Plädoyer für die Lagune

Die Eröffnung der Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg steht unmittelbar bevor: Ab kommendem Samstag, 30. Juli,  ist die neue Anlage – zusammen mit dem Manatihaus – für die Zoobesucher zugänglich. Darüber habe ich auch in diesem Blog schon mehrmals vorberichtetet, z. B. hier und hier.

Im Vorfeld liefen – wie bei kaum einem anderen Thema aus der Zoowelt – auch unzählige Meldungen über die großen Nachrichtenagenturen, die sich sonst eher selten für Nürnberg interessieren. Delfinhaltung in Zoos bzw. Delfinarien, das ist ein Thema, das die Menschheit unglaublich emotionalisiert und offenbar in zwei unversöhnliche Lager spaltet:  sogenannte Tierrechtler auf der einen und Zoofans auf der anderen Seite.

Die Tierrechtler sind der Überzeugung, dass Delfinhaltung „in Gefangenschaft“ ein Verbrechen an dieser Tierart sei, weil die Bedingungen in keinem Zoo der Welt auch nur annähernd an die herankommen können, die Delfine in der Natur vorfinden. Das Hauptargument der Tierschutzaktivisten ist, dass Delfine in viel zu kleinen Becken ihrem angeborenen Bewegungsdrang nicht nachkommen könnten – auch nicht in der neuen Delfinlagune, die zwar eine kleine Verbesserung im Vergleich zum bisherigen Delfinarium darstelle, aber für Große Tümmler trotzdem nicht mehr als eine Badewanne sei. Delfine würden im freien Meer bis zu 150 Kilometer am Tag schwimmen, in Delfinarien würden sie sich dagegen nur in winzigen Spuckbecken ständig im Kreise drehen und dabei Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Ob Delfine in freier Natur freiwillig so weite Strecken zurücklegen, diese Frage lassen solche Leute dabei außen vor. Denn wie die meisten anderen Tiere in freier Natur tun Delfine das hauptsächlich aus einem Grund: Sie sind jeden Tag stundenlang auf der Suche bzw. Jagd nach Nahrung. Dafür müssen Delfine heutzutage wegen der Überfischung der Meere viel weiter schwimmen, als es noch vor einigen Jahr(zehnt)en der Fall war. Dass die Tümmler aus reinem Spaß an der Freud´ Kilometer um Kilometer zurücklegen, ist nichts als eine Annahme der Tierrechtler, die ihre menschliche Freude an Bewegung einfach auf die Tiere übertragen. Sie lassen auch geflissentlich die Tatsache außer Acht, dass jedes Jahr 300 000 bis 320 000 frei lebende Delfine in den Weltmeeren jämmerlich zu Tode kommen – in Treibnetzen, zerstückelt von Schiffsturbinen oder auf andere grausame Weise.

Für mich ist die Forderung, die Delfinhaltung in Zoos aufzugeben, deshalb scheinheilig. Dann müssten konsequenterweise Zoos überhaupt abgeschafft werden. Denn auch andere Tiere, beispielsweise Geparden, legen täglich weite Strecken zurück, um ihre Nahrung zu erbeuten. Elefanten sind zig Kilometer bis zum nächsten Wasserloch unterwegs, um nicht zu verdursten. Es soll mir bitte keiner behaupten, das würde diesen Tieren Spaß machen.

Ich behaupte nicht, dass in Zoos bei der Tierhaltung alles zum Besten steht. Vieles ist verbesserungswürdig. Aber wenn sich ein Zoo wie der Nürnberger Tiergarten dann wirklich einmal um eine Verbesserung in der Tierhaltung bemüht, dann sollte man nicht von allen Seiten über ihn herfallen. Klar, dass das im Fall der Lagune eine Menge Geld kostet, aber eine gute Delfinhaltung ist eben einfach teuer.

Und noch eines: Es sollte bitte niemand mehr den Eindruck erwecken, eine Stadt wie Nürnberg könne sich nicht genügend Hort- oder Kindergartenplätze leisten und schmeiße für die Lagune mal eben fast 25 Millionen zum Fenster hinaus. (Immerhin, das wird meist unterschlagen, ist in dieser Summe auch das Manatihaus enthalten.) Das stimmt nämlich so nicht, denn der Tiergarten bekommt die Summe nur von der Stadt geliehen, muss sie aber aus eigenen Mitteln nach und nach zurückzahlen. Gut, dafür erhöht er auch die Eintrittspreise. Aber – ob es den Zoogegnern passt oder nicht: Deutschlandweit sind diese Preise immer noch im Rahmen. Und im europäischen Ausland – allen voran Frankreich oder die Niederlande – müssen Zoobesucher sowieso ein Vielfaches für einen Zoobesuch berappen.

