.

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