Eisbärenhaltung: ja oder nein?

Gerade eben, bei der Anmeldung in mein Blog, habe ich es erst gesehen: Der letzte Beitrag über die Fledermäuse war das 600. Posting für „Achtung, Wolf!“. Nicht schlecht! Bei der Gelegenheit danke ich allen, die mich regelmäßig auf meinem Blog besuchen – besonders denjenigen, die sich die Mühe machen, ab und an einen Kommentar zu hinterlassen. Bei der „Nürnberger Zeitung“ würden wir sagen: „Wir danken unseren treuen Lesern“.

Aber nun zu Beitrag Nummer 601. Er dreht sich – mal wieder – um Eisbären. Genauer gesagt, um die Eisbären im Berliner Zoo. Seit dem Tod von Superstar Knut im vergangenen März ist das Thema ja immer wieder hochgekocht, weil man in Berlin nach wie vor nicht recht weiß, wie und wo man eine angemessene Erinnerungsstätte für den weltberühmten Eisbären einrichten soll (ich habe hier darüber auch berichtet).

Nun beginnt aber auch die Debatte um die Eisbärenhaltung im Berliner Zoo von neuem. Der Streit darüber ebbt ja seit Knuts zum Tode führender Gehirnentzündung nicht ab. Ach, eigentlich ging er bereits in dem Augenblick los, als Knut von seiner Mutter verstoßen wurde und es zur Handaufzucht durch Knuts „Ersatzmutter“ Thomas Dörflein kam.

Nun hat man zur Verstärkung der Berliner Eisbärengruppe offenbar eine junge Bärendame aus einem russischen Zoo geholt. Das Tier soll zwei Jahre alt sein und noch hinter den Kulissen gehalten werden, damit es sich erst mal in Ruhe an die Berliner Luft gewöhnen kann. Die Zooleitung will den Neuling wohl demnächst der Öffentlichkeit präsentieren.

Für die junge Eisbärin hat der russische Zoo, in dem sie zuletzt lebte, drei Elefanten aus Berlin bekommen. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP. Doch dieser Tier-Austausch ist der Auslöser für die unselige Debatte, die wir in Nürnberg vor ein paar Wochen aus Anlass der Eröffnung der Delfinlagune hatten: Können bzw. dürfen Tiere wie Große Tümmler oder Eisbären in Zoos überhaupt gehalten werden?

Tierschutzaktivisten sagen erwartungsgemäß: Nein, eine artgerechte Haltung sei in Zoologischen Gärten nicht möglich, selbst wenn die Anlage noch so schön gestaltet ist. Eisbären würden in Gefangenschaft auf engem Raum grundsätzlich Stereotypien entwickeln, also beispielsweise ständig auf einer bestimmten Strecke in ihrem Gehege hin- und herlaufen oder dauernd den Kopf heben und senken. Analog zur Abschaffung von Delfinarien fordern die Gegner der Eisbärenhaltung, diese nach und nach einzustellen. Das hatten wir in Nürnberg bei Flocke ja auch schon. Andererseits brach um das süße weiße Knuddel-Baby eine regelrechte Hysterie aus, die allerdings nie an den Hype um Knut heranreichte.

Ich möchte dazu nur eines sagen: Die gleichen Voraussetzungen wie in der Natur kann kein Zoo irgendwelchen Tieren bieten. Ein Zoo ist aber in der Lage, für eine artgerechte Haltung zu sorgen, auch bei Eisbären. Das tut der Tiergarten Nürnberg mit seiner wunderschönen Anlage im Aquapark auf jeden Fall; der Berliner Zoo müsste wohl zumindest Teile seiner Eisbären-Anlage neu gestalten, soweit ich das von Nürnberg aus beurteilen kann.

Aber diese Argumentation wird den Tierschutzaktivisten, allen voran der Organisation PETA, wieder gar nicht schmecken. – Stört mich aber nicht!!!

5 Kommentare in “Eisbärenhaltung: ja oder nein?

  1. Hallo Ute,
    erst mal Glückwunsch zu 600, nein 601 Berichten!

    Zum Thema „artgerecht“.

    Das Wort allein schon ist ein Kunstwort und niemand kann sagen, was „artgerecht“ überhaupt ist. Alle, auch die „Tierschützer“ sagen immer wieder nur „nicht artgerecht“.

    Ich finde, ein Tier soll sich wohlfühlen können, auch in einem Zoo. Ich denke, das ist in Nürnberg eher gegeben als in einer wegen des Klimawandels zunehmend reduzierten Eis-Insel-Welt.

    Was muss das für ein Stress sein, wenn Eisbären hunderte Kilometer in offenem Wasser schwimmen müssen, weil kein fester Untergrund mehr vorhanden ist, um dann, vor Erschöpfung, kurz vor Erreichen eines Eisscholle ertrinken zu müssen.

    Seit es Menschen gibt, haben sie bewusst oder unbewusst den Lebensraum der Tiere zerstört, auch in der sogenannten „Freiheit“

    Insofern ist es scheinheilig zu sagen: Artgerecht sei nur die Freiheit. Die märchenartige, romantisch verklärte Freiheit, an die die „Tierschützer“ glauben, gibt es draußen nicht mehr!

  2. Eine wichtige Frage, die dank der Klimaerwärmung sicher noch an Aktualität gewinnt. Ich finde die Zoohaltung von Eisbären problematisch. Laut Peta sind immerhin 90% der Eisbären in deutschen Zoos verhaltensgestört. Außerdem lassen sie sich nicht auswildern, so dass ein wichtiges Argument für die Arterhaltung schon mal entfällt. Vielleicht war der Tod von Knut also für uns alle nur ein Signal!