 

 

25 Kommentare in “Plädoyer für die Lagune

  1. Die Argumentationskette in diesem Beitrag ist beschämend einfältig. Weil hunderttausende Delfine durch Fischerei sterben, sei es ok, die Delfine in ein Schwimmbecken zu sperren usw. Kein Wort von der katastrophalen Sterberate von Delfinen im Nürnberger Betonbecken. Peinlich peinlich dieser Text.. wahrscheinlich von einem Zoo-Angestellten, die haben nämlich keine besseren Argumente..

    • @Chris Hofger,

      Du/Sie kannst/können meinen Text gerne kritisieren. Aber mich als Zoo-Angestellten zu bezeichnen, das zeugt einfach von Unwissenheit. Ich bin Redakteurin bei der Nürnberger Zeitung.Wäre auch ganz einfach herauszufinden gewesen, wenn man sich die Mühe gemacht hätte, bei meinem Blog auf „Autor“ zu klicken.

  2. @ uwo

    „… der Tiergarten bekommt die Summe von der Stadt nur geliehen … “

    Der Tiergarten ist die Stadt Nürnberg. Genausowenig wie man sich selbst etwas leihen kann kann die Stadt Nürnberg sich selbst etwas leihen. Da fallen Sie einfach auf die Volksverdummung des OB Maly und des Kämmerers Riedel herein. Die Stadt Nürnberg muss die Baukosten zwischen 25 und 30 Millionen Euro am Kapitalmarkt als Schulden aufnehmen und dafür Zinsen zahlen. Über Jahrzehnte. Und ob die höheren Eintrittspreise das hereinbringen ist absolut fraglich. Das behauptet zwar ein merkwürdiges Gefälligkeitgutachten von Rödl und Partner, aber diese Pfeifen haben ja bekanntermaßen wenig Ahnung ausser in der eigenen Selbstdarstellung.

    Und, sein sie doch mal ehrlich, der Blogbeitrag riecht schon ganz gewaltig nach einem bestellten Stück aus der Tiergarten/Stadtverwaltung.

    • So ein Unfug, die Schulden werden nicht von der Stadt beglichen sondern durch zusätzliche Einnahmen des Tiergartens! Es ist eher so das Stadt und Tiergarten eng zusammen arbeiten, als das der Tiergarten eine Marionette wären.
      Dabei ist es richtig, der Tiergarten ist ein Subventionsbetrieb, 30 Prozent des Budgets werden durch die Stadt gedeckt, so ist das geregelt. Indem jetzt Subventionen ausfallen werden Schulden getilgt.
      An der Gestaltung des Tiergartens hat sicherlich auch die Stadt Nürnberg ein gewichtiges Interesse.

      Und wer sind sie schon, dass sie über dieses Gutachten den Stab brechen dürften? das ist wirklich keinbisschen vermesen! Ja ein bestelltes Stück der Tiergartenverwaltung, ja genau…
      Das ist doch paranoid!

  3. Der Text ist sehr engagiert, vermischt da aber einige Dinge, die nicht zusammen gehoeren.

    Die Tatsache, dass Delfine unter der Ueberfischung der Meere leiden und gefangen, veletzt oder getoetet werden, ist kein Argument fuer die Lagune. Die Delfinhaltung hat keinen positiven Effekt auf den Bestand der Tiere in freier Wildbahn, da keine Erhaltungszucht möglich ist. Der Fortbestand der Delfinhaltung in Nürnberg wird also durch Wildfänge gesichert werden müssen (auch wenn die dann „nur“ weitergereicht sind). Wie ist das eigentlich mit Tierschutz vereinbar?
    Es ist nicht ohne Grund so, dass die Anzahl der Delfinarien in Deutschland abgenommen hat und nur noch Nbg und Duisburg uebrig sind.
    Das gilt in der Tat auch für andere Tiere im Zoo, ganz vorn dabei sind Eisbären.

    Genauso haben Zoos aber auch Erfolge vorzuweisen bei Erhaltungszuchtprogrammen, z.B. bei Przewalski-Pferd wo es auch Wiederauswilderungsprogramme gibt.
    Es gibt also gute Gruende die Tierhaltung in Zoos kritisch zu betrachten und die Kritik sollte nicht bei Delfinen aufhören. Speziell in Nürnberg ist aber nun mal dafür sehr viel Geld ausgegeben worden und das hat mit Tierschutz nichts zu tun gehabt, sondern mit einem Besuchermagnet. Insofern ist die Lagune einfach überflüssig. Die Nürnberger Delfine sollten in geschützten Meeresbuchten ihren Lebensabend verbringen dürfen und die Lagune kann meinetwegen ein Tauchzentrum werden.

    Und nur weil die Eintrittspreise woanders noch höher sind, ist es immer noch nicht in Ordnung die Wahlfreiheit für die Besucher (Delfinarium oder nicht) abzuschaffen.

