Wenn Beutelratten alt werden

Gerade erst war sie in der neu eröffneten Tropenhalle “Gondwanaland” des Leipziger Zoos nach mehrmonatiger Abstinenz ans Licht der Öffentlichkeit zurückgekehrt, schon macht sie die ersten Negativ-Schlagzeilen:  Das schielende Opossum Heidi zeigt angeblich erste Alterserscheinungen. Hat jedenfalls die „Bild“-Zeitung behauptet, und wenn die irgendeinen tierischen Laut von sich gibt, müssen sich Zoo-Verantwortliche hinterher leider von den Nachrichtenagenturen dazu befragen lassen. Anscheinend muss bei denen auch ein riesengroßes Sommerloch gefüllt werden.

Nun könnte man natürlich fragen, warum ich dann auch noch auf das Thema aufspringe. Aber es ist leider immer so eine Sache: Tut man es nicht, heißt es, man ist nicht auf dem neuesten Stand der Dinge. Tut man es, macht man sich derselben Sensationsgeilheit verdächtig, die das Springer-Blatt kennzeichnet.

Also: Heidi soll unter Rückenschmerzen leiden. Das liegt wohl auch einfach daran, dass die Beutelratte bereits dreieinhalb Jahre auf dem Buckel (!) hat, und mit dem Alter kommen bekanntlich die Wehwehchen. Heidis Artgenossen in freier Wildbahn werden nur ganz selten so alt – und vor allem auch nicht so fett, wie Heidi es war, bevor sie von Dänemark nach Leipzig umzog. Dort musste sie bekanntlich erst mal abspecken. Aber ihr einstiges Übergewicht rächt sich jetzt eben.
Sollte der sächsische Zoo für die Zukunft mit süßen Babys von Heidi geliebäugelt haben, die schließlich noch mehr Publikum ins anscheinend permanent überfüllte  „Gondwanaland“ gelockt hätten, so musste er diese Hoffnung mittlerweile fahren lassen. Für Nachwuchs ist Heidi schlichtweg zu alt. Sie lebt jetzt auch nicht mehr mit ihrem Partner Teddy zusammen, nur noch mit ihrer gleichaltrigen Schwester Naira. Das ist auf jeden Fall stressfreier für sie.