Schweinisches Spielzeug

Schweinisches Spielzeug – keine Angst: Mit Beate Uhse hat der folgende Beitrag nichts zu tun, auch wenn die deutsche Sex-Pionierin vor zehn Jahren gestorben ist. Nein, wir bleiben anständig hier. Es geht tatsächlich um Spielzeug – Spielzeug für Schweine. So etwas haben jetzt Forscher der Uni Kassel erfunden. Harmlos ist das Thema trotzdem nicht. Denn die Wissenschaftler haben sich das Ganze ausgedacht, um Mastschweinen das Leben wenigstens ein wenig erträglicher zu machen.

Wie sieht dieses Spielzeug aus? – Da haben sich die Forscher am Menschen orientiert, der ja bekanntlich vieles mit dem Schwein gemeinsam hat. Menschen lieben Ikea, und Menschenkinder lieben das „Bad“ in den vielen kleinen bunten Bällen, das es in jeder Filiale der Möbelhauskette gibt. Das Schweine-Spielzeug besteht praktisch aus solch einem kleinen Ikea-Ball, der auf eine Feder montiert wurde. Fast sieht es aus wie eine Glühbirne, die da über dem Futtertrog in einem nordhessischen Schweinestall angebracht wurde. Auf diesem Bauernhof wird wohlgemerkt keine Massentierhaltung betrieben – die Wissenschaftler haben sich einen Bio-Bauernhof ausgesucht, um das Spielzeug zu testen.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Schweine dort sich nicht übertrieben für das gelb leuchtende Ding interessieren, das ihren Spiel- und Wühltrieb befriedigen soll. Die Bio-Schweine wühlen und spielen nämlich lieber in echtem Dreck, wozu sie im Gegensatz zu ihren Kollegen in Mastbetrieben ja auch genügend Gelegenheit haben. Das eigentliche Zielpublikum für das Spielzeug muss sich jedoch mit nackten Betonböden und engen Boxen ohne Tageslicht begnügen. Unter diesen Bedingungen werden auch Schweine schnell aggressiv und geraten leicht in Streit, was so weit gehen kann, dass sie sich gegenseitig verletzen.

Dagegen soll die von den Kasseler Forschern entwickelte, leuchtend bunte Kugel auf der Feder helfen, die angeblich gleich mehrere Sinne der Borstentiere anspricht. Stupst ein Schwein die Kugel an, macht der Ball eine nicht vorhersehbare Bewegung, was wiederum die Neugierde der intelligenten Rüsseltiere wecken, ihrer Intelligenz angemessen sein und ihrem Wühltrieb entsprechen soll. Das Bad in den Bällen, das wir von Ikea kennen, hat sich bei Schweinen den Forschern zufolge nicht bewährt. Für den genialen „Wühlkegel“ erhoffen sie sich nun den Segen der EU: Die schreibt für schweinisches Spielzeug ab 2013 vor, dass es „veränderbar“ zu sein hat.

Da fällt mir auf: Beate Uhses Vater war Landwirt. Vielleicht hat der ja auch mit schweinischem Spielzeug herumexperimentiert?