    • @Turtle,
      es gibt aber auch Gründe, Zoos allgemein als Arterhaltend anzusehen. Wen würden denn Tiger, Gorillas, Orang Utans, Delphine usw. interessieren, der nie die Chance hatte diese Tiere selbst mit eigenen Augen zu erleben. Ich behaupte wir hätten weltweit nie diesen Erfolg hinsichtlich Tierschutz, wenn es keine Zoos gäbe. Es macht schon einen Unterschied ob ich nur ein Bild sehe oder ob ich die Tiere auch mal hautnah sehen kann. Auch die Naturschutzgebiete wären sicher nicht so verbreitet, gäbe es die Tiergärten nicht. Und natürlich die weltweiten Spenden für diese Schutzzonen.

  4. Der Text ist nichts weiter als eine mehr oder minder unvollständige Zusammenfassung all der Plattitüden, die seit geraumer Zeit gebetsmühlenartig von Seiten der Delfinariumsbetreiber immer und immer wieder angeführt werden.

    Ich finde eine „engagierte“ Journalistin hätte sich durchaus die Mühe machen und wirkliche Fachleute konsultieren können, anstatt einfach die Argumente des Nürnberger Tiergartens wiederzukäuen. Aber vielleicht ist die Nürnberger Zeitung politisch doch ein wenig zu nah am Geschehen im Stadtrat, um unvoreingenommen berichten zu können. Schade eigentlich.. aber es gibt ja glücklicherweise noch andere Medien.

  5. Ich stimme Bernd Wollsperger zu, die Argumente sind – wie ich dem Artikel im Nürnberger Teil entnommen habe – die Argumente des Leiters des Delfinariums im Tiergarten. Klar, dass der sich entsprechend äußert.
    Dass der Tierschutz bei uns weltweit zu wünschen übrig lässt, ist ja kein Argument für „Käfighaltung“.
    Zudem ist es eine völlig unbelegte Behauptung, die Menschen würden den Tieren im Zoo unverhältnismäßig mehr Aufmerksamkeit schenken. Liebe Ute Wolf, schauen Sie sich doch mal die Seite der Delphinschutzorganisation an.
    http://www.delphinschutz.org/projekte/index.htm
    Hier werden viele Projekte gegen Treibnetzfischerei etc. initiiert.
    Und dass die Nürnberger reagieren, wenn es um den Zoo vor ihrer Haustür geht, ist ja wohl normal.
    In der Tat meine ich, man sollte die Zoohaltung grundsätzlich auf den Prüfstand stellen. Gorillas, die sich gegen die Glaswände werfen, wie ich es jedenfalls bei meinem letzten Besuch erlebte, machen keinen besonders glücklichen Eindruck.
    Ihre Aussage, dass die Elefanten oder Delfine schließlich nicht „freiwillig“ so weit unterwegs sind, sondern „zwangsweise“ auf Nahrungssuche, verblüfft mich nun wirklich. Wenn das ein Argument sein soll, dann frage ich mich, warum wir nicht alle Menschen ins Gefängnis setzen, denn dann müsste sich auch keiner von uns mehr mit Nahrungssuche, sprich Geldverdienen stressen!

  6. Katzen leben als Haustiere nicht artgerecht. Aber – aus menschlicher Perspektive – in vertretbarer Umgebung. Hunde haben ein vollkommen anderes Bewegungsbedürfnis, als es Menschen mit ihren bestenfalls ~ 5 Kilometer-Gassi-Spaziergängen bieten können.
    All das wird von Tierschützern überhaupt nicht mehr kritisiert.
    Stattdessen stürzt man sich auf Tiergärten. Natürlich, und kein Tiergarten bestreitet das, leben die Tiere dort nicht wie in freier Wildbahn. Aber: Sie leben dort unter strenger Aufsicht und in Gehegen, die heutzutage so viel wie möglich bieten, um die Art (den Umständen und Zwängen eines Zoos entsprechend) „gerecht“ zu halten. Es ist scheinheilig, wenn selbsternannte Tierschützer artgerecht ständig mit „wie in freier Wildbahn“ übersetzen, um dem Zoo dann vorzuwerfen, dass die Tiere nicht wie in freier Wildbahn leben. Natürlich leben sie nicht in freier Wildbahn. Aber sie leben in einem professionellen Umfeld, dem etwas an den Tieren liegt, dass freilich ökonomischen, aber eben auch wissenschaftlichen und pädagogischen Zwecken dient. Das ist in meinen Augen vollkommen in Ordnung, weil es hier eben nicht um einen Delfinzirkus geht, der demnächst als Kette in tausend anderen Städten ebenfalls zu bewundern sein wird, sondern um eine von wenigen solchen Anlagen, die ganz ausdrücklich in einem Zoo steht. Schließt Sealife, schließt Tierpensionen und Hühnerhöfe, aber bitte doch nicht gerade die Einrichtungen, die sich darum bemühen, die notgedrungen mangelhafte Tierhaltung einigermaßen tiergerecht zu handhaben.

