WG komplett, Frauenquote erhöht

Die neue große Attraktion des Nürnberger Tiergartens ist natürlich die Lagune für Delfine und Seelöwen mit dem dazugehörenden Manatihaus. Seit Eröffnung der Anlage strömen die Besucher an Wochenenden und während der Schulferien in Scharen in den Zoo am Schmausenbuck. Trotzdem erreichen die Besucherzahlen nicht die Werte aus der Vergangenheit, als sich an Spitzentagen 16 000 bis 17 000 Menschen durch den Tiergarten drängten. Die Zooleitung kann aber bisher zufrieden sein mit dem großen Interesse, das der Lagune entgegengebracht wird – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass vor der Eröfnung geunkt wurde, wegen der erhöhten Eintrittspreise würden die Besucherzahlen einbrechen.

Mittlerweile hat sich die größte Aufregung gelegt, und der Besucheransturm hält sich, seit das neue Schuljahr begonnen hat und die Urlaubszeit vorbei ist, in Grenzen. Zeit, anderen Zoobewohnern endlich wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen wie die Großen Tümmler. Da hätten wir zum Beispiel die Kleinen Pandabären, auch Katzenbären genannt. Kenner des Nürnberger Tiergartens werden sich erinnern, dass diese Tiere vor über drei Jahren auf rätselhafte Art zu Tode kamen. Ein Muntjak-Hirsch war ausgeflippt und hatte das Panda-Pärchen gemeuchelt.

Der Vorfall hatte dem Tiergarten wieder mal einige Kritik beschert: Geradezu unverantwortlich sei es, Muntjaks und Katzenbären in derselben Anlage zu halten! Aber auch in anderen Zoologischen Gärten leben beide Tierarten zusammen, und zwar einträchtig. Und deshalb hat man sich in Nürnberg nun doch entschlossen, die Wohngemeinschaft zu reaktivieren. Nach langer Suche innnerhalb des Europäischen Erhaltungszucht-Programms (EEP) wurde  man in Aalborg fündig: Von dort stammt das junge Pandaweibchen, das jetzt im Tiergarten eingezogen ist. Den Winter über muss die Katzenbärin allein in ihrem neuen Zuhause ausharren, bevor sie im nächsten Frühjahr Gesellschaft von einem Panda-Männchen bekommt.

Damit die Kleinen Pandas künftig vor den Muntjaks sicher sind, wurde der Stall umgebaut: Die Pandas haben in allen Abteilen sozusagen eine exklusive zweite Etage zur Verfügung. Im Außengehege können sich die Katzenbären außerdem in zwei Unterschlupfhütten in den Bäumen zurückziehen. Die Besucher müssen allerdings – wie früher auch schon – etwas Geduld und Entdeckergeist mitbringen, wenn sie die Pandadame sehen wollen. Denn sie ist die meiste Zeit in den Bäumen unterwegs und versteckt sich gerne.

Die Waldrappe im Tiergarten verstecken sich zwar nicht, sie werden aber vom Publikum – leider! – meist links liegengelassen. Und das im wörtlichen Sinn: Diese in freier Natur fast ausgerottete Ibisart wird im Tiergarten nämlich in der großen Vogelvoliere links vor der Raubtier-Anlage gehalten. Da geht man schnell dran vorbei, zumal, wenn man mit Vögeln nicht so viel am Hut hat.

1971 begann man am Schmausenbuck mit der Zucht dieser Tiere. Jahrelang hat das gut geklappt – bis 2005. Seitdem ist kein einziger Waldrapp mehr geschlüpft. Woran das lag? Ganz einfach: In der Voliere gab es zu wenig Frauen. Das herauszufinden, war gar nicht so einfach: Das Geschlecht der einzelnen Vögel musste molekulargenetisch durch eine Untersuchung der Waldrapp-Federn bestimmt werden. Durch Vermittlung des EEP wurde die Nürnberger Waldrapp-Truppe jetzt altersmäßig aufgefrischt und die Frauenquote erhöht. Nun sollte es also wieder flutschen beim Waldrapp-Nachwuchs.

6 Kommentare in “WG komplett, Frauenquote erhöht

  1. Wieder einmal ein interessanter Artikel, uwo! Ich finde es gut, wenn auch einmal die anderen Tiere des Zoos vorgestellt werden.