    • @Monika,

      Naja, das ist eine Aussage von PETA. Frank Albrecht ist mal kurz durch die Zoos gerast, in der Regel einmal, und hat ein Video gedreht und das eingestellt. Das war keine Untersuchung. Die 90% hat PETA aus einer Doktorarbeit entnommen, ohne die richtig zu lesen, dann hätten die auch die richtigen Zahlen herausgefunden.
      Ja, es gibt viele Eisbären, die verhaltensgestört sind. Das ist richtig, aber es ist doch die Frage, ob sie leiden. Jeder kennt die Lauferei von Tosca, aaber sie macht das nicht den ganzen Tag, sondern max. 15% des Tagesablaufes, und das ist der schwerste Fall in Deutschland. Das ist eine knappe Stunde. Schadet es dem Tier? Leidet es?

      Auch Menschen haben Verhaltensstörungen. Das Kleinkind das am Daumen nuckelt. Der Sportler, der stundenlang imWald läuft und ohne nicht sein kann. Der Raucher, der sich eine Zigarette anzündet, wenn er das Auto startet. Das sind auch Verhaltensstörungen, aber leiden diese Menschen? Leidet das Tier im Zoo?

  3. Liebe Monika, sicherlich sind die Zahlen von Peta ein trauriger Befund, doch sie täuschen über die aktuellen Tendenzen der Eisbärenhaltung hinweg. Früher war die Eisbärenhaltung in allen Zoos diesselbe: 2,3,4 oder 5 Polarbären, die auf der Fläche eines Vorgartens zwischen Felskulisse und Wassergraben hin und herwandern, die ab und an stereotypische Tänze vollführen, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig terrorisieren, wie jüngst bei Knut in Berlin. Ein wirklich unhaltbarer Zustand, der nach Veränderung schreit war das damals. Man werfe einen Blick nach Nürnberg und stelle fest, heute ist hier alles ganz anders! Natürliche Aufzucht der Jungen, früher unddenkbar, da waren alles Flaschenkinder wie in Amerika auch heute noch. Gehege mit Naturboden, allerlei Coloeur, eine ausladende und auch tiefe Wasserfläche mit Inseln zum drunterdurch tauchen, ein reichhaltiges Angebot verschiedener Beschäftigungsmöglichkeiten, unteranderem eine variable Fütterungszeit, die Tiere in angespannten Zustand halten möchte. Wichtig ist nicht ein scheinbare Arktis nachzubilden, sondern den Tieren, die Möglichkeit zu geben alle ihre Triebe auszuleben. Obwohl es der Natur des Eisbären zu widersprechen scheint, kann auch ein vergesellschaftes Halten zusammen mit anderen Eisbären, den Tieren einen nötigen Anstoß bieten, und ist insofern „artgerecht“ als auch „naturgerecht“, indem den Tieren eine Rückzugsmöglichkeiten, also die Chance gegeben ist sich auszuweichen. Auch dieser Punkt ist in Nürnberg erfüllt. In Nürnberg muss man sich meines Erachtens wirklich anstrengen, um an den Tieren unsachgemäße Haltung abzulesen. Sie sehen also Eisbärenhaltung ist nicht gleich Eisbärenhaltung!

    Um Mängel der Eisbärenhaltung in anderen Zoos anzuprangern, wie beispielsweise im Zoo Berlin, wo überhaupt nichts zusammenzulaufen scheint, stehe ich allerdings auf ihrer Seite. Aber deswegen den Zoo, der neuerdings, ja nebenbei auch noch das Wohl der Tiere im Blick zu haben scheint, zu boykottieren kann nur den unergründlichen Hirnen der Peta-Ideologen entsprungen sein ;).

  4. Liebe Ute,
    auch ich möchte Ihnen zu 601 Berichten gratulieren, bei denen ich vor allem Ihre Sachlichkeit schätze. Ich bin der Meinung, dass kein Zoo Tiere artgerecht halten kann, dass aber sehr viele Zoos ihre Tiere so artgerecht wie möglich halten – darunter auch der Nürnberger Tiergarten. Ich finde es großartig, dass Delfine, Seelöwen und vor allem Manatis jetzt viel mehr Platz haben.
    Ach ja laut PETA laufen die Eisbären ja täglich hunderte von Kilometern. Wie das allerdings möglich sein soll, bei schmelzenden Gletschern, bei immer später zufrierenden Meeren – da hat PETA sicher auch eine Lösung.
    Ich besuche einmal in der Woche unseren Tiergarten und halte mich sehr viel bei den Eisbären auf. So etwas würde ich den sogenannten Tierschützern auch mal empfehlen. Wenn mann die Lebens- und Spielfreude der zwei Buben Aleut und Gregor erlebt, die souveräne, liebevolle Haltung ihrer Mutter Vera und dann immer noch behauptet, die Tiere würden Stereotypien haben oder Mangelerscheinungen – also tut mir leid, dem ist nicht zu helfen. Ich unterstütze Tierschutzprojekte, die sich um gequälte Bären in Bulgarien oder Rumänien kümmern: DAS ist für mich Tierschutz! Aber nicht, wenn ein paar mediengeile Typen jede Möglichkeit zu einer Schlagzeile nutzen, und wenn das bedeutet, dass sie dagegen sind, dass Tiere wie Noah, Moby und die Mädels; die Seelöwen; Zorro, Mara und Herbert mehr Platz haben!

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