    • @Mafri,

      ich danke Ihnen für die vernünftige und klischeefreie Argumentation, die wohltuend sachlich bleibt. Ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen!

      • @Heidi ja.. vielen dank. wie viele befürworter der lagune haben auch sie erfolgreich äpfel mit birnen verglichen..

        • @Kohlhaas,
          leider brabbeln Sie nur. Heidi hat an keiner Stelle irgendetwas verglichen. Das war Mafri in ihrem wirklich guten und wohltuenden Kommentar.

          Eines zeigt sich (zu meiner Freude) auch hier wieder. „Tierschützer“ schreiben schnell, aber unüberlegt. Und vor allem sie sind nicht informiert. Sie antworten, wie Sie eben, auf Themen, die sie glauben gelesen zu haben, und bringen alles durcheinander.

          Also erst mal informieren, dann nachdenken, dann handeln. Nochmal zum Mitschreiben: Wenn jemand etwas verglichen hat, war es Mafri und nicht Heidi.

  7. Ich gehe seit Jahren fast jedes Wochenende in den Tiergarten Nürnberg und muss daher auch einmal etwas zu dieser ganzen Geschichte sagen:

    Ja, Delfinhaltung ist umstritten und die Lagune ist lediglich eine Verbesserung, eine optimale Haltung wird es aber nie geben. Das selbe lässt sich jedoch für JEDES Tier, welches in der Obhut des Menschen ist, sagen. Jeder, der ein Haustier besitzt (sei es nun Hund, Katze, Nager, Reptil oder Fisch oder was auch sonst immer) muss sich genau dieselben Vorwürfe machen, die hier auch dem Tiergarten gemacht werden. Denn auch eine Hauskatze braucht weiten Auslauf, ein Kaninchen möchte buddeln, und ein Fisch weiter schwimmen als im Optimalfall ein bis zwei Meter in der Länge.

    Die Tierschützer, die sich hier also so überdimensional aufregen, dürften also selbst keine Tiere halten und auch weder Fleisch noch sonstige tierische Erzeugnisse zu sich nehmen (das Leben einer Milchkuh ist ja, gelinde gesagt, auch eher trist).

    Man kann sich doch nicht darauf Versteifen, dass Delfine ja ach so grausam behandelt und eingesperrt werden, aber dann sämtliche andere Tierarten (Haus- und Nutztiere eingeschlossen) ausser Acht lassen..

    Wass soll denn Ihrer Meinung nach mit den bereits in Gefangenschaft befindlichen Tieren geschehen? Wieder auswildern und sie qualvoll verenden lassen, weil bei vielen der Instinkt zum fischen nicht mehr voll ausgebildet ist, sie sich in den Weiten vermutlich nicht mehr zurechtfinden würden und schließlich in Stellnetzen enden? Oder lieber gleich alle abschlachten und in Thunfischdosen packen…

    Liebe „Tier-/ und Umweltschützer“: Wenn Ihr Euch doch sooo sehr um das Wohl der lieben Tiere sorgt, dann fangt doch bitte bei Projekten an, wo auch wirklich etwas erreicht ewrden kann: Protestiert vor Baumärkten, damit diese keine Tiere an unwissende Kunden verkaufen, die die Tiere dann falsch halten. Beschewert Euch über den Jura-Zoo in Neumarkt, wo Gruppentiere einzeln gehalten werden und der „Auslauf“ der Wallabys sich auf eine Fläche beschränkt, die kleiner ist als so mancher Schrebergarten…

    Oder noch besser, wenn’s denn schon Delfine sein müssen: Geht doch mal in die Länder, in denen wirklich etwas getan werden muss, wo Überfischung, Stellnetze und Abschlachten der Delfine noch zum guten Ton gehören!

    Was mich einfach ärgert ist, dass immer der Nürnberger Tiergarten der böse ist. Egal, was gemacht wird, alles ist falsch. Der Umgang mit Knut wurde in den Himmel gelobt, bei Flocke war alles falsch… Die Defin-Lagune ist ja für die Meisten nun der Höhepunkt.

    Was ist denn zum Beispiel mit dem Loro Parque auf Teneriffa?? Liebe Tierschützer, ihr habt doch sicherlich auch mal Urlaub, oder? Habt Ihr Euch dort schon einmal die Orcas angesehen?