    Der Satz „Trotzdem erreichen die Besucherzahlen nicht die Werte aus der Vergangenheit, als sich an Spitzentagen 16 000 bis 17 000 Menschen durch den Tiergarten drängten.“ hat natürlich erwartungsgemäß die Delfinariengegner wieder auf den Plan gerufen ;o)) So schreibt ProWal in facebook: „Delfin-Lagune in Nürnberg – Ein Flopp? Frühere Besucherzahlen des Zoos in Nürnberg werden nicht mehr erreicht“

    Dazu muss ich einfach auch einen Kommentar abgeben: 2010 besuchten laut Tiergarten 933.107 Menschen den Zoo. Zwischen dem 30. Juli und dem 16. August 2011 (also in einem Zeitraum von gerade mal einem halben Monat!) waren es 130.000 Menschen, die den Schmausenbuck ansteuerten. Ich finde, diese Zahl kann sich durchaus sehen lassen und ein Flop (mit einem „p“ ist übrigens laut Duden die richtige Schreibweise ;o)) sieht meiner Meinung nach ganz anders aus. Zum Beispiel wenn gerade mal 10 Aktivisten bei einer groß angekündigten und spektakulär in Szene gesetzten Veranstaltung mitmachen …

  2. Die Anzahl der Delfinariengegner spiegeln sich auch in diesen Zahlen wieder.

    Jahr/Besucher

    2005: 1.130.453

    2006: 1.101.716

    2007: 1.062.000

    2008: 1.281.286 (Flocke-Jahr)

    2009: 1.039.115

    2010: 933.107

    ———-

    200.000 weniger Besucher, in nur fünf Jahren! Der Tiergarten fährt jedes Jahr etwa 3 Millionen € Verlust ein, die der Steuerzahler zu tragen hat. Wenn heute noch weniger Besucher als in der Vergangenheit kommen, mit was möchte der Tiergarten denn dann seinen Kredit für die Delfin-Lagune tilgen?

    Die Empfehlungen des teuren Wirtschaftsgutachtens von Rödl & Partner hat man ignoriert. Die Baukosten liegen lt. Aussage von Maly mindestens 3 Millionen € über den ursprünglich geplanten Kosten von 24 Mio. €. Im Rathaus kursieren Zahlen von ca. 30 Millionen €!

    Das Konzept ist heute schon gescheitert. Ja, die Delfin-Lagune ist ein Flop für den Nürnberger Tiergarten.

  3. Weil Morlock es liebt, den Tiergarten Nürnberg generell schlecht dastehen zu lassen, hört er mit seiner Aufzählung im zugegebenermaßen schlechten Jahr 2010 einfach auf. Was aber ist 2011?

    Siehe dazu http://www.tiergarten.nuernberg.de/v04/News-single.199+M5ed77628826.0.html?&L=myvchpnue

    Zitat: „Im Vergleich zum Vorjahr erreichte der Tiergarten Nürnberg in 2011 bereits genau einen Monat früher die Halbmillionenmarke. Besonders die Monate am Jahresbeginn – noch bevor die beiden Eisbärenjungs Aleut und Gegor zu sehen waren – waren aufgrund des guten Wetters besucherstark.“

    Da wir – im Gegensatz zu Morlock aber weder Parapsychaolgen noch Hellseher sind – warten wir also ab, wie sich die Besucherzahlen in diesem Jahr weiter entwickeln. Und selbst dann, wenn sie geringer sein sollten, wissen wir immer noch nicht, ob die Ursache die Lagune ist.

  4. Schon in der Vergangenheit wollten immer weniger Besucher die absurden Delfinshows sehen. Zahlen des Tiergartens:

    Jahr – Zoobesucher – davon gingen ins Delfinarium:

    2007 – 1.062.000 – 400.286 = 37,69%

    2010 – 933.107 – 321.072 = 34,44%

  5. 400.286 Delfinariumsbesucher im ganzen Jahr 2007 und 321.073 im Jahr 2010 (das sind im Schnitt 7698 bzw. 6174 pro Woche)

    Jetzt, nach dem Bau der Lagune waren es in einer einzigen Woche 60.000 Besucher.
    http://www.br-online.de/studio-franken/aktuelles-aus-franken/delfinlagune-tiergarten-nuernberg-panoramabecken-ID1312561207309.xml

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    *** Eine Steigerung von über 900%!!! ***
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    Ich weiß, wie unsinnig eine solche „Hochrechnung“ aufgrund von Moment-Betrachtungen ist. Bei euch „Delfinariumsgegnern“ ist das aber die alltägliche „Methode der Argumentation“. Bauernfängerei eben.

    Also noch mal: Warten wir ab, wie sich die Besucherzahlen entwickeln und ob die Lagune ursächlich ist für ein mehr oder weniger, das weiß momentan keiner. Nur ihr tut so, als ob …

  6. @ Andreas Morlok,
    1 Million Besucher bereits im September und im August so viel Besucher wie noch nie zuvor. Ich befürchte, lieber Andreas, Deine Prognosen mit dem „Flopp“ durch die Lagune (bei die mit zwei „p“) wird zum Flop für euch. Die Menschen draußen lassen sich mehr weiter für dumm verkaufen. Die haben ihre eigene Meinung und gehen in den Tierpark – trotz, oder gerade wegen des Delfinariums. Andreas, seht ein, eure Campagnen fruchten nicht! Ortmüller hat das wohl schon gemerkt und hat sich zurückgezogen oder warum hört man sonst nichts mehr von ihm?

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