Aufatmen in Vietnam

Hin und wieder berichte ich in diesem Blog über das Schicksal von prominenten Tieren. So auch über die berühmte riesige Schildkröte aus dem Hoan Kiem-See in Vietnams Hauptstadt Hanoi, über die ich hier schon geschrieben habe.

Während manches Tierschicksal eher traurig endet, kann ich hier zum Glück einen positiven Ausgang vermelden: Die etwa 100 Jahre alte Schildkröte ist über den Berg, ihr geht es endlich wieder gut. Zur Erinnerung: Das Tier war im April unter der Anteilnahme von schaulustigen Menschenmassen aus dem See geborgen worden. Um das Leben der Schildkröte hatte man in Vietnam lange Zeit gebangt.  Das Tier ist nämlich eine lebende Legende.  Der Sage nach hat König Le Loi im 15. Jahrhundert Invasoren aus China mit einem heiligen Schwert in die Flucht geschlagen, das er von einer mythischen Schildkröte erhalten hatte. Als er nach gewonnener Schlacht per Boot auf dem See unterwegs war, tauchte das Tier erneut auf und nahm das Schwert an sich.

Zurück zur verbrieften Realität: Als die ungefähr 170 Kilo schwere Schildkröte im April endlich geborgen werden konnte, war sie schwer verwundet. Die Verletzungen stammten teils von Angelhaken, teils von Schildkröten einer anderen Art. Seit April ist es Ärzten gelungen, den Koloss aufzupäppeln und wieder so auf Vordermann zu bringen, dass er nun in den See zurückgebracht werden konnte. Das verschmutzte Gewässer wurde in der Zwischenzeit außerdem von freiwilligen Helfern gereinigt.

Die Rettungsaktion war auch ein wichtiger Beitrag zur Rettung einer Tierart: Es handelt sich  um eine Jangtse-Riesenweichschildkröte, eine Spezies, die früher von Vietnam bis China verbreitet war. Mittlerweile ist der Bestand mehr als besorgniserregend geschrumpft:  Die Schildkröte aus dem Hoan Kiem-See soll eine der letzten vier Vertreterinnen ihrer Art sein.