    Ich möchte hier niemanden schlecht machen, aber wenn man schon den Mund aufreisst und für den Tierschutz ist, dann sollte man sich doch bitte nicht nur medienwirksame Projekte suchen, sondern a) wirklich etwsa tun und b) konsequent sein. Mit ihrem lustigen Regenschirm-Jogger und der Trauermusik machen sich die Herrschaften nämlich eher lächerlich und bezwecken… Richtig! Nichts, oder zumindest nicht viel! Das Geld für die Schilder hätte man auch in vernünftige Projekte stecken können… Die Lagune ist jedenfalls eh schon gebaut, wird sicherlich nicht wieder abgerissen werden, nur weil 10 Hanseln vor dem Tiergarten protestieren und ist in meinen Augen (und ich habe auch einmal Biologie studiert, bin also nicht ganz unbedarft) eine tolle Sache!

  8. Hallo Uwo,

    vielen Dank für diesen tollen Kommentar, den ich voll unterschreiben würde! Leider ist er nicht massentauglich … Die Masse an sogenannten Delfin-Freunden springt nur auf den Zug von „Quälerei“ auf, ohne sich über die Haltungsbedingungen in Nürnberg oder die dort lebenden Tiere zu informieren. Beispiel: Im Forum der Augsburger Allgemeinen schreibt jemand, Moby (mit 51 einer der ältesten Großen Tümmler der Welt) würde gezwungen werden, am Fitnessprogramm teilzunehmen. Außerdem hätte er oben am Kopf eine offene Wunde und würde zwangsernährt. Richtig ist (ich habe mich schon mehrfach hinter den Kulissen des Delfinariums informiert und die Delfine selbst kennengelernt): Moby macht begeistert Sprünge. Er hat keine offene Wunde, sondern die Narbe auf seinem Kopf ist schon Jahrzehnte (!) alt. Er wird nicht zwangsernährt, sondern er bekommt Süßwasser zugeführt, da bei ihm altersbedingt die Nieren nicht mehr so gut arbeiten. Diese Maßnahme sowie notwendige medizinische Untersuchungen machen ihm und seinen Artgenossen nichts aus, da sie im Vorfeld x-mal spielerisch geprobt wurden. Aber auch durch Argumente und Tatsachen sind sie nicht zu bremsen – die vermeintlichen Tierfreunde. In ihren Augen werden die Delfine in Nürnberg und anderen deutschen Einrichtungen „gequält“ und damit basta. Ich habe am Samstag vor den Toren des Tiergartens selbst erlebt, wie etwa 30 Demonstranten gebetsmühlenartig irgendeinen Text herunterleierten, der von Andreas Morlok von ProWal „dirigiert“ wurde. Auch wenn die Vorwürfe von ProWal und WDSF (eine Organisation, die von einem Steuerbereater aus Hagen ins Leben gerufen wurde) nicht haltbar sind, es wird weiter nachgesprochen – und leider machts die Masse – auch wenn es ganz bestimmt nicht zum Wohle der Delfine ist.
    Ich freue mich über eine weitere sachliche Berichterstattung hier auf der Seite!

  9. Sehr geehrte Frau Wolf,

    Ihr Artikel in allen Ehren, aber die Argumentation darin halte ich für absurd. Vielleicht geht Ihnen – und nicht nur Ihnen! – anhand folgender Analogie ein Licht auf:

    >> Ob ein Journalist freiwillig zur Arbeit geht, diese Frage lassen Delfine außen vor. Denn wie die meisten anderen Exemplare der Gattung „homo sapiens“ tut er dies hauptsächlich aus einem Grund: Er ist jeden Tag gezwungen, stundenlang einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, um sich vom verdienten Lohn Nahrungsmittel kaufen zu können. Dafür müssen Journalisten heutzutage wegen des Internets viel gründlicher nachdenken, als es noch vor einigen Jahr(zehnt)en der Fall war. Dass Journalisten dabei aus reinem Spaß an der Freud´ den täglichen Weg zur Arbeit zurücklegen, ist nichts als eine Annahme von Delfinen, die ihre tierliche Freude an Bewegung in Freiheit einfach auf zum Erwerbsleben gezwungene Menschen übertragen. Sie lassen auch geflissentlich die Tatsache außer Acht, dass jedes Jahr allein auf bundesdeutschen Strassen mehr als 3000 frei lebende Menschen jämmerlich zu Tode kommen – in Kraftfahrzeugen, überfahren als Fußgänger oder auf andere grausame Weise. <<

    Solcher Logik gemäß gehört das Säugetier namens "Mensch" ebenfalls eingesperrt, vorzugsweise in Einzelhaft, damit Exemplare dieser Gattung sich nicht gegenseitig Schaden zufügen oder anderweitig verunfallen können. So zu argumentieren halte ich aber für völligen Nonsens!

    Bevor Sie uns neuerlich mit unhaltbaren Plädoyers beglücken, studieren Sie bitte einmal die Physiologie von Delfinen – insbesondere deren Echoortungssystem -, und das, was passiert, wenn Delfine dies in einem besseren Aquarium wie die "Lagune", dessen Wände den Schall reflektieren, einsetzen. Es verhält sich genau so, als wenn Sie in einem engen, stark hallenden Raum eingesperrt wären und sprächen. Vor lauter Widerhall verschlüge es Ihnen dann nämlich glatt die Sprache.

    Bitte nehmen Sie daher einfach zur Kenntnis: DIE DELFINLAGUNE IST KEIN TIERASYL, SONDERN EIN DELFIN-KNAST, der mit der Zur-Schau-Stellung der gefangenen Tiere knallharten Profit erzielen will!

    Ihre Schlußfolgerung "dann müssten konsequenterweise Zoos überhaupt abgeschafft werden" kann ich nur unterschreiben: Ja, Zoos überhaupt gehören abgeschafft! Denn eine wesensgerechte Haltung gibt es für Tiere ebensowenig wie für Menschen, wesensgerecht ist NUR DIE FREIHEIT!

    Jede und jeder, der anderes behauptet, soll mir im Selbstversuch das Gegenteil beweisen und sich lebenslänglich einsperren lassen, bei voller Kost und Logis versteht sich. Spätestens bei Verlust der eigenen Freiheit sollte ihm oder ihr auffallen, wie kostbar dieses Gut eigentlich ist. Was – leider! – noch nicht in jedermenschs Hirn verankert ist: Auch nichtmenschlichen TIERE LIEBEN IHRE FREIHEIT. Über 20 tote, in Gefangeschaft befindliche Delfine in Nürnberg sprechen eine deutliche Sprache, die mensch zu verstehen sich erst einmal die Mühe machen sollte, bevor er oder sie noch irgendwelchen Nonsens zu diesem Thema verfasst!

    • Die Analogisierung des Problems mit dem Leben des Menschen ist geradezu abstrus. Delphine sind keine MENSCHEN, teilen weder unsere Ethik noch eine derartige Liebe zur Freiheit!!! Mit ihnen diskutiere Ich jedenfalls nicht mehr weiter….

      • @Jürgen,
        leider benehmen Sie sich wie ein Mensch, der angesichts der skrupellosen Ausbeutung von Tieren blind die Augen verschließt und nichts sehen will, nichts hören will und nichts sagen will. Natürlich sind Delphine keine Menschen, teilen sicher auch nicht unsere Ethik, sind aber ebenso erpicht wie andere (Säuge-)Tiere auf ihre individualle Freiheit. Zur Erhellung jeglicher Sachverhalte haben SIE jedenfalls NICHTS beigetragen und disqualifizieren sich damit selber.

  10. @rüdiger: leider kann ich im thread nicht nach ihren vorgaben passend antworten.. deshalb hier…

    „… Heidi hat an keiner Stelle irgendetwas verglichen. Das war Mafri in ihrem wirklich guten und wohltuenden Kommentar. “

    erwischt.. hier haben sie nen drops.. können sie bei der nächsten klugscheißer-party lutschen.

  11. Weil Delphine im Ozean deutlich mehr schwimmen, ist weder geklärt, dass es für sie essentiell ist sich in diesem maße fortzubewegen, allerdings auch nicht das Gegenteil bewiesen. Man könnte argumentieren, Delphine könnten ihren zu welchem Grad auch immer gearteten Bewegungsdrang in der Lagune zu einem gewissen Grad ausleben, man kann allerdings auch einfach das Gegenteil behaupten. Wer weiß, oder besser, wer definiert, den Bewegungsdrang den ein Delphin angeblich besitzen soll? Ist es für einen Delphin wirklich von essentieller Bedeutung hunderte Kilometer täglich zurückzulegen?
    Die Autorin scheint hier auf einen Einzelaspekt der Gegenseite hereingefallen zu sein. Sie entlarvt den von welcher colouer auch immer abgefassten Beitrag „Delphine haben im Zoo zu wenig Platz, weil sie sich in Freiheit viel mehr bewegen“ als voreilig und keineswegs stichhaltig, missachtet aber gleichzeitig die Tragweite des tatsächlichen Gesichtspunkt „Bewegungsdrang“ , der den Tieren ja tatsächlich zu eigen sein könnte. Die zentrale Frage hierbei, wie ist dieser Bewegungsdrang motiviert? Durch Hunger? ist er ein genuin „delphinischer“ Trieb oder dient einfach der Reizsättigung. Wenn es ein delphinischer Urtrieb ist wie hängt dann die stetige Andersartigkeit um den Delphin herum damit zusammen? Ist sie für die Befriedigung notwendig? Wenn es ein Trieb ist der ohne Reizsättigung ist er leicht zu befriedigen, nämlich durch stumpfes Schwanz hoch und Runterschlagen. Wenn es ein Trieb ist der evolutionstechnisch tiefer liegt, wiegt seine Vernachlässigung dann schwerer? Wahrscheinlich handelt es sich aber um eine Gemengelage. Ich wünsche mir, dass dieser obskure Trieb charakterisiert wird und hier leidenschaftlich-laiehaft auf basis von „common sense“ spekuliert wird. Also nochmal die Fragen: ist dieser Trieb an Reize gebunden, Reize gegenständlicher Natur, oder an die ganze Umwelt, dem Hunger geschuldet, evolutionstechnisch tiefer angesiedelt, und zuletzt, ist er entscheidend?

    • @Jürgen,

      also, ich weiß jetzt nicht genau, ob in Ihrem/Deinem Beitrag mit „Autorin“ ich gemeint bin als Autorin des ursprünglichen „Plädoyer für die Lagune“, oder ob sich Ihre/Deine Antwort an eine der obigen weiblichen Kommentatorinnen richtet. Diese Debatte ist mittlerweile ja doch etwas unübersichtlich, was zum Teil auch an technischen Problemen hängen mag (ob man jemandem direkt antworten kann oder einen Extra-Kommentar abgeben muss, weil es technisch gerade anders nicht funktioniert – was anscheinend bei „Kohlhaas“ der Fall war, wenn ich es richtig verstanden habe).

      Sollte ich als Autorin gemeint gewesen sein, dann möchte ich kurz folgendes antworten: Die Tragweite des Gesichtspunkts „Bewegungsdrang bei Tieren“ habe ich nicht missachtet – sie ist mir durchaus bewusst. Ich bin allerdings in meinem Blog-Beitrag nicht tiefergreifend darauf eingegangen, weil das Posting sonst für meine Begriffe einfach zu lang und kompliziert geworden wäre. Ich nehme mal (von meiner fast 30-jährigen Erfahrung als Journalistin ausgehend) an, dass Artikel, die zu lang sind, einfach nicht oder zumindest nicht ganz gelesen werden. Und da ich hier ja nur ein Tier-Blog betreibe und kein wissenschaftliches Forum, habe ich die Frage, ob der Bewegungsdrang bei Tieren auf echte Freiheitsliebe (die die meisten Menschen auszeichnet) zurückgeht, oder auf die schlichte Notwendigkeit, zu jagen oder vor Feinden bzw. anderen Gefahren zu fliehen, um nicht zu verhungern bzw. getötet zu werden, beiseite gelassen.
      Ich denke, das ist in diesem Rahmen legitim, oder?

      • @uwo, ja das ist richtig 🙂
        Sie wollten einfach die mangelnde Stichhaltigkeit des Arguments “ Delphine schwimmen in Freiheit 100 Kilometer ,deswegen können wir sie nicht in Gefangenschaft halten“ aufzeigen, und mehr auch nicht, achso 🙂 Sie missachten also auch nicht das und das, weil es sich hier um diesen Blog nicht um eine wissenschaftliche Disskusion handelt, ja das leuchtet irgendwie ein. Ich finde sie machen ihre Sache gut 😉
        Mir war glaub ich ein wenig langweilig….

      • Ja sie haben Recht, mir scheint doch ein wenig langweilig gewesen zu sein…
        Entschuldigung, was ich da geschrieben habe, ist schon ein wenig unpassend und vielleicht ihnen gegenüber auch ein wenig unhöflich gewesen. Besonders die letzte Reihe an Fragen, klingt so als würde ich die Mangelhaftigkeit ihres Blogs, der ja bloß einen kommentatorischen Auschnitt der gesamten Disskusion bieten sollte, anklagen. Das wollte ich aber gar nicht. Ich hab einfach Mal den Punkt aufgegriffen und vertieft, daran sollte die Oberflächligkeit mancher Argumentation sichtbar werden….
        Ich finde sie machen ihre Sache gut, wirklich nur weiter so ;).

        • @Jürgen,
          danke für Ihr Lob, so etwas tut gerade bei der Delfin-Debatte gut.
          Ansonsten kann ich nur sagen: Es gibt keinen Grund für Sie, sich zu entschuldigen! Ich habe Ihren Kommentar überhaupt nicht als unhöflich oder negativ empfunden. Da gibt es genügend andere, die unverschämt sind – und das auch noch mit Absicht!

  12. Delphinhaltung in Zoos sollte wenn sie stattfindet eine Bestmöglichste sein. Ob dieser Zustand des Bestmöglichen erreicht werden kann ist von Art zu Art unterschiedlich. Im Allgemeinen gilt: je komplexer das Tier und je komplexer sein Lebensraum, desto schwieriger ist eine Haltung, die dem Tier wohl eine gute und vielleicht sogar eine bessere Alternative zur freien Natur bietet. Allerdings spielt der Aspekt des Lebensraum eine zumeist untergeordnete Rolle. Das Tier hat sich an Lebensräume nicht dahingehend angepasst, dass es sich bestmöglichst wohlfühlt, sondern dahingehend das es sich bestmöglichst reproduzieren und überleben kann. Die Haltung eines Tier muss also weder an der Simulation eines Lebensraumes, was einfach nicht zu leisten ist, orientiert sein, sondern, hier wird es wichtig, an der Auslebbarkeit seiner Bedürfnisse und Triebe. Ich behaupte hier, es ist dem Eisbären, egal ob er 2000 Kilometer durch die Tundra streift oder ob er vielleicht nur im Kreis laufen kann, sofern ein ähnlicher Pegel an Beanspruchung, bestehend aus stetiger Konfrontation mit Neuem andererseits aber auch mit Entlastungs- und Rückzugsmöglichkeiten erreicht wird. Was in Freiheit vielleicht die Robbenjagd ist, ist im Zoo vielleicht eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Nachbarbär, die variable Fütterungszeit sorgt vielleicht für einen steten Zustand der Angespanntheit, und so weiter. Dem Eisbären ist es einfach egal ob er sich auf Eis oder auf Sand bewegt.
    Dieser Artikel hat die Verurteilung der Delphinhaltung in Nürnberg als voreilig entlarvt. Die Frage ist ob das Zurücklegen von Hunderten Kilometern in der Wildnis oder anderer Verhaltensweisen die, die Delphine an den Tag legen, als dermaßen essentiell für das Wohlbefinden der Tiere einzustufen ist, als dass es nicht durch andere Möglichkeiten der Beanspruchung ersetzt werden könne. Man könnte argumentieren, bei wie in Tiergärten üblicher Dressur werden die Tiere seelisch als auch körperlich gefördert. Den Delphinen steht das Ausbilden von komplexen Sozialgefügen offen, da eine Palette von Tieren gehalten wird, die Seelöwen und spezielles Spielzeug bieten weitere Möglichkeiten des „Enrichments“. Was die Delphinhaltung vielleicht ebenso signifikant verbessern könnte ist, die Gegebenheit, dass sich Delphine nun mit der Verwirklichung der Lagune nun vor dem Konflikt mit anderen Tieren zurückziehen können. Ob jetzt aber wirklich die Bemühungen des Tiergartens, ausreichen um der Art des Delphins gerecht zu werden ist aber nicht eindeutig zu beantworten. Das ist eine Frage, die nicht von zwei verfeindeten unwissenschaftlichen Lagern, aufgenommen werden kann , sondern in die Hände von Experten gehört und genau als solche haben sich die Verantwortlichen des Tiergartens bisher präsentieren können. Sie befinden die Haltung der Delphine gemäß der Indikatoren wie Stresspegel und Aktivität der Tiere insgesamt als gut, zeigten sich aber ob des Todes der vielen Kälber bestürzt, und ziehen sogar die langfristige Schließung der Lagune und die Aufgabe der Delphinhaltung als nicht artgerecht in Betracht (Interview, Dag Encke mit der Süddeutschen), würde sich kein Ende des Kälbersterbens abzeichnen. Das sorgt für Glaubwürdigkeit, die nötige Sensibilität für eine funktionierende oder eben nicht funktionierende Tierhaltung zu besitzen. Wohingegen Peta und alle anderen Delphinfreunde noch ein wenig nachlegen müssen um nicht weiterhin als diejenigen da zustehen, die fast schon einer Ideologie folgend, stets aus der massiven Unterschiedlichkeit zwischen Lebensraum und Zoogehege heraus, den verdächtig naheliegenden Schluss ziehen,“ Zoohaltung sei generell schlecht“. Natürlich müssen wir die Tiere achten und ihnen Rechte zubilligen, sie empfinden Schmerz und Gefühle. Ich bin selbst den Tieren zu Liebe Vegetarier. Doch konsequent jegliches Tier zu vermenschlichen, das führt zu weit. Tiere stellen einfach keine so hohen Maßstäbe an ihren jeweiligen Lebensraum wie wir Menschen, sie sind einfach nicht so komplex und vielschichtig. Soeben hab ich einen Käfer zerdrückt und keine Reue dabei empfunden. Je näher ein Tier dem Menschen kommt umso mehr verdient es seine Rechte. Auch wenn es Arten sind die uns näher kommen als Andere, Vergleiche mit Menschen hinter Gittern verbieten sich. Das sollte doch klar sein. Da kann es einem schon ein wenig libertär ums Herz werden, wenn man die Beharrlichkeit betrachtet mit der die „Tierfreunde“ das Pathos der Freiheit verinnerlicht haben. Ja Kuh Yvonne, kämpf dich ins Freie! siehe Internetseite Peta…

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